Versicherer berechnen Prämien nun oft nach Postleitzahl

Viele Kfz-Versicherer kalkulieren ihre Tarife für 2010 nicht mehr nach Regionalklassen. Nach Recherchen des Verbraucherportals toptarif.de weichen schon mehr als 20 Versicherungsunternehmen von der bisher üblichen Prämienberechnung nach Zulassungsbezirken ab. Stattdessen werden die lokalen Schadensrisiken differenzierter bewertet.

Änderungen bei Allianz, HUK-Coburg und DEVK
,Bei der Höhe der Versicherungsprämie spielte bislang die Regionalklasse, die über das amtliche Kennzeichen zugeordnet wird, eine entscheidende Rolle", erklärt Versicherungsexperte Thorsten Bohg von toptarif.de. ,Neben etlichen Direktversicherern kalkulieren aber auch große Versicherungsunternehmen wie die Allianz, die HUK-Coburg oder die DEVK die für 2010 gültigen Tarife nicht mehr generell nach den Zulassungsbezirken. Vielmehr wird den Berechnungen eine postleitzahlenscharfe Zuordnung oder bei manchen Versicherern eine regionale Feinselektion zugrunde gelegt."

Einstufung nach Stadtviertel
Beispiel Berlin: Entsprechend der klassischen Zuordnung nach Regionalklassen gilt für die gesamte Bundeshauptstadt ein einheitlicher Risikowert, egal ob die Autohalter im Stadtzentrum oder in den Randbezirken wohnen. Beim bundesweit größten Versicherer, der Allianz, gibt es allerdings Preisunterschiede zwischen einzelnen Stadtgebieten von rund fünf Prozent. Noch höher sind die Unterschiede beim zweitgrößten Versicherer HUK-Coburg. Hier variieren die Tarife zwischen dem gutbürgerlichen Steglitz-Zehlendorf und dem Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg um bis zu 17 Prozent. Ähnlich große Unterschiede gibt es beim Direktversicherer Direct Line. Dabei ist aber die Risikoeinstufung vieler Ortsteile eine völlig andere als bei der HUK-Coburg.

Prämienberechnung nach Postleitzahl
Durch die Prämienberechnung nach Postleitzahlen können Kfz-Versicherer die lokalen Risiken eines Kunden genauer berechnen. Zum Anderen berücksichtigt diese Berechnung den Wohnort besser als die nach Kfz-Kennzeichen. Denn eine Ausnahmeregelung in der neuen Fahrzeug-Zulassungsverordnung ermöglicht die Mitnahme des Autokennzeichens bei Umzügen innerhalb eines Bundeslandes. Diese Regelung findet bereits in Hessen und Schleswig-Holstein Anwendung. So könnte ein Bewohner eines ländlichen Gebiets auch nach dem Umzug in eine Großstadt weiter von den niedrigeren Land-Tarifen profitieren.

Wechselmöglichkeit bis 30. November
Wer nach der neuen Einstufung mehr für die Versicherung bezahlt, kann seinen Vertrag kündigen. Aber auch wer nun bemerkt, dass sein Tarif zwar unverändert geblieben, aber nicht besonders günstig ist, kann wechseln: Noch bis zum 30. November haben Autofahrer die Möglichkeit, eine günstige Kfz-Versicherung für das kommende Jahr zu wählen.