Intensive Zusammenarbeit der Komponenten im neuen Flaggschiff

,Wenn Kunden zu Fans werden, dann haben wir Kunst gemacht", sagte Audi-Design-Chef Stefan Sielaff anlässlich der Präsentation des neuen Audi A8. Er hält also große Stücke auf das neue Spitzenprodukt der Marke mit den vier Ringen. Audi-Boss Rupert Stadler meinte: ,Der neue Audi A8 ist die sportlichste Limousine in seinem Segment." Ein Schuss, der aus Ingolstadt in Richtung München geht.

Optisch mehr Dynamik
So richtig leicht soll sie sein, die größte Audi-Limousine. Und so kommt auch die dritte Generation des A8 in Aluminium-Bauweise daher: Aluminium-Bleche passen formschlüssig in einen fachwerkartigen Aluminium-Space Frame. Vor 15 Jahren debütierte diese Bauweise bei der ersten Generation des A8. Stark weiterentwickelt hat sich das Design des Wagens: Solide wie aus dem Block gefeilt bringt der A8 optisch trotzdem deutlich mehr Dynamik rüber als seine beiden Vorgänger. Ganz vorne siebt ein riesiger Kühlergrill die Luft.

In die Länge gegangen
Plastische Chrom-Querstreben drücken den Wagen in die Breite – doch so breit wirkt der A8 trotz seiner 1,95 Meter gar nicht. Seine Länge ist allerdings von 5,06 Meter auf nicht mehr garagentaugliche 5,14 Meter angewachsen, hoch ist der neue Audi 1,46 Meter und der Radstand erstreckt sich auf 2,99 Meter. Damit ist der A8 länger, breiter und flacher als seine direkten Konkurrenten Mercedes S-Klasse und BMW 7er. Nur der Porsche Panamera duckt sich mit 1,42 Meter ein bisschen tiefer – er ist aber auch kein direkter Konkurrent. Interessant: Audi gibt bislang keine Details zum Gewicht des A8 preis.

Steif, ruhig, kluges Licht
Audi hat die Torsionssteifigkeit des A8 kräftig erhöht – um 25 Prozent. Außerdem liegt der cW-Wert des 4.2 FSI bei 0,26, wobei die Stirnfläche des Wagens 2,41 Quadratmeter einnimmt. Und bei den Windgeräuschen spricht Audi von einem Spitzenplatz unter den ohnehin nicht lauten Luxus-Limousinen. Ein spezielles Kapitel ist das Licht des A8. Voll-LED-Scheinwerfer, wie sie mit dem Audi R8 eingeführt wurden, gibt es jetzt auch beim Spitzenmodell. Die Tagfahr-LED-Bänder sollen den Wagen optisch in die Breite drücken und durch einen Knick Richtung Boden nach unten ziehen. Die einzelnen schwenkbaren LED-Module sollen laut Hersteller spezielle Ausleuchtungen für Kreuzungen, Stadt- und Landstraßen sowie Autobahnen bereit halten. Außerdem ist das Lichtsystem ans neue Navi gekoppelt und weiß so schon immer im Voraus, welche Ausleuchtung gerade gefordert ist. Zudem gibt es einen intelligenten Fernlicht-Assistenten, der entgegenkommende Fahrzeuge erkennt und den Lichtkegel immer gerade soweit verkürzt, dass der entgegenkommende Verkehr nicht geblendet wird.

