Rücktritt von Unternehmenschef Nardelli und Vize LaSorda

Dass aller Ruhm vergänglich ist, wussten bereits die alten Römer. Ähnliches gilt auch für den US-Autokonzern Chrysler. Gegründet im Jahr 1924, sorgte das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten für automobile Legenden wie den 300 von 1955, die Muscle Cars der Tochterfirma Dodge oder den Minivan-Vorreiter Voyager. Doch der Wind hat sich gedreht, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brachen die Chrysler-Verkäufe im April 2009 um 48 Prozent auf 76.700 Fahrzeuge ein. Die unvermeidliche Folge ist der lang erwartete und nun beschlossene Gang in die Insolvenz.

Konsequenzen an der Spitze
Die Verbindlichkeiten von Chrysler sollen sich auf rund sieben Milliarden Dollar belaufen. Um diese gemeinsam mit der US-Regierung und den Gläubigern abbauen zu können, hat das Unternehmen mit 24 seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaften in den USA unter Federführung des US-Finanzministeriums Anträge nach Chapter 11 des US-Insolvenzgesetzes eingereicht. Ausdrücklich betont wird, dass die Chrysler-Geschäfte außerhalb der USA nicht Teil der Insolvenz sind. Im Zuge der resultierenden Umstrukturierung des Konzerns räumen Unternehmensboss Bob Nardelli und sein Vize Tom LaSorda ihre Sessel. Der seit 2007 amtierende Nardelli kehrt zur Investmentfirma Cerberus, dem bisherigen Mehrheitseigner von Chrysler, zurück.

Globale Allianz mit Fiat
Parallel zur Einleitung des Insolvenzverfahrens hat Chrysler eine Vereinbarung mit Fiat für eine globale strategische Allianz vereinbart. Ziel ist die Schaffung eines ,lebendigen neuen Unternehmens", so Nardelli. Bereits vor mehr als einem Jahr starteten die Gespräche mit den Italienern über eine Zusammenarbeit. Der Insolvenzantrag dient laut Chrysler auch der schnellen Anerkennung des Deals mit Fiat und dem Verkauf der erstrangigen Anlagegüter an das neue Unternehmen. Dadurch soll innerhalb von 30 bis 60 Tagen ein neuer, schlankerer Konzern entstehen. Während des Restrukturierungsprozesses wird die US-Regierung ausreichend Finanzierungsmittel zur Verfügung stellen, um das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten.

Neue Eigentümer für Chrysler
Arbeitsplätze sollen vorerst nicht abgebaut werden, allerdings wurde die globale Personalstärke bereits seit Ende 2006 von 87.000 auf jetzt 54.000 Beschäftigte reduziert. Außerdem wird ein Großteil der Produktion zwischen 30 und 60 Tage ruhen. Die Mehrheit an Chrysler hält zukünftig mit 55 Prozent der Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW, die Regierungen der USA und Kanadas werden jeweils zehn Prozent bekommen. Fiat besitzt zunächst 20 Prozent der Anteile, hat aber das Recht, diese in drei Teilen um weitere 15 Prozent zu erhöhen. Voraussetzungen dafür sind unter anderem der Zugang für Chrysler zu einer verbrauchsarmen Auto-Plattform und der Eintritt der Amerikaner zum Fiat-Vertriebsnetz, um ihre Fahrzeuge besser exportieren zu können.

Chrysler ist insolvent