Alle Hintergrundinformationen zum Marktstart der noblen Japaner

Mane-en-Provence (Frankreich), 27. Oktober 2008 – Vorschusslorbeeren sehen sicherlich anders aus: Kaum hatte Nissans Nobel-Ableger Infiniti verkündet, seine Modelle auch in Europa verkaufen zu wollen, kamen die Skeptiker. Große Autos mit vielen Pferdestärken, das Ganze auch noch ohne einen Diesel im Angebot und als Krönung die Finanzkrise obendrauf. Mit solchen Voraussetzungen sei doch ein Scheitern beinahe zwingend, wird geätzt. Doch halt: auch hier gilt der Rechtsgrundsatz ,In dubio pro reo", also im Zweifelsfall für den Angeklagten. Grund genug, vor allzu schnellen Urteilen erst einmal die Fakten zu betrachten.

Start vor fast 20 Jahren in den USA
Infiniti ist ein Tochterunternehmen von Nissan, die Eigenständigkeit wird nachdrücklich betont, auch wenn einige Modelle in Japan als Nissan und in den USA als Infiniti verkauft werden. Der Verkauf der Infiniti-Fahrzeuge begann offiziell am 8. November 1989 mit der Eröffnung von 51 Autohäusern in den USA. Auf den vom englischen Begriff ,infinity" für Unendlichkeit abgeleiteten Namen hatte man sich bereits zwei Jahre zuvor geeinigt. Er soll der Ausdruck eines zu neuen, unendlichen Horizonten strebenden Markenbewusstseins sein. Im Jahr 2004 hatte Infiniti in den USA die Marke von einer Million verkaufter Fahrzeuge erreicht. Mit der Markteinführung in Taiwan 2000 begann die die globale Expansion, es folgten der Mittlere Osten (2004), Südkorea (2005), Russland (2006) sowie die Ukraine und China im Jahr 2007.

Europastart im Jahr 2008
Nun kommt Europa an die Reihe: In Italien und Frankreich soll der Marktstart bereits im Herbst 2008 erfolgen, in Deutschland erst im zweiten Halbjahr 2009. Warum diese Verzögerung? Neben der Finanzkrise, die Infiniti allerdings langfristig nicht vorhersehen konnte, will man die Zeit zur Beobachtung der Märkte in Frankreich und Italien nutzen. Zum anderen befindet sich das Händlernetz, welches final aus 13 Infiniti-Centern bestehen soll, noch im Aufbau. Die Center werden sich in Ballungsräumen respektive Großstädten befinden, ein Hol- und Bringservice im Umkreis von 250 Kilometer soll dennoch ganz Deutschland abdecken helfen.

Nobles Ambiente
Die Verkaufsräume werden bewusst in einem etwas unterkühlten Nobelambiente eingerichtet. Möbel aus dunklem Holz und Sofas sorgen für eine Art Lounge-Atmosphäre. Highlight soll der überdimensionale Modellkonfigurator sein. Mittels eines Touchscreens kann der Verkäufer den Kunden ihr künftiges Auto dreidimensional erstellen, echte Lederbahnen helfen dem Interessenten bei der Wahl der Polsterung. Bereits bekannt sind vier verschiedene Modelle, welche alle speziell für Europa überarbeitet werden. Die G37 Limousine und das G37 Coupé liegen größenmäßig zwischen der Mercedes C- und E-Klasse. Beide verfügen über einen Sechszylinder-Benziner mit 320 PS. Neben der eigens für Europa entwickelten Siebenstufen-Automatik steht auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe zur Verfügung. Bei den S-Versionen gehört zudem eine Vierradlenkung zum Serienumfang. Auf einer ersten kurzen Ausfahrt konnte die Kombination aus Schalter und Allradlenkung voll überzeugen. Die ungefähren Preise bewegen sich zwischen 40.000 Euro für die Limousine und 42.000 Euro für den Zweitürer.

Zwei SUVs im Angebot
Dem aktuellen Trend folgend, hält Infiniti zusätzlich zwei SUVs bereit. Der EX37 konkurriert mit Fahrzeugen wie dem Mercedes GLK oder dem BMW X3. Auch er hat den 320 PS starken Sechszylinder unter der Haube, ist jedoch nur mit Automatik erhältlich. Für den EX37 veranschlagen die Japaner runde 46.000 Euro. Auf ähnlich runde Formen wie der EX setzt der größere FX. Den BMW-X5-Rivalen gibt es wahlweise als FX37 mit 320 PS oder als FX50S mit Achtzylinder und 390 PS Leistung. Hier reicht die Preisspanne von 55.000 bis etwa 70.000 Euro.

Mehr Motoren und Modelle ab 2009
Ein weiterer Grund für den nach hinten verschobenen Einführungstermin ist laut Jürgen Schmitz, Regional Director Central Europe bei Infiniti, die Tatsache, dass dann weitere Modelle und Motoren zeitnah zur Verfügung stehen werden. Noch 2009 kommt ein V6-Diesel, ein Hybridantrieb folgt 2010. Parallel zum Marktstart steht dann auch das G37 Cabrio bei den Händlern, welches Ende November 2008 seine Weltpremiere in Los Angeles feiert. Im Laufe des Jahres 2010 ergänzt das größenmäßig direkt mit der Mercedes E-Klasse konkurrierende M-Modell die Infiniti-Palette. Es handelt dabei um den Nachfolger des in den USA beliebten M, der jedoch kurz vor der Ablösung steht. Langfristiges Ziel für Europa sind 25.000 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2013. Vorschnelle Urteile sind also fehl am Platz, Abwarten heißt die Devise. Man darf gespannt sein, ob und wie Infiniti seine Chance nutzen wird.

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