BMW stellt erstes DKG für Hochdrehzahl-Motoren vor

Es ist soweit: Auch BMW hat jetzt ein Doppelkupplungsgetriebe (DKG) im Angebot. Das Siebengang-DKG wird vom Getriebespezialisten Getrag produziert und wurde in Zusammenarbeit mit diesem über drei Jahre zur Serienreife entwickelt. Als Erstes kommt es in den sportlichen M3-Modellen zum Einsatz, wo es optional gegen einen Aufpreis von 3.600 Euro verfügbar ist.

Verträgt hohe Drehmomente
Das DKG löst das Zeit seines Wirkens umstrittene automatisierte Schaltgetriebe SMG ab. Die Japaner liebten das SMG und bestellten 100 Prozent ihrer M-BMWs mit diesem System. Hierzulande war es manch einem Kunden zu ruppig und unausgegoren. Das soll mit dem frischen Doppelkupplungsgetriebe vorbei sein. Zwei nass geschmierte Kupplungen sorgen für einen permanenten Kraftfluss – und Kraft gibt es jede Menge zu verwalten. Schließlich bringt der 420-PS-V8 des M3 400 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle. Laut BMW ist damit die Obergrenze der Belastbarkeit noch lange nicht erreicht – eine um 30 Prozent höhere Belastung soll das Getriebe locker verkraften. Somit ließe sich auch der 520 Newtonmeter starke Zehnzylinder aus dem M5 mit dem neuen DKG verbinden. Den normalen BMW-Modellreihen wird das Getriebe ebenfalls nach und nach zur Verfügung stehen, allerdings ohne die ,Drivelogic" genannten Fahrprogramme – die bleiben dem sportverliebten M-Fahrer vorbehalten.

Feine Technik
Das Siebengang-DKG für längs eingebaute Hochdrehzahl-Motoren – beim 4,0-Liter-V8 des M3 sind bis zu 9.000 U/min drin – arbeitet grundsätzlich nach dem klassischen Prinzip eines Direktschaltgetriebes: Eine Kupplung ist für die geraden Gänge zuständig, während sich die andere Kupplung um die ungeraden Gänge und den Rückwärtsgang kümmert. Eine der beiden Kupplungen ist im Fahrbetrieb immer geschlossen, während die andere auf den nächsten Schaltvorgang lauert. Öffnet sich die erste Kupplung, schließt sich die zweite Kupplung parallel dazu, was zu einem Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung führt. Der Schaltvorgang dauert hierbei nur wenige Millisekunden. Welcher Gang als Nächstes folgt, versucht das System anhand der Überwachung von Fahrpedalstellung, Motordrehzahl, Geschwindigkeit und Fahrprogramm zu erkennen.

Mehr Dynamic-Feeling
Das BMW-DKG ist auf extrem kurze Drehzahlsprünge ausgelegt, was einen intensiven Beschleunigungsvorgang ermöglichen soll. Beim Abbremsen wird dagegen ein sehr sanftes Einkuppeln erzeugt, was ein unerwünschtes Abbremsen der Hinterräder verhindert. Bei einem großen Drehzahlsprung nach unten wird die Motordrehzahl per Zwischengas-Stoß angepasst, was Lastwechselreaktionen minimiert und so die Fahrstabilität erhöht. Zusätzlich fungiert ein Zweimassenschwungrad als Torsionsdämpfer.

Wohl temperiert
Der M3 braucht einen Einsatz auf der Rennstrecke nicht zu scheuen – auch mit dem neuen DKG nicht. Eine speziell konzipierte Getriebe-Öl-Kühlung sorgt immer für die richtige Temperatur. Zum einen wurde das Getriebe-Kühl-System in den Kühlwasserkreislauf des Motors integriert, zum anderen wurde ein zusätzlicher Öl-Kühler verbaut, um auch extremen Anforderungen gerecht zu werden. Mithilfe des Motor-Kühlwasserkreislaufs kommt das Getriebe-Öl in der kalten Jahreszeit zudem schneller auf die optimale Betriebstemperatur.

