Wir haben uns nach Hinweisen auf zukünftige BMW-M-Modelle umgehört

Albert Biermann fährt einen BMW X6. Das sportliche SUV war zwar im Frühsommer 2008 noch mit abgeklebten Marken-Logos unterwegs, aber für ihn ist der Wagen quasi schon Vergangenheit. Biermann ist Entwicklungschef bei einer von Deutschlands dynamischsten Automarken: BMW M. Er hat maßgeblich den X6 mit auf die Räder gestellt und ist inzwischen längst mit neuen Projekten beschäftigt. Im Rahmen des M-Power-World-Treffens (www.m-power.com) ließ sich Biermann von uns ein bisschen in seine Karten gucken. Wir erhielten ein paar bisher unveröffentlichte Infos zur Zukunft der M-Autos.

CSL
Die Meinung der Hardcore-M-Fans ist eindeutig: Sie wollen ein neues CSL-Modell. CSL steht für ,Coupé Sport Leichtbau". Beim letzten M3 CSL kam zur leichteren Karosserie auch noch ein etwas stärkerer Motor hinzu. Aber hier werden wir noch weiter warten müssen – BMW schätzt die Absatzchancen für ein teures Leicht-Modell im Moment als zu gering ein. Und teuer würde es werden: ,Der Karbonbaum wächst nicht in den Himmel.", meint Albert Biermann schmunzelnd im Hinblick auf den gestiegenen Preis dieses leichten Werkstoffs. Dem Fan ist das egal, er will ein Image-Modell. Biermann dazu: ,Wie müssen das betriebswirtschaftlich darstellen können." Beim derzeit harten Wettbewerb müssen die Hersteller mit jeder Modellreihe Geld verdienen, nicht mit fast jeder.

M7
Auch einen M7 werden wir nicht bekommen. Da es zur M-Philosophie gehört, die Wagen nicht nur kräftiger sondern auch deutlich leichter und agiler zu machen, wäre auch hier ein enormer finanzieller Aufwand nötig. Außerdem arbeitet BMW eng mit dem Tuner Alpina zusammen – und der hat mit dem Alpina B7, den es auch in der Langversion gibt, einen leistungsgesteigerten 7er im Programm. Immerhin kommen im B7 500 PS aus dem 4,4-Liter-Triebwerk.

1er als M
Ebenfalls von Freunden verbesserter Performance gewünscht: ein neues M-Einstiegsmodell. Der gut laufende 1er wäre da genau das Richtige. Die Namensgebung ,M1" würde allerdings wegen des mit einem 1er nicht vergleichbaren originalen BMW M1 Kopfzerbrechen bereiten. Das wäre aber laut Biermann kein Grund, auf einen kleinen M-Wagen zu verzichten. Aber die Strategen von M denken weiter: Ein aufgepowerter 1er würde schnell sowohl leistungsmäßig als auch preislich in die Regionen der 3er-Reihe vorstoßen – und da befürchtet man bei M, dass sich der Kunde dann für die nächsthöhere Klasse entscheidet. Zumal es da ja noch den hübschen Sportwagen BMW 135i Coupé mit 306 PS gibt.

Echter neuer M1?
Was wird nun aus der stilistisch ausgefeilten Studie M1 Hommage? Offiziell will BMW nichts von einer Serienproduktion wissen. Verraten die Frontscheinwerfer seine Zukunft? Der erste M1 hatte Klappscheinwerfer auf der Motorhaube – solche Konstruktionen sind inzwischen wegen des Fußgängerschutzes nicht mehr zulassungsfähig. Und trotzdem wollten die Designer das Frontlicht so gestalten, dass es nur im eingeschalteten Zustand zu sehen ist. Dies glückt, da die Lampen im Dunkel des tiefen Frontschlitzes auf ihren Einsatz lauern. Und hier stellt sich die Frage: Wieso sollte BMW bei einer nicht fahrfähigen Studie, bestehend aus einem hohlen Plastikkorpus mit vier Rädern, die Zulassungsvorschriften beachten? Die Antwort liegt für uns auf der Hand: Ein M1-Hommage-ähnlicher Sportwagen wird kommen, auch wenn es die Bayern momentan noch bestreiten.

Allrad-M
Entwicklungschef Biermann fährt, wie gesagt, einen X6. Und genau diesen Wagen werden wir 2009 als erstes M-SUV wiedersehen. Der riesige X6 kommt als ausgesprochen agiles SUV-Coupé daher, überraschte mit seiner sportlichen Attitüde die ihn testenden Journalisten. Trotz aller Verbrauchs-Diskussionen ist der Wagen auf ein halbes Jahr ausverkauft. Anscheinend sieht man bei einem X6 M ein hohes Verkaufspotenzial. Außerdem will man laut Biermann anderen Herstellern mal zeigen, was in Sachen sportliche SUVs so geht.

Hartes Racing-Zubehör
Porsche verdient gutes Geld mit knallharten RS-Modellen – auf Renn-Anforderungen reduzierte Performance-Fahrzeuge. Die M-GmbH wird in dieser Hinsicht zwar keine neuen Modelle auflegen, aber ihr Zubehör-Programm enorm erweitern. Zum Beispiel wird es auch bei M Keramikbremsen geben – die sind zwar nicht unbedingt notwendig, aber Kunden anderer Hersteller sind bereit, dafür Unsummen auszugeben. Die Leute von M wollen keinen fertigen Bremsensatz bei beispielsweise Brembo einkaufen – so wie es bei anderen Herstellern Gang und Gäbe ist – sondern speziell angepasste Modelle entwickeln, die wirklich Sinn machen. Und die richtigen Freaks dürfen sich sicher bald auch auf Überrollkäfige und ähnliches Zubehör freuen.

M6 mit Competition Paket
Den BMW M6 gibt es für das Modelljahr 2009 mit einem Competition-Paket. Dieses Paket beinhaltet eine ganze Reihe von Fahrwerksmodifikationen. Von außen sind die Competition-Modelle an den so genannten Präzisionslinien in der Motorhaube zu erkennen. Das meiste tut sich natürlich unterm Blech: Ein vollkommen neu abgestimmtes Fahrwerk muss mit einer Tieferlegung vorne um zwölf und hinten um zehn Millimeter zurechtkommen. Darauf wurde das gesamte Fahrwerksregelsystem abgestimmt. Leichte Alu-Schmiederäder helfen zusätzlich, die Performance zu verbessern. Auf der Nürburgring-Nordschleife soll das Paket für eine kaum zu glaubende Zeitersparnis von zehn Sekunden gut sein – womit der M6 dann knapp die magische Achtminuten-Marke unterbieten würde.

Motoren und Verbrauch
Es geht an keinem vorbei: das Thema Verbrauch. Allerdings ist die M-Kundschaft finanziell so aufgestellt, dass auch dauerhaft sehr hohe Spritpreise recht locker toleriert werden. Trotzdem arbeitet man in den Entwicklungsabteilungen der M-GmbH an Downsizing-Lösungen und Start-Stopp-Systemen. Auch ein M-Fahrer möchte sicher im Stand an der roten Ampel keinen Sprit verbrennen. In Sachen Turbo-Motoren-Zukunft verspricht uns Albert Biermann am Ende unseres Gesprächs noch ganz was Besonders – wir sind gespannt.

Bildergalerie: Dynamik hat eine Zukunft