AMG zeigt erstmals die Kabine des Mercedes SLS AMG

Der Wagen ist noch leicht getarnt, aber seine extrem lange Motorhaube fällt sofort auf. An deren Ende hängt die Fahrerkabine. Diese endet wiederum in einem rundlichen Heckstummel, der noch am ehesten an das große Vorbild, den Mercedes 300 SL erinnert. Wir stehen vor dem ersten Fahrzeug, was AMG, die Performance-Marke von Mercedes, selbst entwickelt hat, steigen ein, um den ungetarnten Innenraum zu erleben.

Ab durch den Flügel
Die Flügeltüren schwenken sanft nach oben, öffnen bis zu einem Winkel von 70 Grad. Diese Form des Fahrzeug-Zugangs ist äußerst selten, momentan wird beispielsweise der Apollo von Gumpert mit Flügeltüren ausgerüstet. Auch der aus ,Zurück in die Zukunft" bekannte DeLorean DMC-12 klappte mit Flügeltüren und der Melkus RS 1000 sowie dessen Nachfolger RS 2000 machen einen auf beflügelt. Nicht zu verwechseln ist dieses Türkonzept übrigens mit den am Kotflügel angeschlagenen Scherentüren eines Lamborghini Murciélago. Beim Aussteigen aus dem SLS müssen wir übrigens ein wenig aufpassen, sonst stoßen wir uns den Kopf an der aufgeklappten Tür.

Sportlich behaglich
Wir steigen über eine breite Schwelle, wie wir sie beispielsweise von Lotus-Modellen kennen, in den Wagen. Sitzen 37 Zentimeter über dem Asphalt. Das Gestühl ist bequem, feste Polster sorgen für Seitenhalt, während dazwischen eine weichere Federung für Sitzkomfort zuständig ist. Wir greifen nach oben und ziehen die Flügeltür zu. Ablagefächer enthält die Innenverkleidung nicht, schließlich würde deren Inhalt beim Aufschwingen herausfallen. Aber Tür und Dachverkleidung sind um uns herum geformt, geben uns das Gefühl von Umschlossenheit. Von außen sieht es aus, als ob der Fahrer kaum unter der Dachkante hindurchgucken könnte, innen genießen wir Kopffreiheit und gute Übersicht nach vorn.

Das ist kein Flugzeug
Die Kabine des SLS transportiert den Leichtbau-Gedanken des Aluminium-Renners zu den Insassen. Glatte klare Strukturen und viele Applikationen aus echtem Aluminium oder optional aus Karbon machen den Raum schick. Laut Mercedes hat man sich vom Flugzeugbau inspirieren lassen. Gut, woran denken wir bei einem Flugzeug-Cockpit? Viele Instrumente, viele Schalter, auch im Dach, Steuerhorn und künstlicher Horizont. Zum Glück findet sich nichts von dem im SLS wieder. Sämtliche Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet, eine überschaubare Anzahl von Anzeigen übermittelt die wichtigsten Informationen. Der Tacho geht bis 360 km/h und die Zeiger wischen beim Motor-Start einmal komplett über das Rund.

Alu-Düsen
Die Lüftungsdüsen des serienmäßig mit Klimaautomatik ausgerüsteten Wagens sollen uns an Jet-Düsen erinnern – tun sie aber schon wegen des zentralen Verstellkreuzes nicht. Woher kennen wir diese Art Düsen nur? Richtig: Im auf 75 Exemplare limitierten Mercedes SLS Stirling Moss sehen die Klimatisierungs-Öffnungen ganz ähnlich aus. Und auch der Schalthebel des 750.000-Euro-SLR stand anscheinend dem Wahlhebel des SLS Pate. Immerhin ähnelt das Bedienteil des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes wirklich an einen kleinen Schubregler für Düsenflugzeuge. Anstelle des Steuerhorns sitzt ein unten abgeflachtes und mit einer Spange aus Aluminium versehenes Lenkrad vor uns. Im Falle eines Crashs werden wir von acht Luftsäcken ummantelt, die Knie-Airbags für Fahrer und Beifahrer gehören zum Serienumfang. Die Kabine des Mercedes SLS AMG ist also kein Flugzeug-Cockpit, sondern ein sportlich durchgestylter Wohlführaum, wo alles schick und an seinem Fleck ist.

Bildergalerie: Entspannter Extremsport