Die britische Geländewagen-Schmiede entwickelt sich immer schneller

Am 30. April 1948 war es soweit: Der erste Land Rover zeigte sich auf der Amsterdam Motor Show. Rover Geschäftsführer Spencer Bernau Wilks und sein jüngerer Bruder, der Rover-Ingenieur Maurice Fernand Cary Wilks hatten sich einen Willys Jeep angeschaut und versucht, diesen zu verbessern. Heraus kam ein Geländewagen, der speziell auf die Bedürfnisse von Farmern zugeschnitten war. Allerdings lernte auch das Militär schnell, die Vorzüge des robusten Fahrzeugs zu schätzen. Seit den 50er Jahren wandern bis zu 50 Prozent der Land-Rover-Produktion in den Verteidigungs-Bereich.

Alu gab es, Stahl nicht
Endgültig zur Fertigung des Land Rover entschlossen sich die Briten unter anderem auch, weil zwei leer stehende Rover-Hallen ausgelastet werden sollten. Kurz nach dem Krieg war Stahl knapp und teuer. Leichter war es, Aluminium zu beschaffen, schließlich war der Bedarf an Kampfflugzeugen stark zurückgegangen. So kam es, dass die Karosserie des Land Rover aus dem leichten, nicht rostenden und ohne teure Presswerkzeuge zu bearbeitenden Alu gefertigt wurde. Um wertvolles Material zu sparen, fuhren die frühen Modelle nur mit Stoffdach vor. Erst als sich die Rohstofflage allmählich entspannte, wurde dem ,Landy" auch ein festes Metalldach spendiert.

Mit 50 PS über den Acker
Durch die Furchen getrieben wurde der Land Rover anfangs von einem 1,6-Liter-Motor mit 50 PS. Eine für den Geländeeinsatz unverzichtbare Getriebeuntersetzung war mit an Bord. Der Land Rover wurde von der britischen Regierung als ,landwirtschaftliches Fahrzeug" eingestuft, was steuerliche Vorteile für den Halter mit sich brachte. Um diesen Bonus nicht zu gefährden, wurde der Wagen über Jahre äußerst spartanisch gehalten: Abschließbare Türen, gefederte Sitze und Seitenscheiben mit Gummidichtung gab es einfach nicht. Die Farbpalette bestand aus: grün.

Englischer Dschungel
Getestet wurde der Gelände-Gänger im Dschungel. So nennen die Land-Rover-Mitarbeiter ein neben der Fabrik im englischen Solihull gelegenes Gebiet, welches aus Schlamm, Hügeln und Geröllpisten besteht. Bis heute muss sich jedes Modell der Briten in diesem Areal beweisen.

Bis heute dabei
1958 kam dann die zweite Serie des Land Rover zur Welt. Der Wagen war ein bisschen breiter als sein Vorgänger und wurde vielfach für Spezialanwendungen modifiziert. So gab es eine ,Lightweight"-Militärversion, die gerade mal 1.250 Kilogramm wog, und vom Hubschrauber abgeworfen werden konnte. Zum ersten Mal gab es auch den dreiachsigen 6x6-Land-Rover und ein auf Schienenbetrieb umgerüstetes Modell. In kleinen Schritten ging es immer weiter. So kam 1971 erstmals ein vollsynchronisiertes Getriebe zum Einsatz – Zwischengas ade. Ab 1979 konnte sogar ein auf 91 PS gedrosselter 3,5-Liter-V8 aus dem Range Rover den Land Rover antreiben. Seit 1990 heißt der Ursprungs-Land-Rover ,Defender" – das Vorhandensein des neuen Discovery machte die Namensgebung nötig. Inzwischen hat der Wagen Türen aus Pressstahl, den 2,4-Liter-Diesel mit 122 PS aus dem Ford Transit und einen aufgewerteten Innenraum.

