Der Reifenwechsel sollte nicht zu lange hinaus geschoben werden

Wer mit der Umrüstung auf Winterreifen bis zum ersten Schneefall wartet, ist schlecht beraten. Denn oft kommt die weiße Pracht plötzlich über Nacht. Ein spontaner Reifenwechsel scheitert in der Regel an den dann überfüllten Werkstätten. Winterreifen sind bei niedrigen Temperaturen schon ab sieben Grad angeraten, so die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Winterreifen haben mehr Grip
Es sind längst nicht nur die typischen Winterbegleiterscheinungen wie Nässe, Eisglätte und Schnee, die die Griffigkeit der Reifen stark mindern. Vielmehr wirkt sich speziell die Außentemperatur auf die Gummimischung der Reifen und somit auf deren Fahreigenschaften aus: Sommerreifen haben ihr Optimum im Temperaturbereich von 10 bis 40 Grad. Unterhalb von sieben Grad verhärten sie und verlieren so die Haftung zur Fahrbahn. Winterreifen dagegen bleiben dank ihres höheren kältetauglichen Silica- oder Naturkautschukanteils bei Kälte weicher und elastischer. So können sie sich besser der Fahrbahnoberfläche anpassen und haben mehr Grip, erläutet die GTÜ. Das Temperaturoptimum von Winterreifen liegt zwischen minus 20 und plus 10 Grad.

Langer Bremsweg bei Sommerreifen
Ein Bremsvergleich auf Schnee soll die Bedeutung der Reifenhaftung veranschaulichen: Ein Testfahrzeug mit Winterreifen kommt bei einem Bremsmanöver mit Tempo 80 nach 70 Meter zum Stehen. Sind Sommerreifen aufgezogen, stoppt das Auto erst nach 112 Meter. Bei einem drohenden Crash hätte das fatale Folgen, betont die GTÜ.

Die Vorschriften für Winterreifen
Winterreifen sind zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber laut Straßenverkehrsordnung ist eine ,geeignete Bereifung" Pflicht, sonst drohen generell Bußgelder wegen Ordnungswidrigkeit sowie bei Unfallbeteiligung die Einbuße des Versicherungsschutzes. Zur Profilstärke der Winterreifen gibt es dagegen eine gesetzliche Vorschrift, nämlich mindestens 1,6 Millimeter. Für die erforderliche Traktion auf Schnee sind jedoch mindestens vier Millimeter Profil empfohlen.

Die DOT-Nummer beachten
Eine weitere Hürde ist das Reifenalter. Unabhängig davon, wie gut die Profilstärke von Winterreifen ist – nach zehn Jahren ist das Material einfach zu alt, so die GTÜ. Die Reifen sollten dann unbedingt ersetzt werden. Aufschluss über den Produktionszeitpunkt gibt die DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Ab dem Jahr 2000 verschlüsseln die letzten vier DOT-Ziffern zunächst die zweistellige Kalenderwoche und danach die zweistellige Jahreszahl der Reifenherstellung. Beispiel: Die Ziffern ,4008" sagen aus, dass der Reifen in der 40. Woche des Jahres 2008 hergestellt wurde. Reifen aus der Zeit vor 2000 tragen noch eine dreistellige DOT-Kennzeichnung. Die allerletzte Zahl steht hier für das Jahr, die beiden Ziffern davor geben die Kalenderwoche an. ,439" steht hier für 43. Woche im Jahr 1999.

Guter Kompromiss: Ganzjahresreifen
Als Alternative zu Winterreifen kommen auch Ganzjahresreifen in Betracht, so die GTÜ. Mit speziell entwickelten Laufflächenmischungen, die bei Kälte nicht verhärten und bei Hitze genug Steifigkeit behalten, sind manche Ganzjahresreifen inzwischen ein guter Kompromiss. Zu achten ist dann auf das M+S- und Schneeflockensymbol auf der Reifenflanke.

Winterreifen: Nein danke?