Einen Smart an der Ecke sehen und gleich mieten im Pilotprojekt

Am 24. Oktober 2008 geht es los: In Ulm werden über das gesamte Stadtgebiet verteilt 50 Smart-cdi-Modelle stehen. Wer einen sieht und gerade gebrauchen kann, steigt einfach ein und fährt für 19 Cent pro Minute zum Ziel. Smart-Markenmutter Daimler erprobt mit dem Pilotprojekt "Car2go" im Ulmer Stadtgebiet diese neue Variante des Car-Sharings. Allerdings kommen als erstes nur Daimler-Mitarbeiter vom Standort Ulm und ihre Angehörigen in den Genuss des Versuchs – Daimler geht von ungefähr 500 Teilnehmern aus.

RFID-Chip als Schlüssel
Car2go-Teilnehmer müssen sich einmalig kostenfrei für das Projekt anmelden. Dem Fahrer wird ein RFID-Chip (Radio Frequency Identification – Identifizierung mit elektromagnetischen Wellen) auf den Führerschein geklebt. Dieser Chip wird von jedem Car2go-Smart erkannt und dient somit als Schlüssel zum Fahrzeug. Laut Daimler kann jeder Führerschein, also auch der alte graue "Lappen", mit dem RFID-Chip beklebt werden. Der Chip muss über ein hinter der Frontscheibe platziertes Lesegerät gehalten werden, schon entriegelt sich der Wagen. Innen muss der Fahrer dann noch zusätzlich eine PIN eingeben – als weiteres Sicherheitsmerkmal, damit kein Fremder mit einem gefundenen Führerschein Zugang zum Mietwagen bekommt.

Reservieren oder einfach einsteigen
Wer einen Smart mieten möchte, kann sich diesen telefonisch oder über das Internet bis zu 24 Stunden im Voraus reservieren. In diesem Fall wird der Kunde eine Stunde vor Fahrtantritt per SMS über den Standort des nächstgelegenen Fahrzeugs informiert. Wer einen Car2go-Smart am Straßenrand stehen sieht, kann aber auch einfach einsteigen und losfahren. Allerdings sind reservierte Smart für einen Vorbeikommer gesperrt. Ein Serviceteam gewährleistet, dass niemand, der einen Wagen reserviert, länger als drei bis vier Minuten zu Fuß gehen muss, um zu seinem Smart zu gelangen. Das gleiche Serviceteam kümmert sich auch um die Reinigung und das Betanken der Fahrzeuge – schließlich ist es immer über den Tankfüllstand und per GPS (Global Positioning System – globales Positionsbestimmungssystem) über die Position des Fahrzeugs informiert. Dies heißt auch, dass in der Car2go-Zentrale ein komplettes Bewegungsbild der Mietwagen entsteht – Big-Brother-Welten, wie sie bisher eher beim Bundes-Kriminalamt vermutet wurden. Car2go betont aber, dass ein Datenschutzbeauftragter permanent darüber wacht, dass die gesammelten Daten ausschließlich für die Wartung der Fahrzeuge verwendet werden.

Übersichtliche Kosten
Wer sich in ein Car2go-Fahrzeug setzt, zahlt pro Minute 19 Cent – das war`s. In diesem Betrag sind sowohl die Spritkosten als auch Versicherung und Steuern enthalten, wobei in Sachen Versicherung im Schadensfall eine Selbstbeteiligung in Höhe von 500 Euro fällig wird. Wer so eine weite Strecke zurücklegt, dass er tanken muss, zahlt mit der im Handschuhfach befindlichen Tankkarte. Der Zeitaufwand fürs Tanken wird dem Fahrer in Form von Freiminuten gutgeschrieben.

Abstellen in der Stadt, fahren überall
Mieten und wieder abstellen kann man den Car2go-Smart im gesamten Ulmer Stadtgebiet. Alle nicht bewirtschafteten Parkplätze und eine Menge extra angelegter Car2go-Parkplätze dienen als Standorte für die kleinen Flitzer. So hat die Stadt Ulm extra Stellplätze am Bahnhof oder anderen stark frequentierten Orten einrichten lassen, die ausschließlich für die Car2go-Flotte reserviert sind. Wer will, kann mit seinem Mietwagen bis nach Italien oder weiter fahren, aber um die Miete zu beenden, muss das Fahrzeug nach Ulm zurückkehren.

Ausweitung geplant
Alle Car2go-Smarts verfügen über ein Navigationssystem und eine eingebaute SIM-Karte, damit jederzeit kostenfrei Kontakt mit der Service-Zentrale aufgenommen werden kann. Außerdem kann die Verwaltung per Touchscreen-Abfrage vor jedem Fahrtantritt über den Zustand des Wagens informiert werden – damit zerstörerische Vorbenutzer enttarnt werden können, zumal Rauchen und das Mitnehmen von Tieren im Wagen nicht erlaubt sind. Nach der nun anlaufenden Testphase sollen ab Frühjahr 2009 zirka 200 Fahrzeuge zur Verfügung stehen – und das jedem, der Lust darauf hat. Und: Seine Produktion startet zwar erst Ende 2009, aber mittelfristig kann man sich Car2go auch die Integration des für den Stadtverkehr besonders gut geeigneten, rein elektrisch betriebenen Smart ed in die Fahrzeugflotte vorstellen.

Car2go: Immer mal Smart