Innen schlank
Die Kabine des A8 wirkt licht und schlank – wir genießen bei einer ersten Sitzprobe ein luftiges Raumgefühl. Die Verarbeitung der Materialien ist selbstredend Top, Audi spricht hier von Manufaktur-Qualität. Klare Instrumente informieren je nach Wunsch über jede Kleinigkeit – das Mitteldisplay ist jetzt sieben Zoll groß. Dem Trend zum breiten flachen Mitteltunnel entzieht sich Audi auch nicht. Links auf ihm befindet sich der außergewöhnlich designte Wahlhebel für die Achtstufen-Automatik. Dieser ist so geformt, dass die Hand des Fahrers ständig auf ihm ruhen kann und die Finger dabei problemlos weitere Bedienknöpfe erreichen können. Serienmäßig bekommt der A8 eine Ambiente-Beleuchtung mit, und mit dem optionalen Ambiente-Paket soll die Mittelkonsole durch geschickt platzierte LEDs wirken, als wenn sie schweben würde. Und auch bei den Sitzen folgt Audi einem Trend: Eine rautenförmige Steppung soll Komfort und sportliche Optik vereinen. Die elektrischen Rollos für die Seitenfenster verschwinden im eingefahrenen Zustand komplett hinter Kunststoff-Klappen und der klein wirkende Kofferraum ist gar nicht so klein: 510 Liter Gepäck passen ins Heckteil des A8.

Zahlen malen: Das neue MMI
Das kurz MMI genannte Multi Media Interface bündelt bei Audi die Bedienung aller Infotainment-Komponenten. Und im neuen A8 wird alles noch besser: Jetzt können beispielsweise Buchstaben auch über ein unterhalb des Navi-Bildschirms angebrachtes Touchpad ins System geschrieben werden. Wir haben es ausprobiert: In verschiedensten Größen mit dem Finger aufs Touchpad gemalte Buchstaben in verschiedensten Schriftarten wurden ausnahmslos erkannt. Auch während der Fahrt wird diese Art der Eingabe ohne großes Zittern möglich sein, da die Hand des Fahrers beim ,Schreiben" auf dem besagten Gangwahlhebel der Automatik ruht. Ein Vorteil des Touchpad-Systems gegenüber einer Spracherkennung: Die Musik kann in voller Lautstärke weiterlaufen. In Sachen Musik gibt es als teuerste Option wieder eine Anlage von Bang & Olufson – 1.400 Watt, 19 Kanäle und 19 Lautsprecher lassen keine audiophilen Wünsche offen. Die Höchtöner kommen dabei wie bisher beim Einschalten der Anlage aus dem Armaturenbrett. Sie ähneln mit ihrem Lagerfeuer-Outfit denen des Mercedes SLS, wobei sie dort starr montiert sind.

Assistenten-Schar
Jede Menge Assistenzsysteme machen dem A8-Fahrer das Leben leichter. Audi gibt an, durch die intensive Vernetzung der Systeme neue Maßstäbe zu setzen. So ist der Abstandstempomat genauso wie das Lichtsystem mit dem Navi verbunden und weiß immer, wo er gerade ist. Der Tempomat regelt die Geschwindigkeit des A8 im Bezug auf den Vordermann von null bis 250 km/h. Die Stop-&-Go-Funktion erlaubt ein automatisches Abbremsen bis zum Stillstand und initiiert nach kurzem Halt selbstständig das Weiterfahren – dies kennen wir bereits vom BMW 7er. Auch ein Totwinkel-Assistent und ein Spurverlassens-Warner sollen die Fahrt in einem Audi A8 sicherer machen. Die bei BMW bereits seit Ende 2008 verfügbare Verkehrszeichen-Erkennung wird ab Mitte 2010 im A8 zur Verfügung stehen. Ein komfortables Head-up-Display scheint dagegen nicht in Sicht. Allerdings hat Audi jetzt auch einen Nachtsichtassistenten mit Personen-Erkennung im Angebot. Hier schließt man zu BMW auf.

