Die Stuttgarter setzen massiv auf den Elektroantrieb

Gerade hat Daimler den Mercedes S 400 Hybrid vorgestellt, schon stürzen sich die Schwaben mit aller Macht auf den reinen Elektroantrieb. 100 batteriebetriebene Smart mit Nickel-Metallhydrid-Akku fahren schon durch London, die neue Smart-Generation mit leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien soll ab Ende 2009 in einer Kleinserie zur Verfügung stehen. Um die Strom-Ambitionen mit der gebotenen Geschwindigkeit voranzubringen, engagiert sich Daimler jetzt beim elektrischen Shootingstar der Branche: Tesla. Das kalifornische Unternehmen bietet seit Ende 2008 mit dem ,Roadster" genannten Modell eines der ersten ernstzunehmenden Elektrofahrzeuge an. Die Integration der ersten 1.000 Lithium-Ionen-Batterien plus der dazugehörigen Ladeeinheiten für die zweite Generation des Smart ed (electric drive) wird in enger Zusammenarbeit mit den Amerikanern durchgeführt.

Zehn Prozent gehen an Daimler
Knapp zehn Prozent schnappen sich die Schwaben vom Tesla-Unternehmenskuchen, wofür ein zweistelliger Millionen-Betrag fällig wird. Eine weitere Erhöhung des Anteils behält man sich vor. ,Unsere strategische Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt, um die weltweite Kommerzialisierung von Elektroantrieben zu beschleunigen", sagt Thomas Weber, Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Tesla gilt als Kind des Internets, Tesla Chef und Pay-Pal-Erfinder Elon Musk sowie Google-Mitbegründer Larry Page haben ihr Geld in das Unternehmen gesteckt. In Sachen Neuheitenankündigungen orientiert sich Tesla an Apple: Keine Informationen sickern vorher durch, kein Medium wird bevorzugt behandelt. Somit steht Tesla für Modernität in der Autoindustrie. Auch Elon Musk freut sich über die neue Partnerschaft: ,Interessant für uns ist unter anderem die von Daimler speziell für den Einsatz im Automobil konzipierte Lithium-Ionen-Batterie mit Flachzellen."

Daimler ist gut dabei
Im März 2009 hat Daimler die Deutsche Accumotive GmbH gegründet, ein Joint Venture mit der Evonik Industries AG. Damit werden die Stuttgarter zu einem der weltweit ersten Fahrzeugproduzenten, die Batterien für automobile Anwendungen entwickeln, produzieren und vertreiben. Basis dafür ist eine Daimler-Beteiligung am deutschen Unternehmen Li-Tec, einer Firma, die sich auf Lithium-Ionen-Speicher spezialisiert hat. Die Schwaben sind also in Sachen elektrische Zukunft breit aufgestellt und lassen an der Ernsthaftigkeit ihrer mittelfristigen Abkehr vom Verbrennungsmotor keinen Zweifel.

Konkrete Projekte
Daimler und Tesla wollen ganz konkret bei der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterietechnik, elektrischen Antriebssträngen und einzelnen Fahrzeugprojekten zusammenarbeiten. Administrativ wird dies dadurch untermauert, dass Herbert Kohler, Leiter E-Drive & Future Mobility bei Daimler, einen Platz im Aufsichtsrat bei Tesla übernimmt. Die bahnbrechende Partnerschaft wird auch die Produktionsreife des für Ende 2011 angekündigten Tesla Model S vorantreiben. Dieser rein elektrisch betriebene Fünfsitzer sieht ausgesprochen schick aus und speichert seine Energie in Lithium-Ionen-Akkus der nächsten Generation. Tesla verspricht eine Ladezeit von 45 Minuten und eine maximale Reichweite von 480 Kilometer. Und die Dimensionen der Zusammenarbeit sind noch gar nicht abzuschätzen: Gerüchteweise soll die elektrische Version der nächsten Mercedes-A-Klasse ab 2011 als Tesla-Einstiegsmodell zu haben sein. Und was spricht eigentlich gegen einen kleinen Tesla, der früher mal Smart hieß?

Bildergalerie: Stromkreis geschlossen