Wer Arznei nimmt, sollte das Auto im Zweifel lieber stehen lassen

Wussten Sie, dass sich rund 20 Prozent aller Medikamente negativ auf die Fahrtüchtigkeit auswirken? Beispielsweise ereignet sich jeder vierte Verkehrsunfall nach der Einnahme von Pillen, Tropfen oder Säften, so die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ). Unwissenheit schützt hier keineswegs vor Strafe. Die Rechtssprechung stuft Fahruntüchtigkeit durch Arzneimittel als Unverantwortlichkeit und grobe Fahrlässigkeit ein.

Nebenwirkungen wie bei Drogeneinnahme
Obwohl grippale Infekte oder starke Kopfschmerzen allein schon das Lenken eines Fahrzeugs ausschließen sollten, fängt sich der Fahrer je nach pharmazeutischem Cocktail noch zusätzlich eine ganze Palette an Nebenwirkungen ein. Vor allem Mittel gegen Erkältungskrankheiten beeinträchtigen das Reaktionsvermögen ganz besonders. Dies ist laut GTÜ allerdings nur jedem Fünften überhaupt bewusst. Dagegen hätten 80 Prozent der Autofahrer, die Erkältungsmittel einnehmen, keine Ahnung, dass diese Medikamente ihre Fahrtüchtigkeit wie Rauschmittel beeinflussen. Dieses fehlende Problembewusstsein wird oft noch verstärkt, wenn die Medizin vom Arzt verordnet wurde. Daher empfiehlt es sich, den Beipackzettel eines Medikaments komplett durchgelesen, um auf Nebenwirkungen wie vermindertes Reaktionsvermögen, Benommenheit und Konzentrationsstörungen zu stoßen.

Kaskoschutz in Gefahr
Mit Medikamenten am Steuer ist äußerste Vorsicht geboten. Beispielsweise findet der Wirkstoff Dextrometorphan mehrerer frei verkäuflicher Hustensäfte auch in der Drogenszene Verwendung. Weitere Opiatpharmaka in Hustenmitteln sind Codein und Dehydrocodein. Bei Nachweis von Medikamenten als Unfallursache erlischt der Kaskoschutz der Kfz-Versicherung. Es drohen Bußgeld, Punkte, Fahrverbot und sogar Freiheitsstrafe.

Auto lieber stehen lassen
Nach der Einnahme von Schnupfen-, Husten- oder Schmerzmittel, vor allem aber bei der Kombinationen dieser Präparate, sollte man den Wagen stehen lassen. Ist der Verzicht auf das Auto wirklich unmöglich, dann sollten zumindest folgende fünf Tipps beachtet werden: Informieren Sie sich beim Arzt oder Apotheker über verkehrstaugliche Medikamente. Lesen Sie die Beipackzettel genau durch. Halten Sie die Dosierung und den Einnahmerhythmus wie vom Arzt verordnet ein. Achten Sie auf die geringsten Warnzeichen, wenn etwa die Buchstaben beim Lesen verschwimmen. Verzichten Sie auf Alkohol – selbst noch 24 Stunden nach dem Medikamentenkonsum.