TÜV Süd gibt verschiedene Tipps zum Thema Erd- und Autogas

Angesichts der anhaltend hohen Benzinpreise hält der Trend zur Umrüstung auf Gasantrieb weiter an. Bei den Service-Centern vom TÜV Süd hat sich die Zahl der Begutachtungen von Gas-Nachrüstanlagen im ersten Halbjahr 2008 mehr als verdoppelt. Im Folgenden lesen Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Umrüstung.

Erdgas oder Autogas
Als Kraftstoff sind Erdgas und Autogas/Flüssiggas gebräuchlich. Weil man ein Auto nur mit einem von beiden betreiben kann, muss man sich vorher entscheiden: CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet Erdgas, das auch im Haushalt verwendet wird. An ausländischen Tankstellen steht oft auch nur Methan, abgekürzt M. Die Abkürzung LPG (Liquified Petroleum Gas) steht für Flüssiggas, meist Autogas genannt. Dabei handelt es sich um ein Nebenprodukt, das bei der Erdölraffination entsteht.

Billiger fahren mit Erdgas
Für Erdgas gilt das Gewicht als Grundlage für die Preisauszeichnung. Ein Kilogramm dieses Gases bringt das Auto ungefähr so weit wie 1,5 Liter Superbenzin. Wegen der großen Preissprünge beim Benzin sind exakte Vergleiche schwer. Im Schnitt kostet das Fahren mit Erdgas aber rund die Hälfte gegenüber Benzin. Flüssiges Autogas scheint an der Preistafel zunächst noch preiswerter zu sein. Es wird allerdings wie Benzin pro Liter berechnet und der Autofahrer muss nahezu zwei Liter Autogas kaufen, um die gleiche Energiemenge wie bei einem Kilogramm Erdgas zu erhalten. Unter dem Strich ist Autogas deshalb rund 30 Prozent teurer als Erdgas, so der TÜV Süd.

Bis zu 3.500 Euro kostet eine Umrüstung
Die Umrüstung auf Autogas ist relativ einfach und kostet je nach Modell normalerweise zwischen 1.800 und 3.500 Euro. Inzwischen bieten Umrüster Gaslösungen für alle gängigen Fahrzeugtypen an. Grundsätzlich lassen sich alle Benziner – selbst solche mit Vergaser – umrüsten, so der TÜV Süd. Je nach Modell können die Kosten aber auch stark steigen, weil beispielsweise Spezialanfertigungen nötig werden. Bei den momentanen Benzinpreisen gilt die Faustregel: Wer nur wenige Tausend Kilometer im Jahr mit einem sparsamen Ottomotor zurücklegt, fährt immer noch billiger mit Sprit. Mit Kosten bis zu 5.500 Euro ist die Umrüstung auf Erdgas aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen. Viele Hersteller bieten aber inzwischen Neufahrzeuge mit Erdgasbetrieb an. Sie sind rund 2.800 bis 5.500 Euro teurer als Benziner. Vereinzelt sind sie aber zum gleichen Preis erhältlich wie ein Dieselmotor.

Günstige CO2-Bilanz
Von allen fossilen Kraftstoffen weist Erdgas die günstigste Kohlendioxid-Bilanz auf, so der TÜV Süd. Im Vergleich zu einem Benziner verursacht es bis zu 25 Prozent weniger CO2 und trägt bis zu 80 Prozent weniger zur Smog-Bildung bei. Der Ausstoß von Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid sowie Ruß- und andere Partikelemissionen werden beim Erdgas-Betrieb nahezu vollständig vermieden. Das wird bei Neufahrzeugen mit Gasantrieb auch im Fahrzeugschein vermerkt.

Plakettenvergabe bleibt gleich
Die Umrüstung auf Gas hat auch bei älteren Fahrzeugen keinen Einfluss auf den Abgasschlüssel, der Grundlage für die Plakettenvergabe ist. Nur bei Neufahrzeugen, mit werkseitig eingebautem Gasantrieb, werden andere Schlüssel vergeben, die bei künftigen Gesetzesänderungen, beispielsweise einer CO2-abhängigen Besteuerung, zum Tragen kämen.

Werkseitiger Umbau sicherer
Wer auch im Gasbetrieb auf vollständige Gewährleistung nicht verzichten will, sollte nur werkseitig umbauen lassen. Hierzulande bieten vor allem Ford, Opel und VW solche werkseitigen Umbauten in eigens gegründeten Tochterunternehmen an. Das gilt für beide Gasarten. Motoren und andere Komponenten sind bei diesen Fahrzeugen für den Gasbetrieb optimiert, so sorgen zum Beispiel härtere Kolben und Ventilsättel für ausreichende Stabilität bei der heißeren und trockeneren Gasverbrennung. Bei freien Umrüstern hingegen ist die Gewährleistungslage eher unübersichtlich. Fahrzeughersteller schließen oft jegliche Gewährleistung nach einem solchen Umbau aus.

Gastank kann nicht explodieren
Entgegen Befürchtungen ist der Gasantrieb sicher, so der TÜV Süd. Statistisch brennen entsprechende Autos sogar seltener als solche mit konventionellen Kraftstoffen. Explodieren kann ein Gastank gar nicht: Notventile lassen den Inhalt entweichen, bevor es zu einer Explosion kommen kann. Er verbrennt dann zwar, aber ohne Verpuffung. Weder Erd- noch Flüssiggas sind giftig. Keine Gewähr für die Sicherheit gilt hingegen bei Billiganbietern, sagt der TÜV Süd. Eine gute Orientierung bietet die ECE-Norm 115. Wird danach umgebaut, ist man auf der sicheren Seite, weil sich die Norm nicht nur auf alle Komponenten bezieht, sondern das gesamte System und die Kompatibilität mit dem jeweiligen Fahrzeugtyp beinhaltet.

Kein falsches Tanken möglich
Autogas gibt es an rund 3.000 Stellen in Deutschland. Diese liegen allerdings oft abseits gewohnter Spritquellen. Beim Erdgas sind es erst rund 800, aber die Zahl steigt schnell. Zudem wird Erdgas hauptsächlich an üblichen Markentankstellen ausgeschenkt. Ausgeklügelte Ventile stellen sicher, dass beim Tanken kein Gas entweichen kann. Auch kann niemand versehentlich die falsche Gassorte tanken. Die Tankschläuche würden schlicht nicht passen.

Günstige Steuersätze
Nur noch wenige Tiefgaragen verbieten die Einfahrt mit Gasautos. In aller Regel meinen die Betreiber dann auch nur Autogas, das schwerer als Luft ist und nicht nach oben entweichen kann. Bis 2018 will sich der Fiskus bei der Besteuerung des Gases zurückhalten. Bei der Kraftfahrzeug-Steuer gelten die im Vergleich zum Diesel deutlich günstigen Sätze für Benzinmotoren.

Förderung von Erdgasautos
In fast allen Regionen Deutschlands fördern örtliche Erdgasversorger den Kauf eines Erdgasautos. Manche zahlen einen direkten Zuschuss, andere geben eine bestimmte Menge Gas kostenlos ab. Es handelt sich um durchaus nennenswerte Beträge von nicht selten 500 bis 1.000, in Einzelfällen sogar bis zu 2.000 Euro.

Bildergalerie: Umrüstung auf Gas