Mit Luft gefedert
Wie eingangs erwähnt, will Audi mit dem neuen A8 die sportlichste Limousine der Luxus-Klasse auf die 17 bis 21 Zoll großen Räder gestellt haben. Um dies zu erreichen, ist natürlich ein auf Dynamik getrimmtes Fahrwerk nötig. Sowohl in der Vorder- als auch in der Hinterradaufhängung kommt viel Aluminium zum Einsatz, was die ungefederten Massen reduziert. Das serienmäßig verbaute Fahrdynamik-System ,Drive Select" soll vom komfortablen Rollen bis zur strammen Kurvenfahrt alles ermöglichen – ob dies zutrifft, kann nur ein Test zeigen. Immerhin ist auch hier wieder alles vernetzt: Die Steuerung der Serien-Luftfederung bekommt Daten von Motor, Getriebe und Servo-Lenkung. Über das MMI kann jeder Fahrer seine ganz individuelle Lieblings-Kennlinie einstellen. Die Bremsen des A8 warten mit einer Besonderheit auf: Bei den vorderen Scheibenbremsen verbinden Edelstahl-Stifte die Reibringe mit den Bremstöpfen. Dieses aus dem Sportwagenbereich entlehnte Konzept bringt eine Gewichtsersparnis von 3,75 Kilogramm pro Rad – und feiert jetzt in der Luxusklasse seinen Einstand.

Effizienter: Die Motoren
Zum Marktstart Anfang 2010 ist der neue A8 in zwei V8-Motorisierungen verfügbar. Der 4,2-Liter-Diesel ist mit 350 PS dabei. Richtig beeindrucken wird der TDI-Antrieb aber mit seinem Drehmoment von 800 Newtonmeter, die bereits ab 1.750 U/min zur Verfügung stehen. In 5,5 Sekunden gelingt der Sprint auf Tempo 100. Dabei sollen im Schnitt 7,6 Liter Diesel pro 100 Kilometer in die Brennräume fließen. Im Vergleich zum Vorgänger-Aggregat heißt das: 24 PS und 150 Newtonmeter mehr gehen mit einer Verbrauchssenkung um 1,8 Liter einher. Der Hauptgrund für die Ersparnis liegt laut Audi in einem auf 2.000 bar erhöhten Einspritzdruck.

Benziner mit 372 PS
Das 4,2-Liter-Benzinaggregat ist für 372 PS und ein Drehmoment von 445 Newtonmeter gut. Damit erledigt der Luxus-Wagen den Sprint von null auf 100 km/h in 5,7 Sekunden. Bei allen Motorisierungen wird die Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. 9,5 Liter Super lässt sich der Benziner im Schnitt auf 100 Kilometer schmecken – 1,4 Liter weniger als sein Vorgänger. Dabei liegt der Leistungszuwachs bei 22 PS.

Zwei weitere Diesel
Kurz nach dem Markstart soll ein 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel die Motorenpalette ergänzen. 250 PS und 550 Newtonmeter stehen hier zur Verfügung – was einem Zuwachs von 17 PS und 100 Newtonmeter gegenüber dem Vorgänger entspricht. In 6,6 Sekunden geht's in den dreistelligen Geschwindigkeitsbereich und 6,6 Liter auf 100 Kilometer bedeuten eine Verbrauchsreduzierung um 1,9 Liter. Serienmäßig wird der Dreiliter-Diesel mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Später soll es den Motor auch in einer 204-PS-Variante geben, die mit einem Vorderrad-Antrieb gekoppelt ist. Hier sollen 6,0 Liter Diesel auf 100 Kilometer reichen, was den BMW 730d schlagen würde: Der ist mit 6,8 Liter dabei.

Jetzt mit acht Gängen
Alle zum Marktstart angebotenen Motorisierungen werden an eine neue Achtstufen-Automatik gekoppelt, zudem ist der Allradantrieb Serie. Die Automatik soll für eine Kraftstoffersparnis von zirka sechs Prozent sorgen. Auch die Schaltung bezieht Informationen vom Navigationssystem und legt so ihre Schaltstrategie aus. Der Allradantrieb verteilt seine Kraft in der Grundkonfiguration zu 60 Prozent nach hinten. Optional gibt es ein so genanntes Sportdifferenzial, welches beim 4.2 TDI Serie ist. Dieses Zusatz-Differenzial verteilt die Kräfte stufenlos zwischen rechtem und linkem Hinterrad, seine Steuerung ist an das Fahrdynamiksystem Drive Select angebunden.

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