Von Berlin über Turin nach Balocco mit dem Sondermodell Fiat Bravo MSN

Den USB-Stick sollen wir auf keinen Fall aus seinem Steckplatz unter dem Navi-Bildschirm der Mittelkonsole ziehen. Dort werden nämlich die Daten gespeichert, die uns später entlarven. Am Ende unserer Tour werden die vom eco:Drive-System gesammelten Daten gnadenlos ausgewertet und wir stehen als Ressourcen-Verschwender oder umweltbewusste Fahrer da. Wir, das sind Thomas Engelhard, 36, Handels-Assistent, und Pavlos Polychronidis, 20, Jura-Student. Die beiden wurden, wie sollte es in den Zeiten von Casting-Shows auch anders sein, vom Internetdienst Microsoft-Network (MSN) unter Hunderten von Bewerbern herausgecastet, um Deutschland bei der Fiat-Bravo-MSN-Tour zu vertreten. Redakteur Gregor Hebermehl begleitet die ambitionierten Jungs bei ihren Spritspar-Abenteuern.

Sondermodell hilft beim Sparen
Unser maranellorotes Wettkampfgerät: der besagte Fiat-Bravo-MSN. Den gibt es mit 80 oder 120 PS - wir greifen auf das stärkere Modell zurück. Ein mit einem intelligenten Verkehrsservice-System ausgerüstetes Navi, die Freisprecheinrichtung Blue&Me und das eco:Drive (alles Microsoft-Entwicklungen) sind serienmäßig mit dabei. Außerdem gehört ein Sony Ericsson K770i zum Serienumfang. Die 80-PS-Variante des Bravo-MSN-Modells ist ab 13.250 Euro zu haben, Fiat gibt einen Preisvorteil von 6.750 Euro an.

Start in der Friedrichstraße
Los geht es in Berlins Zentrum, in der Friedrichstraße. In vielen Geschäften hängen ,Sale"-Schilder. Aber Thomas und Pavlos sind schon längst beim Spritsparen, wollen Spaß haben und am Ende gleichzeitig möglichst als Sieger dastehen. Über Leipzig, Innsbruck und Turin geht es zur Fiat-Teststrecke im italienischen Balocco. Wer gewinnt, streicht 30.000 Euro ein, die einem guten Zweck aus dem Heimatland des Siegerteams zur Verfügung stehen. Gewinnt Deutschland, kann sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland über das Geld freuen. Aber auch Teams aus beispielsweise Großbritannien, Frankreich, Italien, Portugal und den Benelux-Staaten kämpfen um die Kohle.

Momentaufnahme
Gerade haben wir den alten Markt in Potsdam hinter uns gelassen. Zur Zeit kämpfen Thomas und Pavlos noch mit den Tücken des Stadtverkehrs. Aber sie probieren bereits aus, ob es sich lohnt, bergab in den Leerlauf zu schalten, beschleunigen möglichst sanft - aber nicht immer. Auf dem Weg zu unserem heutigen Etappenziel Leipzig legt sich der Wunsch, möglichst schnell zu fahren mit dem Ziel an, so wenig Sprit wie möglich zu verbrennen. ,Schalte doch mal in den Sechsten.", sagt Thomas zu Pavlos. Wir bleiben dran und berichten weiter.

Leipzig – Innsbruck: 220 km/h
Regenwetter wechselt sich mit Nieselregen oder anständigen Regengüssen ab. Wir müssen die Scheibenwischer einschalten. Thomas ist um eine konstante Fahrweise bemüht, aber erst mal sitzt Pavlos am Steuer. Und der will es auch mal ein bisschen krachen lassen: Tacho 220 km/h sind auf der leicht abschüssigen Autobahn drin - eine Geschwindigkeit, bei der den Teams aus den anderen europäischen Ländern der Knast droht. Wir sind gespannt, ob sich dieser Highspeed-Exkurs später in unserer Datenauswertung niederschlagen wird.

Kesselberg macht uns fertig
Ab Nürnberg, wo wir zusammen mit gefühlt mehreren hundert Japanern auf der Burg ein paar Fotos im strömenden Regen schießen, übernimmt Thomas die Kontrolle über das Gaspedal. Jetzt zuckeln wir mit annähernd konstant 110 km/h durch die Gegend. Kurzer Stopp am nebelverhangenen Kochelsee - kurz deshalb, weil es gerade ziemlich heftig regnet. Dann fahren wir den Kesselberg hoch. Dessen Kurven laden normalerweise zum Brettern ein, aber wir wollen effizient fahren und glauben, dass wir diesen Anstieg energiemäßig nie mehr rausholen werden. Auf der Reststrecke nach Innsbruck steigt unser Durchschnittsverbrauch von 6,6 auf 6,9 Liter pro 100 Kilometer. Ob wir von diesem Wert wieder runterkommen?

