Praktische Tipps und Tricks zum Thema Reifenwechsel

Ob echter Offroader oder Sport Utility Vehicle (SUV) – beim Anfahren auf Schnee und Eis sind die vierradgetriebenen Trendmobile normalen Autos mit nur einer angetriebenen Achse klar überlegen. Mancher Autobesitzer wiegt sich daher auch im Winter auf den bei SUVs üblichen High-Performance-Straßenreifen in Sicherheit. Das gleiche gilt für die All-Terrain-Reifen, die häufig auf Geländewagen zu finden sind. Das aber ist ein fataler Irrtum, wie Reifenexperten warnen. Beim Bremsen unterscheiden sich die 4x4er nicht von einem normalen Pkw. Zudem müssen die Fahrzeuge mehr Gewicht zum Stehen bringen oder bei einer kurvigen Bergabfahrt in der Spur halten. Wir haben verschiedene Tipps zum Thema Winterreifen vom TÜV Süd und der Continental AG zusammengefasst.

Nur Winterreifen sind wirklich sicher
,Tatsächlich ist jedes allradbetriebene Fahrzeug, ob Pkw, SUV oder Geländewagen, bei Kälte und Glätte nur mit wirklichen Winterpneus sicher unterwegs", sagt Dr. Burkhard Wies, Leiter der Continental-Winterreifenentwicklung. ,Wintertauglichkeit ist bei einem groben Geländeprofil nicht vorhanden." Das höhere Risiko beginnt laut Wies schon bei unter sieben Grad Celsius und auch auf schneefreier Straße. Nur echte Winterreifen stellen mit ihrer speziellen Gummimischung und der flexiblen Lauffläche den notwendigen Kontakt und die Haftung zur Fahrbahn bei kühlen Temperaturen sicher. Das gilt noch mehr bei klirrendem Frost. Bei Glätte verzahnen sich Profil und Lamellen mit dem Untergrund, was eine deutlich verbesserte Traktion, Seitenführung und Verzögerung im Vergleich zu herkömmlichen Sommer- oder Geländereifen bedeutet.

M+S oder Schneeflocke?
Auf den Reifenflanken von Allradfahrzeugen ist der Zusatz M+S häufig zu finden. Viele Autofahrer wissen allerdings nicht, dass diese Spezifikation praktisch keinerlei Wintertauglichkeit bedeutet. Sie kann beispielsweise auch Offroadreifen zieren, die nicht für Asphalt, sondern schlammigen Untergrund ausgelegt sind. Aussagekräftiger ist dagegen das Schneeflocken-Symbol, das erst nach einer definierten Tauglichkeitsprüfung auf den Reifen benutzt werden darf.

Tipps zum Reifenwechsel
Wer die Winterreifen selbst aufziehen will, egal ob bei einem normalen Pkw oder einem SUV, sollte vorab in die Betriebsanleitung schauen. Dort gibt es wichtige Hinweise wie die Ansatzpunkte für den Wagenheber und das Anzugs-Drehmoment für die Radschrauben. Das Auto muss mit der Handbremse und der Parksperre oder dem ersten Gang gesichert sein. Unterlegkeile an einem anderen als dem zu wechselnden Rad bringen zusätzliche Sicherheit. Radmuttern oder Radbolzen müssen gelöst werden, solange das Auto noch auf den Rädern steht, so der TÜV Süd.

Wagenheber überprüfen
Der serienmäßige Wagenheber genügt für den Radwechsel. Rangierwagenheber sind bequemer zu bedienen, benötigen aber mehr Aufmerksamkeit und Geschick beim Ansetzen. Die Experten vom TÜV Süd empfehlen, die korrekte Befestigung des Wagenhebers vor dem Hochkurbeln sorgfältig zu überprüfen. Außerdem sollten nur völlig frei hängende Räder abgeschraubt werden – leichtes Rütteln löst sie von der Nabe. Sehr wichtig ist die Sauberkeit der Anlagefläche an der Innenseite des neuen Rads. Zur Reinigung eignet sich eine harte Bürste. Sie ist auch das richtige Werkzeug, um die Nabe selbst zu säubern. Nur saubere Anlageflächen gewährleisten ein sicheres und korrektes Festschrauben.

Radmuttern nicht mit Gewalt anziehen
Die Radmuttern sollten zunächst nur handfest angezogen werden. Steht das Auto nach dem Absenken wieder fest auf dem Reifen, gilt es, die Schrauben über Kreuz festzuziehen. Der TÜV Süd rät, mit nicht zu viel Kraft an die Arbeit zu gehen. Das ist besonders wichtig bei Leichtmetallfelgen, die ansonsten Schäden davon tragen können. Es empfiehlt sich daher, einen Drehmomentschlüssel zum endgültigen Anziehen zu verwenden. Unbedingt nötig ist die zweite Kontrolle nach 50 bis 100 Kilometer Fahrt. Auch der Luftdruck bedarf der Prüfung. Wenn der Fahrzeughersteller nichts anderes vorschreibt, werden Winterreifen meist mit dem selben Wert wie Sommereifen gefahren.

Reifen markieren
Damit die Sommerreifen im Frühjahr wieder an die richtige Stelle kommen, sollten die Pneus markiert werden. Wer die Position des abmontierten Rads auf die Innenseite schreibt, fährt nicht mit sichtbaren Markierungen herum. Es gibt übrigens spezielle Stifte für Gummi, die nicht so leicht verwischen.

Bildergalerie: Winterpneus bei SUVs