Der Countdown zur Transsyberia-Rallye 2008 läuft

Diese enge Schotterkurve mit 100 km/h zu nehmen, würde niemand wagen. Falsch gedacht. Rod Millen sitzt wie die Ruhe selbst hinter dem Steuer, zieht den auf dem Granulat knirschenden Wagen um die Biege und erzählt dabei ein bisschen was über erfolgreiches Fahren bei der Transsyberia. Rod hat diese härteste Offroad-Rallye der Welt 2007 auf einem Porsche Cayenne S Transsyberia gewonnen und dann den Hersteller bei der Weiterentwicklung des Wagens beraten.

20 Prozent schneller?
Rod freut sich vor allen Dingen über die verbesserte Fahrwerksabstimmung. Er vermutet, dass allein mit dieser auf den rauen Pisten bis zu 20 Prozent höhere Geschwindigkeiten drin sind – ein sehr ambitionierter Wert. Aber Rod wird es wissen, schließlich war der in den USA lebende Neuseeländer bereits dreimal amerikanischer Rallye-Meister. Allerdings ist Geschwindigkeit nicht alles, wichtig ist es, überhaupt ins Ziel zu kommen. Und so wurde ein weiterer Punkt angegangen: Um Probleme mit gerissenen Ölwannen aus der Welt zu schaffen, sitzt ein neu konzipierter Unterfahrschutz unter dem Cayenne.

Wie schlägt sich die neue Bereifung?
Das in den Medien aber am intensivsten wahrgenommene Problem der Sonder-Cayennes der Transsyberia-Rallye des Jahres 2007: reihenweise zerfetzte Reifen. Auch hier hat Porsche dazugelernt und setzt jetzt grobstollige Offroad-Reifen von BFGoodrich der Dimension 265/65 R18 R ein. Diese Pneus heben die Bodenfreiheit des Wagens um 30 Millimeter und sind mit ihrer Kevlar-Einlage bestens gegen die rasiermesserscharfen Stein-Splitter der Mongolei gewappnet. Schließlich wird Kevlar zum Beispiel auch für schusssichere Westen eingesetzt. Rallye-Veteran Rod sagt nur: ,Ich fahre seit über 30 Jahren mit BFGoodrich und hatte nie Probleme. Und die Reifen hier sind noch nicht mal spezielle Renn-Reifen." Um vom aggressiven Profil verursachte Steinschläge zu vermeiden, sitzt jetzt ein kecker in knalligem Orange gehaltener Schmutzfänger hinter jedem Rad.

Navigationskünste entscheiden
An der Transsyberia 2008 nehmen Teams mit verschiedensten Fahrzeugen teil. So sind Wagen von Mercedes, Toyota und Mitsubishi bereits gemeldet. Porsche verpasst den Cayenne-S-Transsyberia-Fahrern erstmal ein spezielles Training. Nicht nur der Einsatz von Seilwinde und Sandblechen sowie das Meistern schwierigen Geländes stehen auf dem Plan. Auch die Navigation wird ein wichtiges Thema sein – sie könnte bei der Rallye über Sieg und Niederlage entscheiden. Ist man in der Mongolei erstmal ins falsche Tal abgebogen, sind locker 160 Kilometer Umweg drin – ein Fehler, auf den die gegnerischen Teams nur warten.

Clever vorbereiten ist angesagt
Deshalb haben sich bereits einige Copiloten detailgetreue Messtischkarten von der Mongolei besorgt und versuchen in Kombination mit Google-Earth den perfekten Weg durch die Mongolei zu finden. Schließlich gibt es im Ziel-Land der Transsyberia keine Orientierungspunkte: Bäume sind noch seltener als Städte und Fahrspuren gibt es tausende in alle Richtungen. Aus diesem Grunde tritt Ex-Rallye-Europameister Armin Schwarz dieses Jahr mit Andy Schulz an. Der zweifache Dakar-Sieger Schulz ist von Beruf Beifahrer und gilt als der Beste seiner Zunft. Die beiden arbeiten bei der Transsyberia das erste Mal zusammen.

Rods Sohn muss ran
Die diesjährige Transsyberia startet am 11. Juli 2008 in Moskau und endet nach über 7.000 Kilometern am 25. Juli in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Vorjahressieger Rod Millen macht diesmal nicht mit – sein amerikanisches Ingenieurbüro hat mit Aufträgen aus dem US-Verteidigungsministerium gut zu tun, er kann nicht einen ganzen Monat freinehmen. Dafür muss sein Sohn Ryan ran. Aber Rod juckt es schon wieder in den Fingern. Während er darauf achtet, dass unser Cayenne S nicht abhebt, erzählt er mit glänzenden Augen, dass es vielleicht im nächsten Jahr wieder klappen könnte. Beim Rasen durch den Tagebau meint er noch, dass dies eine gute Vorbereitung auf die Wertungsprüfungen in Russland sei. ,Und die Mongolei?" frage ich. ,Nothing is like Mongolia", sagt Rod mit einem Lächeln.

Nichts ist wie die Mongolei