Wer diese Rallye gewinnt, wird reich – auch Deutsche kämpfen um das Geld

Es geht um zehn Millionen Dollar. Das sind zirka 7.142.000 Euro. Diese Summe gewinnt derjenige, der mit seinem Auto am effizientesten eine Reihe von Prüfungen absolviert. Aber Schleichen ist nicht, auch die Geschwindigkeit spielt beim Kampf um die Kohle eine wichtige Rolle. Ausgelobt hat den immensen Geldsegen die X Prize Foundation im Rahmen des Automotive X Prize.

Teilnehmer aus aller Welt
111 Teams wurden von der X-Prize-Jury zum Registrieren zugelassen, wobei pro Team mehr als ein Fahrzeug erlaubt ist. So sollen voraussichtlich 136 Wagen zur Rallye antreten. Die Wettkämpfer werden von großen Herstellern, Start-up-Unternehmen und kleinen Erfinder-Teams gestellt. Und sechs Teilnehmer sind noch streng geheim. Gestartet wird in zwei Kategorien: Eine ist die so genannte Mainstream-Klasse, welche Fahrzeuge mit wenigstens vier Rädern, mindestens vier Sitzplätzen und einer minimalen Reichweite von 322 Kilometer umfasst. Die anderen fahren in der alternativen Gruppe, in der futuristische Studien an den Start gehen, die teilweise den Begriff ,Auto" neu interpretieren. Hier sind zwei oder mehr Sitzplätze gefragt, die Zahl der Räder ist egal und die Reichweite sollte mindestens 161 Kilometer betragen.

Aufteilung des Gewinns
Der Gewinner der Mainstream-Klasse bekommt fünf Millionen Dollar, die restlichen fünf Millionen Dollar teilen sich die Sieger in der Alternativ-Klasse. Hier wird jeweils der beste Wagen mit Tandem-Sitzanordnung und Side-By-Side-Sitzkonzept prämiert. Die meisten Teilnehmer kommen aus den USA. Aber auch Herausforderer aus zehn weiteren Ländern sind mit von der Partie. Gleich drei Visionäre aus Deutschland haben sich gemeldet.

Deutschland: Loremo, Twike und Herf
Loremo möchte zum Qualifikationsstart im September 2009 einen wettkampffähigen Wagen fertig haben. Momentan arbeitet man im nordrhein-westfälischen Marl am Fahrwerk des LS und passt das Chassis dem kürzlich geänderten Design an. Auch die Ausgestaltung des Innenraums steht bei Loremo gerade auf dem Plan. Zum Automotive X Prize soll der LS mit einem Zweizylinder-Turbo-Dieselmotor vorfahren, über den nicht mehr bekannt ist, als dass er aus dem süddeutschen Raum kommt und nicht von einem Automobilhersteller gefertigt wird. TW4XP setzt hingegen auf einen Hybridantrieb – aus Elektromotor und Muskelkraft. Wer beim TW4XP kräftig in die Pedale tritt, kann die Reichweite seines Fahrzeugs erheblich erweitern. Beim Namen hat sich das Team aus dem hessischen Rosenthal wohl von einem legendären Morgan-Modell inspirieren lassen: ,ThreeWheeler" for X Prize bedeutet die Abkürzung TW4XP ausgeschrieben. Bekannt ist die Firma bisher durch ihr Hybrid-Dreirad ,Twike". Südlich von Berlin in Teltow sitzen die Leute rund um Wolf Herf. Bei Herf Duo will man einen VW Eos zu noch mehr Effizienz zwingen – in dem der Wagen zu einem Hybridfahrzeug umgebaut wird.