Manuell oder automatisch
Zum einen kann der Fahrer die Schaltarbeit komplett dem Doppelkupplungsgetriebe überlassen, zum anderen kann er aber auch per Hand über den Wahlhebel oder die Aluminium-Schaltwippen am Lenkrad die Momente einteilen. Hinzu kommen insgesamt elf per Knopfdruck einstellbare Fahrprogramme. Im ,D-Modus" genannten Automatik-Betrieb stehen fünf, im ,S-Modus" getauften manuellen Betrieb sogar sechs Fahrprogramme zur Verfügung. In feinen Abstufungen geht es dabei jeweils von komfortablen Einstellungen bis zu ultraharten Renn-Charakteristiken. In der untersten Stufe fährt der Wagen, wenn nötig, im zweiten Gang an, was bei winterglatter Straße von Vorteil ist. Am anderen Ende der Skala werden die Gänge maximal ausgedreht, um eine rasante Beschleunigung zu ermöglichen. Wer seine ganz persönliche Lieblingseinstellung gefunden hat, kann diese abspeichern und dann jederzeit durch Druck auf die MDrive-Taste am Lenkrad unkompliziert wieder abrufen.

Ultimativer Start: Launch Control
Die Technikverliebtheit der M3-Konstrukteure geht einher mit der ihrer Kunden. Bestes Beispiel: die Launch Control. Dieses System holt auch noch den letzten Sekundenbruchteil aus einer Startbeschleunigung. Allerdings gilt es dafür einen Haufen Randbedingungen zu erfüllen. So müssen zum einen Reifenzustand, Fahrbahnbelag und Beladungszustand optimal sein. Zum anderen muss der Fahrer bei aufgewärmtem Motor und stehendem Fahrzeug sowie aktiviertem Fahrprogramm S6 den Wahlhebel nach vorn drücken und in Position halten. Leuchtet dann das Startflaggen-Symbol in den Instrumenten auf, wird das Gaspedal durchgetreten – so wird der Motor auf die perfekte Anfahrdrehzahl gebracht. Gleichzeitig muss aber mit dem linken Fuß das Bremspedal gedrückt werden, damit der Wagen nicht wegrollt. Wer will, kann jetzt noch durch Tippen am Hebel für die Geschwindigkeitsregelung die Motordrehzahl feinjustieren. Nach Loslassen des Wahlhebels wird dann mit von der Kupplung geregeltem Schlupf an den Hinterrädern optimal beschleunigt. Viel Spaß beim Üben ...

Ein Herz für Langsamkeit
Das M3-DKG ist nicht nur für ultimative Race-Performance gut. Bei Geschwindigkeiten von unter fünf km/h schaltet sich ein Low-Speed-Assistent ein, welcher zum Beispiel den Komfort beim Einparken erhöht. Außerdem schaltet das Getriebe im Gebirge anders. Bergauf wird das von manchen Automatikschaltungen hinlänglich bekannte Jagen nach dem richtigen Gang vermieden, während bergab die Gänge länger gehalten werden, um die Motorbremskraft besser zu nutzen.

Vorteile bei Beschleunigung und Verbrauch
20 Kilogramm mehr bringt das neue DKG gegenüber dem alten SMG auf die Waage. Den Fahrleistungen ist dies allerdings nicht abträglich: Mit 4,6 Sekunden geht die Beschleunigung von null auf 100 km/h um 0,2 Sekunden schneller vonstatten als mit dem Handschalter. Der Verbrauch liegt trotzdem unter dem der manuell beschalteten Modelle: 12,4 Liter auf 100 Kilometer stehen hier den 11,9 Liter des DKG-Coupés gegenüber – eine Ersparnis von einem halben Liter. Beim M3 Cabrio werden sogar 0,6 Liter Kraftstoff gespart. Wie sich das DKG im Praxistest schlägt, erfahren Sie in Kürze bei unserem Test eines BMW M3 Coupés.

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