Eines der härtesten Offroad-Rennen der Welt geht in die zweite Runde

Moskau (Russland)/Ulan Bator (Mongolei) – Die Rallye Dakar wurde am 4. Januar 2008, einen Tag vor ihrem Start, aus Sicherheitsgründen abgesagt. Aber für den Freund knallharter Offroadabenteuer gibt es probaten Ersatz: Die Transsyberia Rallye findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Der Termin wurde auf den Zeitraum vom 11. bis 25. Juli vorverlegt, um medial nicht mit den olympischen Spielen in Peking (8. bis 24. August 2008) zu kollidieren. Für die Strecke von 7.200 Kilometer von Moskau nach Ulan Bator hat Porsche einen neuen Cayenne S Transsyberia aufgelegt. In diesem stecken vor allen Dingen Weiterentwicklungen, die auf den Erfahrungen der vergangenen Transsyberia (3. bis 17. August 2007) beruhen. Das Fahrzeug wurde erstmals auf der Automobilmesse AMI in Leipzig (5. bis 13. April 2008) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Schwachstellen ausgemerzt
2007 war das Ergebnis der Transsyberia klar: Auf den ersten drei Plätzen standen Porsche Cayenne S Transsyberia. Ein riesiger Triumph für das Spezialmodell, der aber hart erkämpft war. Reihenweise gerissene Ölwannen und vor allen Dingen unzählige zerfetzte Reifen brachten Renn- und Service-Teams an die Grenzen ihrer Kräfte. Porsche hat jetzt mit der neuen Cayenne-S-Transsyberia-Generation ein überarbeitetes Modell im Angebot. Der ohnehin schon sensationell gute Aluminium-Unterfahrschutz wurde verstärkt und neu geformt, was vor allen Dingen die Ölwanne noch besser schützen soll. Außerdem hat man sich in Zuffenhausen für eine vollkommen neue Bereifung entschieden: Offroad-Reifen von BFGoodrich der Dimension 265/65 R18 R treten mit groben Stollen und mit im Vergleich zum Vorjahr höheren und verstärkten Flanken an. Durch die Bereifung gewinnt der Cayenne-S-Transsyberia drei Zentimeter an Bodenfreiheit, seine Höchstgeschwindigkeit ist auf 170 km/h begrenzt, was für Geländefahrten mehr als ausreichend sein sollte.

Ruhiger unterwegs
Um den Böschungswinkel des Cayenne S Transsyberia zu vergrößern, wurden Front- und Heckverkleidung modifiziert, schließlich riss bei der letzten Ralley gerne mal eine Heckschürze ab. Auch in die Abstimmung des Luftfahrwerks flossen die Erfahrungen aus der letztjährigen Rallye ein, in der Sondergelände-Einstellung beträgt die Wattiefe jetzt 78 Zentimeter. Zudem müssen sich jetzt nicht mehr die Serienstoßdämpfer mit dem mongolischen Geröll abmühen. Sie wurden durch spezielle Rallye-Stoßdämpfer ersetzt. Laut Porsche liegt der Wagen so gerüstet deutlich ruhiger auf der Piste als noch das 07er-Modell. Zudem wurde das PDCC (Porsche Dynamic Chassis Control), was die Seitenneigung in Kurven erheblich reduziert, angepasst.

Innen alles mit Schutz
Um die Insassen des 385-PS-Geländerenners vor Verletzungen zu schützen, kommt der Cayenne S Transsyberia wieder mit einem massiven Sicherheitskäfig daher. 2007 war dieser Käfig mit dafür verantwortlich, dass zum Beispiel der auch dieses Jahr mitfahrende Ex-Rallye-Europameister Armin Schwarz nach einem mehrfachen Überschlag nur unwesentliche Blessuren davontrug. Im Sitz gehalten werden die Passagiere von Sechspunkt-Gurten. Alle Steuergeräte wurden in den wasserdichten Innenraum verlagert, für elektrische Leitungen mussten neue Wege gefunden werden. Die Kabine ist bis zur Unterkante der Seitenfenster vor eindringendem Wasser geschützt. Der Motor saugt seine Luft von oberhalb der Motorhaube an, für Wasserdurchfahrten mit Bugwelle kann zusätzlich ein dachhoher Schnorchel montiert werden.

Umfangreiche Kleinserien-Ausstattung
Porsche gibt dem Cayenne S Transsyberia ab Werk allerlei nützliches Zubehör mit. So ist ein spezielles Offroad-Navigationsgerät genauso dabei wie ein Tripmaster-Computer. Mit diesem anstelle des Handschuhfachs angebrachten Rechner kann der Beifahrer die Wegstrecken zwischen den einzelnen Punkten einfacher ermitteln. Und wer im Gelände driften will, kann beim Cayenne S Transsyberia zur Handbremse greifen, die serienmäßige Feststellbremse entfällt. Vom Dach strahlen vier Zusatzscheinwerfer ins mongolische Dunkel, im Heck ist eine leicht zu montierende Berge-Seilwinde untergebracht. Weitere Nützlichkeiten an Bord: zwei Feuerlöscher, zwei Sandbleche, zwei vollwertige Reserveräder, zwei Transportboxen für Werkzeug, zwei Zweimann-Zelte, zwei Isomatten, vier Spanngurte, ein neun Meter langer Bergegurt mit Schäkel, ein Klappspaten, eine Klappsäge, eine Axt, ein Arbeitsscheinwerfer, vier Abschleppösen und ein Werkzeugset von Hazet. Porsche hat zwei neue Transsyberia-Wagen gebaut, ansonsten stehen die Modifikationen als Umbaukit für die bereits existierenden Cayenne S Transsyberia zur Verfügung. Kostenpunkt des extrem umfangreichen Pakets: 30.000 Euro.

Meldeschluss ist Mitte Mai
Zahlreiche Teams haben sich bereits für die Transsyberia Rallye 2008 angekündigt. Die Anmeldefrist endet am 2. Mai (Teilnahmegebühr 2.500 Euro), Nachzügler können sich gegen eine Extragebühr (200 Euro) noch bis 23. Mai 2008 registrieren. Dr. Erik Brandenburg, mit seinem selbst aufgebauten Porsche Carrera Safari von 1975, letztjähriger Publikumsliebling und am Ende Neuntplatzierter, wird dieses Jahr nicht mit von der Partie sein. Aber andere unterwerfen sich zum zweiten Mal den Strapazen der Tour. Für Porsche geht wieder Armin Schwarz ins Rennen. Der in Österreich lebende Deutsche wurde 1996 auf Toyota Rallye-Europameister. Sein Beifahrer wird Andy Schulz sein. Der in Dubai lebende Deutsche war zweimal mit Mitsubishi bei der Rallye Dakar erfolgreich. Das zweite Porsche-Werksfahrzeug wird vom Spanier Carles Celma pilotiert, sein Beifahrer ist der in Heilbronn lebende Deutsche Wolf-Hendrik Unger. Unger fuhr schon 1985 auf einem 959 zusammen mit Jacky Ickx bei der Pharaonen-Rallye. Celma war letztes Jahr bei der Transsyberia dabei und konnte dort einen Etappensieg erringen.

Bildergalerie: Ersehnte Strapazen