Keine Auswirkungen des Verfahrens auf Opel

Über Jahrzehnte hinweg war General Motors (GM) der größte Automobilkonzern der Welt. Doch wachsende Anteile japanischer Marken auf dem US-Markt, eine verfehlte Modellpolitik und zu guter Letzt die Finanzmarktkrise haben die einstige Nummer Eins an den Abgrund geführt. Jetzt hat GM in den USA Insolvenz nach dem so genannten ,Chapter 11" beantragt.

Restrukturierung statt Insolvenz
Bei dem Chapter-11-Verfahren handelt es sich indes um einen Spezialfall des US-Rechts und nicht um eine klassische Insolvenz, wie man sie etwa aus Deutschland kennt. So werden keine Verwalter oder Treuhänder berufen: Die bisherige Geschäftsführung führt die Geschäfte weiter, zudem gibt es keine Unterbrechungen des Geschäftsbetriebs. Das Ziel ist bei Chapter 11 eine Sanierung beziehungsweise die Restrukturierung des Konzerns.

Neue Hoffnung für Opel
Von dem Neuordnungsverfahren betroffen sind nur die GM-Geschäfte in den USA und Kanada. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass Opel und seine englische Schwesternarke Vauxhall nicht involviert sind. Auch Saab steht außen vor, da sich die Schweden weiter auf die eigene Reorganisation konzentrieren. Durch die Vereinbarung einer Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro mit der deutschen Bundesregierung wurde unterdessen Opel/Vauxhall genügend zeitlicher Spielraum verschafft, um eine Partnerschaftsvereinbarung mit dem neuen Investor Magna abzuschließen. Der Rettungsplan für Opel/Vauxhall sieht eine Zusammenfassung der Vermögensgegenstände unter dem Dach der Adam Opel GmbH vor. Die 65-prozentige Mehrheit der Anteile wird eine unabhängige Treuhandgesellschaft eingebracht, während die restlichen 35 Prozent bei GM verbleiben. Auswirkungen auf das Tagesgeschäft soll es keine geben.

Chevrolet Europe bleibt im GM-Besitz
Ein Detail am Rande: In den offiziellen Verlautbarungen wird oft GM Europe mit Opel/Vauxhall gleichgesetzt, obwohl auch Chevrolet Europe in der europäischen GM-Zentrale sitzt. Auf unsere Nachfrage hin wurde aber ausdrücklich bestätigt, dass die hiesige Chevrolet-Organisation vom Opel-Magna-Deal nicht betroffen ist. Da die Euro-Chevys aus Daewoo hervorgegangen sind, gehört dieser Unternehmenszweig rechtlich zu GM Asia & Pacific, General Motors hält nach wie vor die Mehrheit.

US-Regierung als Mehrheitseigner
Ziel des GM-Mutterkonzerns ist eine Umschuldung mit der Schaffung eines ,New GM". Dieses ,Neue GM" soll innerhalb von 60 bis 90 Tagen geschaffen werden und die wertvollen Vermögensgegenstände beinhalten. So bleiben starken Marken Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC erhalten, während Saturn und Hummer verkauft sowie Pontiac eingestellt werden sollen. Den größten Teil der Schulden von 54 Milliarden Dollar (Stand: 30. April 2009) übernehmen die Regierungen der USA und Kanadas, wodurch diese zu Mehrheitseignern werden.

Verschlankt in die Zukunft
Gleichzeitig wird GM in Nordamerika massiv Stellen abbauen. Die Zahl der Fabriken soll bis 2012 von 47 auf 33 sinken. Zudem kündigt der Konzern neue, umweltfreundliche Fahrzeuge an: Bereits im Jahr 2010 kommt der Chevrolet Volt, bis 2012 werden 14 Hybridmodelle im Programm sein. Auch der Bau eines ,Small Car" wurde angekündigt. Von dem Fahrzeug sollen jährlich 160.000 Stück vom Band rollen. GM-Boss Fritz Henderson gibt sich optimistisch: ,Wir wollen kundennäher und kosteneffizienter werden, um so schnell wieder in die Gewinnzone zu kommen."

Bildergalerie: General Motors am Ende?