Wie lange noch
Neue Abgasvorschriften, neue Crashnormen – die Zukunft des Defender ist offen. Der Wagen hat nach wie vor weder Airbags noch ESP, ABS gibt es nur gegen Aufpreis. Land Rover wird sich gut überlegen, ob etliche Millionen in die Weiterentwicklung des alten Geländekämpfers fließen, oder doch lieber für neue Modelle verwendet werden sollten.

1970 kam der Range Rover
Ein Modell ist zum Überleben zu wenig – dies erkannte nach langen Jahren auch Land Rover. Und so machte man sich daran, etwas vollkommen Neues auf die Räder zu stellen: den Range Rover. Der Wagen vereinigte Komfort, elegantes Design und Geländegängigkeit und brachte damit Luxus in die Pampa. Die Niveauregelung an der Hinterachse, der permanente Allradantrieb mit sperrbarem Mittendifferenzial und das Reduktionsgetriebe sorgten auch bei diesem Modell für ausgezeichnete Geländeeigenschaften. Im Range Rover durfte der 3,5-Liter-V8 156 PS leisten, was für 150 km/h gut war. Das Modell verkaufte sich prächtig, 1987 wurden erstmals mehr Range Rover als Land Rover an den Mann gebracht. Der aktuelle Range Rover teilt sich weitestgehend eine Basis mit dem BMW X5, schließlich wurde er entwickelt, als Land Rover zu BMW gehörte (1994-2000). Allerdings ist der Range deutlich mehr auf Geländegängigkeit getrimmt, während der X5 sich eher auf befestigten Straßen wohl fühlt.

Disco-Time
Vom Erfolg des Range Rover beflügelt, entschied man sich bei Land Rover 1986 ein weiteres Modell zu entwickeln, welches 1989 fertig war: der Discovery. In Sachen Geländegängigkeit wurden keine Kompromisse gemacht, sodass Familien jetzt ein siebensitziger Offroader zur Verfügung stand. Der von seinen Fans ,Disco" getaufte Wagen wurde unter anderem durch seine Teilnahme an der Camel-Trophy bekannt. 2004 hatte der Discovery dann das neue Terrain-Response-System an Bord. Mit diesem System lassen sich äußerst komfortabel per Drehschalter Geländebedingungen vorwählen, die dann diverse Fahrzeugeinstellungen beeinflussen und so eine optimale Offroad-Fahrt ermöglichen.

Freiheit für die Kompakten
1997 landete Land Rover dann den nächsten Coup: Der Freelander wurde vom Fleck weg ein Trendfahrzeug. Anscheinend hatte der Markt auf dieses kompakte SUV nur gewartet – der Wagen wurde zum bestverkauften Geländewagen Europas. Und für Land Rover war es eine Zäsur: Der Freelander hat bis heute einen Allradantrieb mit Visko-Kupplung statt mit sperrbarem Differenzial, eine selbsttragende Karosserie und keine Untersetzung.

Deutschland steht auf Sport
Und Land Rover setzte in Sachen Modellpalette noch einen drauf: Auf Basis des Discovery entstand 2005 der Range Rover Sport. Während in Russland gepanzerte Range Rover extrem beliebt sind, läuft in Deutschland der Range Rover Sport so richtig gut. Zumal es den beinahe coupéhaften Wagen inzwischen mit einem halbwegs wirtschaftlichen V8-Turbodiesel mit 272 PS gibt.

Mit dem LRX geht's weiter
Auf der Detroit Motor Show 2008 ließ Land Rover die jüngste Überraschung gucken: die Studie LRX. Vom supermodernen Design außen und innen konnten wir uns bereits überzeugen. Und hinsichtlich der Motorisierungen verspricht Land Rover einen Kohlendioxid-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer. Mit der aktuellen Modellpalette steht Land Rover besser da als je zuvor. Inzwischen gehört die britische Schmiede zum indischen Tata-Konzern, der aber klugerweise die Eigenständigkeit der Marke beibehalten will. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch zum 60. und alles Gute für die Zukunft.

Fitter als je zuvor