Kamerabasierte Automatik verteilt Licht situationsgerecht und ohne zu blenden

Das häufige Umschalten zwischen Fernlicht und Abblendlicht in der Nacht wird schnell als lästig empfunden. So verzichten viele Autofahrer ganz auf die Verwendung des Fernlichts, obwohl sie Gefahren dann nicht mehr frühzeitig erkennen können. Kameragestützte Fernlichtassistenten, die entgegenkommenden Verkehr mithilfe einer Kamera erkennen und automatisch abblenden, schaffen Abhilfe. Solche Systeme sind bereits auf dem Markt. Doch erlaubt die Lichttechnik noch weitere Verbesserungen. Wir haben uns die neuesten Entwicklungen vom Zulieferer Valeo vorführen lassen.

BeamAtic Plus: Mehr als nur an oder aus
So entwickelt Valeo unter dem Namen BeamAtic Plus ein System, bei dem nicht nur automatisch zwischen Abblend- und Fernlicht hin- und hergeschaltet wird. Bei BeamAtic Plus gibt es stattdessen einen permanenten, gleitenden Wechsel zwischen den beiden Lichtarten. Kommt ein Auto entgegen, wird die Länge des ausgeleuchteten Straßenabschnitts kontinuierlich verkürzt, während sich das Fahrzeug näher kommt. Aber auch die Form der Scheinwerferkegel wird variiert: Der linke Teil des Kegels wird schneller verkürzt als der rechte. So bleibt dem Fahrer immer ein großer Teil des Sichtfeldes erhalten. Der momentane Eindruck, in ein schwarzes Loch zu fahren, bleibt aus. Drei Stellmotoren im Scheinwerfermodul regeln die Reichweite und die Form des Lichtkegels.

BeamAtic Premium: Permanentes Fernlicht
Bei BeamAtic Premium schließlich bleibt das Fernlicht permanent eingeschaltet – aber ohne dass der Gegenverkehr geblendet wird. Die beiden Scheinwerfer werden so gesteuert, dass man auf einem begrenzten Teil des Sichtfelds nur Abblendlicht hat, sonst aber überall Fernlicht. Nur dort, wo der Gegenverkehr beziehungsweise vorausfahrende Fahrzeuge sind, wird abgeblendet. Da das auch auf kurvigen Strecken funktionieren muss, macht man sich die Mechanik des dynamischen Kurvenlichts zunutze. Sie sorgt dafür, dass der abgeblendete Teil des Sichtfelds sich mit den anderen Verkehrsteilnehmern mitbewegt. So kann das Fernlicht bei fast allen Straßenverhältnissen eingeschaltet bleiben.

Voraussetzung: Eine Kamera
Alle BeamAtic-Systeme setzen eine Kamera im Fuß des Innenspiegels voraus. Sie erfasst die verschiedenen Lichtquellen im Sichtfeld des Fahrers. Eine Bildauswertungssoftware ermittelt, ob es sich um ein Auto, eine Straßenlaterne oder eine Leuchttafel handelt. Dabei werden sowohl die Frontscheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge als auch die roten Rücklichter vorausfahrender oder überholender Autos berücksichtigt. Die Kamera kann auch für andere Fahrerassistenzsysteme wie eine Spurverlassenswarnung genutzt werden.

Tri-Xenon-Licht
Aber auch ohne zusätzliche Kamera lässt sich die Sicht bei Nacht verbessern. Beim Tri-Xenon-Licht zum Beispiel kommt im Vergleich zum bekannten Bi-Xenon-Licht zum Fern- und Abblendlicht noch ein Autobahnlicht hinzu. Es wird bei Geschwindigkeiten über 100 km/h eingeschaltet. Dabei handelt es sich um ein Abblendlicht, das heißt, der Scheinwerfer erzeugt kein Licht oberhalb des Horizonts. Dennoch ist die Reichweite um 60 Meter größer als bei normalem Abblendlicht. Erreicht wird das mit einem Spiegel im Scheinwerfer, der Licht, das sonst aus optischen Gründen verloren ist, auf die Fahrbahn lenkt.

Bildergalerie: Künftig immer Fernlicht?