Blumenstrauß an Konzepten
Auch die Teilnehmer der anderen Länder versuchen sich mit einer Vielzahl von Konzepten, den Dollars zu nähern. Ammoniak, Dampf, Müllverbrennungs-Hitze, Wasser, verschiedene Gase, Batterie- und Solarstrom, Druckluft, Pflanzenöl, Diesel und Benzin sollen die energiesparenden Wagen voranbringen – insgesamt haben die Organisatoren 14 unterschiedliche ,Kraftstoff"-Sorten gezählt. Dabei werden auch die wildesten Hybrid-Kombinationen offeriert. Einziges Ziel: Die Fahrzeuge dürfen umgerechnet nicht mehr als 2,35 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer verbrauchen. Als Nächstes ist die Qualifikation im September 2009 zu überstehen.

Groß gegen klein
Beim Blick aufs Teilnehmerfeld wird klar: Viele Teams können froh sein, wenn sie die gesamte Wettkampfdistanz überstehen. Die mit geringem Budget startenden Enthusiasten versuchen sich teilweise mit abenteuerlichen Gefährten. Allerdings mischen auch große Hersteller mit. So wird Tata jeweils einen Elektro-Nano (Nano EV) und ein Hybridfahrzeug (Indica Vista Hybrid) an den Start bringen und Tesla will mit dem Model S auf Preis-Jagd gehen. Auch der schmale Tango kommt von einer Firma, die bereits mit dem Verkauf ihrer Autos Geld verdient. Peter H. Diamandis, Chef der X Prize Foundation, ist jedenfalls begeistert: ,Wir freuen uns riesig, dass so viele Teams mit einer solchen Vielfalt an Technologien aus der ganzen Welt zum X Prize Wettkampf anreisen."

LincVolt gegen Business-Plan
Selbst der kanadische Rockmusiker Neil Young mischt sich unter die Kombattanten. Sein LincVolt getauftes Wettkampf-Mobil ist ein 1959er Lincoln Continental Convertible, den er mit einem Hybrid-Wankelmotor betreibt. Allerdings verlangen die Initiatoren detaillierte Machbarkeits- und Marktstudien für eine Produktion von mindestens 10.000 Fahrzeugen. Mithilfe dieser Anforderung sollen reine Studienprojekte vom Wettbewerb ausgeschlossen werden, nur Fahrzeuge mit dem Potenzial zur Marktreife dürfen mitmachen. Wie Neil Young diese Hürde mit einem umgebauten Oldtimer überwinden will, bleibt offen. Vielleicht geht es ihm ja nur um die Serienfertigung der im LincVolt verbauten Technik.

Der Weg zum Ziel
Die X Prize Foundation will mit dem Automotive X Prize einer neuen Generation von supereffizienten Autos auf die Sprünge helfen. Bekannt wurde die Stiftung 2004, als sie ein Preisgeld von ebenfalls 10 Millionen Dollar für den ersten wiederholbaren privaten Flug ins Weltall auslobte. Das siegreiche ,Spaceship One" kostete wesentlich mehr als der Sieg-Preis – Microsoft-Mitbegründer Paul Allen steckte seinerzeit große Summen in das Projekt. Die X-Prize-Foundation will nicht bereits Erreichtes prämieren, sondern ,wegweisende Leistungen zum Nutzen der Menschheit" auszeichnen.

Charles Lindbergh hat es auch geschafft
Vorbild für den X Prize ist der mit 25.000 Dollar dotierte Orteig-Prize, 1927 verliehen für den ersten Non-Stop-Flug von New York nach Paris. Der Gewinner vor 82 Jahren: Charles Lindbergh. Für die Teilnehmer des Automotive X Prize wird es Anfang Mai 2010 ernst, dann startet die lange Prüfung in Etappen auf der Strecke von Kalifornien nach Washington D.C. Details zu den Herausforderungen, wie zum Beispiel Bergtouren, und zur Strecke werden im Juli 2009 bekannt gegeben. Sowohl über das Voranschreiten des X Prize als auch über viele Teilnehmer-Teams und ihre Fahrzeuge werden wir in der nächsten Zeit ausführlich berichten.

Gewinn: 10.000.000 Dollar