Der britische Bloodhound SSC soll in einer Sekunde fast 500 Meter weit kommen

Andy Green macht einen Wimpernschlag und schon ist er 50 Meter vorangekommen. Zumindest stellen sich das die High-Speed-verrückten Mannen vom Bloodhound-SSC-Projekt so vor. Voraussichtlich im November 2011 soll ihr Überschall-Fahrzeug die Rekordgeschwindigkeit für Landfahrzeuge hochdrehen: auf 1.609 km/h.

Irrwitzige Daten
Der bisherige Geschwindigkeitsrekord liegt schon eine Weile zurück: Am 15. Oktober 1997 fuhr der Thrust SSC offiziell bestätigte 1.228 km/h – was damals eine Sensation war. Schließlich durchbrach der Kampfjet-ähnliche Wagen bei einigen Versuchen die Schallmauer. Bei 20 Grad Celsius Lufttemperatur liegt die Schallgeschwindigkeit bei 1.234,8 km/h. Jetzt will das gleiche Team einen der größten Sprünge hinlegen, die in Sachen Geschwindigkeits-Weltrekord je erreicht wurden: 1.000 Meilen pro Stunde, also 1.609 km/h sollen es schon sein. Das Rekordfahrzeug, der Bloodhound SSC, ist 12,8 Meter lang und zirka sechs Meter breit. Voll aufgetankt bringt er 6.422 Kilogramm auf die Waage – sechs Tonnen auf High-Speed. Die Räder der fahrenden Rakete haben einen Durchmesser von 90 Zentimeter und werden sich pro Minute über 10.000 mal um ihre eigene Achse drehen. Der Karbon-Titan-Körper der Bloodhound SSC wird dabei einen Luftdruck von 12 Tonnen pro Quadratmeter aushalten müssen.

Hängt locker eine Boeing ab
Angetrieben wird der Blitz auf Rädern von einem hochmodernen Hybrid-System: Ein Jet-Fighter-Triebwerk wird von einer ausgewachsenen Rakete unterstützt. Würde die Geschwindigkeit von 1.609 km/h wirklich erreicht, sind 472 Meter Wegstrecke in einer Sekunde drin. Spritsparen und Hybrid passen hier eher nicht zusammen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut dem Bloodhound-SCC-Team über dem Rekord für tief fliegende Flugzeuge: Dort wurden bisher 1.599 km/h erreicht, der Rekordwagen wäre also zehn Kilometer pro Stunde schneller. Auch ein Jumbo Jet hätte gegen den Renner keine Chance: Eine Boeing 474-SP kommt gerade mal auf 1.000 km/h. Und glaubt man den ehrgeizigen Projektleuten, so könnte der Bloodhound SSC in voller Fahrt auch eine frisch abgeschossene Pistolenkugel überholen – Neun-Millimeter-Geschosse kommen typischerweise auf 1.500 km/h Mündungsgeschwindigkeit.

Als Technologie-Träger gedacht
Die Macher des Bloodhound SSC sehen ihr Projekt nicht als reinen Rekordversuch. Vielmehr sollen die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung Einzug in künftige Fahrzeug-Generationen halten. Frei von jeglichen Restriktionen verspricht man sich einen erheblichen Innovationsschub. Das privat finanzierte Unternehmen wird unter anderem von britischen Universitäten unterstützt. Ingenieure, Mathematiker und Designer wollen die Technik an ihr äußerstes Limit treiben – und damit auch ein Stück Fascination erzeugen. Andy Green, ehemaliger Kampfjet-Pilot, Fahrer der Thrust SSC und avisierter Rekordfahrer im Bloodhound SSC, will mit dieser Superhelden-gleichen Leistung vor allen Dingen Kinder und Jugendliche für Wissenschaft und Technik begeistern.

Schneller als alle anderen