Der Automobilclub fordert: Seitencrash muss europäische Richtlinie werden

Der ADAC hat zusammen mit seinen europäischen Partnerclubs und der Stiftung Warentest zehn Kindersitze getestet. Acht Modelle werden mit ,gut" benotet, zwei schließen mit ,befriedigend" ab. In allen Klassen gibt es gute Exemplare, somit wird die Auswahl von Sitzgelegenheiten für die Kleinen leichter. Unter den getesteten Produkten befinden sich auch zwei rückwärts gerichtete Sitze, so genannte Reboardsysteme, für Kinder von neun bis 18 Kilogramm. Diese haben sich im Frontalcrash als besonders sicher bewährt.

Leichte Schwächen im Komfort
Eines der Reboardsysteme, der Wavo Fix XL Isofix, bekommt die Gesamtnote ,gut". Im Komfort zeigen sich bei diesem Sitz allerdings leichte Schwächen. Der Recaro Polaric, ebenfalls ein rückwärts gerichteter Kindersitz, spielt seine Stärken im Frontalaufprall aus. Er erhält hier die Bestnote ,sehr gut". Im Seitencrash schützt er allerdings nur durchschnittlich. Außerdem ist die Montage etwas umständlich und der Sitz an sich sperrig sowie relativ schwer. Ein anderer Schwachpunkt ist die äußerst aufrecht stehende Rückenstütze. Der Komfort für das Kind ist eingeschränkt. Deshalb erhält der Recaro Polaric insgesamt nur ein ,befriedigend".

ADAC fordert Seitencrashtest
Rückwärts gerichtete Sitze schützen den Nachwuchs vor allem beim Frontalaufprall. Im Seitenaufprallschutz unterscheiden sich die Sitze allerdings kaum von den herkömmlichen, nach vorne gerichteten Produkten. Gerade weil der Seitenschutz ein sensibles Thema ist, fordert der ADAC, dass der Seitencrash Bestandteil der europäischen Zulassungsrichtlinie für Kindersitze wird. Diese Richtlinie (ECE-R44/04) schütze vor schlechten Sitzen. Allerdings schreibt sie immer noch keinen Seitencrashtest vor. Seitenkollisionen sind aber besonders gefährlich. Sie kommen in der Unfallrealität häufig vor und führen oftmals zu schwersten Verletzungen, weil eine seitliche Knautschzone fehlt. Selbst Kopfairbags bringen Kindern meist nichts, sie tauchen meistens unter dem Airbag durch.

Kindersitz mit Gurt straff fixieren
Beim Kindersitzkauf empfiehlt der ADAC, mit dem eigenen Auto zum Händler zu fahren. Denn nicht jeder Sitz passt perfekt in jedes Auto. Außerdem sollte man den Einbau samt Sicherung des Kindes im eigenen Auto selbst ausprobieren. Der Kindersitz muss mit dem Sicherheitsgurt stets so straff wie möglich fixiert werden. Nur dann wird bei einem Unfall der Schutz voll wirksam. Gleiches gilt für die Gurte, mit denen der Nachwuchs festgeschnallt ist. Lasche Gurte führen beim Crash dazu, dass der Kinderkörper nach vorne schleudert und dann ruckartig gestoppt wird. Die Belastung wird zu hoch. Der Kopf schlägt dann möglicherweise gegen den Vordersitz.

Bildergalerie: ADAC Kindersitztest 2008