Die ersten elektrischen Smarts sind übergeben

,Beim Klimagipfel waren Diplomaten gefragt, bei RWE und bei Daimler die Ingenieure. Letztere waren auf jeden Fall erfolgreich." Mit diesen Worten läutet Daimler-Chef Dieter Zetsche den Start der ,Phase zwei" des Projekts ,e-mobility Berlin" ein. Die Daimler Tochter Smart stellt für Berliner Kunden 100 elektrisch betriebene Fahrzeuge vom Typ ,Smart ed" zur Verfügung, der Stromkonzern RWE übernimmt die Erstellung der Infrastruktur.

Smart ed kurz und knapp
Die Grunddaten des e-Smart, wie Dieter Zetsche den Smart ed immer wieder nennt, sind bekannt: Der von einer modernen Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgte Wagen kommt 135 Kilometer weit, ist maximal 100 km/h schnell und beschleunigt in 6,5 Sekunden auf 60 km/h. Im Stadt-Stromer säuselt ein 30-Kilowatt-Elektromotor (41 PS) mit einem Drehmoment von 120 Newtonmeter. Ein vollständiger Ladevorgang dauert an der 230-Volt-Steckdose acht Stunden, allerdings sollen bereits in 3,5 Stunden 80 Prozent der Ladekapazität erreicht sein.

Zetsches ,Erwartungsmanagement"
Zetsche betont, dass die Batterie für ein Stadtauto ausreichend ist – für alle darüber hinausgehenden Anforderungen wie lange Überland-Reisen ist noch keine elektrische Lösung in Sicht. Als wir den Daimler-Boss vor ein paar Wochen bei der Präsentation des Mercedes SLS AMG getroffen haben, hat er uns allerdings klar gemacht, dass der Supersportler namens SLS zurzeit mit Elektroantrieb erprobt wird. AMG-Ingenieure sollen ohne jegliche MP3-Krücken einen passablen Sportsound aus dem entsprechenden Elektromotoren holen. Wird so ein Auto für den Stadtverkehr gebaut?

Schrittweise Ausbreitung
Fröhlich betont der Daimler-Chef, dass der Innenraum des Smart ed komplett erhalten bleibt – ,im Gegensatz zu anderen Autos in dieser Stadt". Damit ist der Mini e gemeint, der ebenfalls in Berlin unterwegs ist und der für das Akkupack die Rückbank und beinahe den kompletten Kofferraum opfern muss. Der e-Smart wird nicht nur Berlin rocken, auch Rom, Mailand, Pisa, Zürich und Hamburg stehen auf der Liste. Und mit dem Fürstentum Monaco wurde Anfang Dezember ein Vertrag über die Lieferung von zehn elektrischen Smarts geschlossen.

Infrastruktur muss mitwachsen
Die Verbreitung von Elektroautos wird vom Henne-Ei-Problem begleitet: Ohne E-Fahrzeuge gibt es keinen Bedarf an Strom-Zapfstellen und ohne Strom-Zapfstellen verkaufen sich E-Autos nicht. Aus diesem Grunde hat sich Daimler mit Deutschlands zweitgrößtem Stromkonzern RWE zusammengetan, um die nötige Lade-Infrastruktur für elektrische Fahrzeuge aufzubauen. Zum Zeitpunkt gibt es 70 Ladestationen in Berlin, im Jahre 2010 sollen es schon 500 sein. RWE-Chef Jürgen Großmann, seines Zeichens auch VW-Aufsichtsratsmitglied, kommt gerade vom Klimagipfel in Kopenhagen, den er als eine Mischung ,aus G8-Gifpel und Kirchentag" empfunden hat. Genüsslich zitiert er aus dem Koalitionsvertrag der neuen schwarzgelben Regierung: ,Deutschland soll der Leitmarkt für die Elektromobilität werden." Ganz klar: Der Strom-Boss wittert hier ein ganz dickes Geschäft. Aber dafür müssen sich E-Autos von exklusiven Fahrzeugen für einen kleinen Kundenkreis zu erschwinglichen Mobilen entwickeln. Nur dann könnten die Wagen auch mal als wichtiges Speichermedium für die Energiekonzerne dienen, wie Großmann meint.

Unterstützung vom Wirtschaftsminister
Auch die Politik unterstützt die Entwicklung der elektrischen Mobilität. So sagt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mit Blick auf den Klimagipfel: ,In Kopenhagen wird diskutiert, in Berlin wird gehandelt." Er sieht in der Autobranche eine Schlüsselbranche für Deutschland, deren Arbeitsplätze es zu sichern gilt. Andererseits hat auch der liberale Industriefreund Brüderle den Klimaschutz als ,Megathema", wie er es bezeichnet, erkannt. Und so stellt die Bundesregierung, also der deutsche Steuerzahler, 120 Millionen Euro zur Verfügung, um die elektrische Mobilität hierzulande voranzubringen. Brüderle sieht Deutschland hier im knallharten Wettbewerb mit China, wo ebenfalls mit staatlicher Unterstützung an E-Mobilitäts-Projekten gearbeitet wird. Zudem hat der FDP-Mann auch noch sechs Millionen Euro speziell für das ,e-mobility Berlin"-Projekt mitgebracht. Der Wirtschaftsminister würde eine fehlende Unterstützung solcher Projekte durch die Bundesregierung als ,Verweigerung von Solidarität, ein Megaproblem zu lösen" bezeichnen – so nett kann man die Zahlung von Steuer-Millionen in Worte packen.

Betrieb durch Öko-Strom
Sämtliche RWE-Zapfstationen sollen ausschließlich mit Strom aus regenerativen Energien gespeist werden – dies gilt auch für die Ladestationen, die beim Kunden in der Garage aufgehängt werden. Damit soll Elektroauto-Skeptikern, zu denen auch Greenpeace gehört, der Wind aus den Segeln genommen werden. Zwar werden jetzt nach und nach e-Smarts an Kunden übergeben, aber kaufen kann man den Wagen nicht. Er wird für 700 Euro im Monat verleast, wobei die Heim-Ladestation und eine Strom-Flatrate für die nächsten eineinhalb Jahre im Preis inbegriffen sind. 100 Smarts mit Tesla-Batterien sind nur der Anfang: Ab 2012 soll die Großserien-Produktion des kleinen Stromers beginnen. Dieser Smart wird dann mit einem neuen Energiespeicher der ,Deutschen Accumotive", einem Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und dem Mischkonzern Evonik, unterwegs sein. Dieter Zetsche spricht schon jetzt vom dann ,besten Akku der Welt." Abschließend erklärt der Daimler-Chef entschlossen: ,Als Erfinder des Automobils wollen wir auch den Wettlauf um die zweite Erfindung des Automobils gewinnen."

Bildergalerie: Phase zwei