Innsbruck - Turin: Ab in den Sommer
Hier sind 34 Grad Celsius - um 20:15 Uhr. Wir sind in Turin angekommen und werden schon den ganzen Tag in der Hitze gebacken. Heute früh in Innsbruck konnte sich das noch keiner vorstellen. Aber bereits auf dem Weg zum Brenner kommt die Sonne durch und nach dem Brenner-Tunnel ist es endgültig vorbei mit halbgaren Temperaturen und Dauerregen. Die Alpen Richtung Süden zu überqueren, macht für uns richtig Sinn. Und endlich können wir uns zurückholen, was uns genommen wurde: ein guter Durchschnitts-Verbrauch. Pavlos hat der Ehrgeiz gepackt, er nutzt die Bergab-Strecke, um ganz entspannt zu fahren. Unser Verbrauch sinkt kontinuierlich, hakt sich dann aber bei 6,4 Liter fest. Wir rollen weiter, so konstant wie es der Verkehr zulässt, mehr als 110 km/h werden nicht riskiert.

6,4 wie festgenagelt
Aber auch als wir an der Sektkellerei Spumante Ferrari, die anscheinend nichts mit den vornehmlich roten Rennwagen zu tun hat, vorbeikommen, sackt unser Verbrauch nicht weiter ab. Beim Abstecher zum Gardasee müssen wir in kleinen Dörfern wieder jede Menge Stopps über uns ergehen lassen. Jetzt fährt Thomas, auf geringen Energieverbrauch erpicht wie eh und je - und ihn schmerzt jedes Abbremsen mit anschließendem ,Beschleunigen-Müssen" sichtbar. Zurück auf der Autobahn nach Turin bleibt unser Verbrauch unverändert. Selbst als wir die kilometerlangen, Stechmücken-verseuchten Reisfelder hinter uns lassen und ins vornehme Turin einfahren, bleibt eine Zahl so konstant wie unsere Fahrweise: 6,4.

Schlimmes Schleichen als Erfolgsgarant?
In Turin, wo ein Ferrari eher schwarz oder dunkelblau ist, treffen wir dann zum ersten Mal auf die anderen Teams. Zwar sind unsere auf dem USB-Stick festgehaltenen Daten noch nicht mit dem speziellen, kostenlos zum Download zur Verfügung stehenden Microsoft-Programm ausgewertet worden, aber gerüchteweise soll das portugiesische Team einen sensationell niedrigen Verbrauch hingelegt haben - erreicht durch nicht enden wollende kleine Schleichfahrt. Wir werden sehen.

Finale in Balocco
Am letzten Tag geht es ins verschlafene Nest Balocco. Hier hat sich Fiat ein nettes Testgelände mit Gebäuden im Landhaus-Stil in die Reissümpfe gebaut. Die Blut saugenden Insekten halten sich wegen der deutlich über 30 Grad Celsius erfreulicherweise zurück. Endlich geht es zur Auswertung. Kurz und schmerzlos: Spanien gewinnt klar, gefolgt vom italienischen Team. Deutschland landet auf Platz vier bei insgesamt sieben Teilnehmerländern. Dabei ist unser Durchschnittsverbrauch ganz manierlich: 6,4 Liter pro 100 Kilometer trotz Alpenüberquerung und stockendem Touri-Verkehr in den Gardasee-Dörfern.

Realistischer Verbrauch vs. Extremsparen
Pavlos und Thomas haben zwar auf den Einsatz der Klimaanlage verzichtet, sind aber ansonsten recht normal im Verkehr mitgeschwommen. Bei der Auswertung heißt es noch: ,Das deutsche Team war etwas schneller unterwegs als die anderen." 110 km/h bei erlaubten 130 km/h auf dem langen italienischen Autobahn-Teilstück gilt also als schnell – unser Verdacht bestätigt sich: Die Sieger-Teams waren mit dem Tempo einer Straßenwalze unterwegs. Pavlos und Thomas haben eine ausgesucht gute Teamarbeit hingelegt – und beide sind vom Bravo MSN begeistert, mögen den auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr ruhigen Motor und das dabei souveräne Fahrwerk. ,Wenn Ihr mal wieder Testfahrer für eine Spritspartour braucht, meldet Euch", sagen die beiden. Machen wir.

Bildergalerie: Großes Sprit-Spar-Event