Von Walter Röhrls Rallye-Kadett zum Insignia 4x4

Drei, zwei, eins – LOS!: Christian Geistdörfer, legendärer Co-Pilot von Rallye-Legende Walter Röhrl schickt mich auf die Reise. Der Motor des Opel Kadett C GT/E heult auf, die Hinterräder drehen durch. Obwohl ich bereits im zweiten Gang anfahre, suchen die Gummis auf der glatten Schneepiste verzweifelt nach Traktion. Nach einigen Sekunden, die mir wie Minuten vorkommen, legen sich die rund 150 PS des Oldies des Baujahrs 1976 lautstark ins Zeug. Doch es ist Vorsicht geboten, schon ein Hauch zu viel Gas lässt den heckgetriebenen Kadett ausbrechen und Pirouetten tanzen.

Richtig unterwegs auf Schnee und Eis
Wozu ein Profi am Lenkrad fähig ist, demonstriert Geistdörfer uns im Ascona B 400. Lautstark schießt die Limousine im Drift um den kleinen Rundkurs. Mit dem 240 PS starken Opel wurden Röhrl/Geistdörfer 1982 gegen starke Konkurrenz Weltmeister. Der Grund, warum Opel sein kostbares Tafelsilber zum Fahren bereitstellt, hat sich seit Herbst 2008 rund 170.000-mal verkauft: Der Insignia, dessen 4x4-Variante wir bei Extrembedingungen auf Schnee testen. Dick ist die Schneedecke im österreichischen Thomatal jedoch nicht, sodass wir bald auf einer Eisschicht fahren. Dort zeigt der adaptive Allradantrieb, was er kann: Das Auto bleibt wie auf Schienen in der Spur. Geht man zu schnell in eine Kurve oder verliert die Haftung, schwenkt das Hinterteil ähnlich wie bei einem Hecktriebler aus. Gleichzeitig arbeitet das ESP fleißig, wie wir an der wild flackernden Warnleuchte sehen. Nach kurzem Gegenlenken steht das Auto wieder gerade. Im Vergleich dazu der Rallye-Kadett von 1976: Hat man es mit dem Gas geben übertrieben, bricht das Heck unkontrolliert aus, das Auto dreht sich, man muss warten, bis der alte Opel stehen bleibt.

Elektronische Helferlein
Im Insignia 4x4 arbeiten viele elektronische Komponenten zusammen, deren Rechenleistung zu Zeiten des Kadett noch etwas für Großrechner gewesen wären. Das adaptive Allradsystem erhält seine Informationen über drei Module, darunter das ESP. Alle Daten wie die Motordrehzahl oder der Lenkwinkel werden zum Steuergerät weitergeleitet, ausgewertet und das Drehmoment individuell an die Räder verteilt. Nur rund 80 Millisekunden sollen zwischen dem Erkennen einer kritischen Situation und der Kraftverteilung vergehen. Auch den eingangs erwähnten Kavaliersstart mit durchdrehenden Rädern weiß das System zu vermeiden, hier wird schon im Vorfeld ein Teil der Antriebskraft an die Hinterräder geleitet.

Unterstützung, aber kein Freibrief
Christian Geistdörfer zeigt sich von dem Allradantrieb angetan. Doch die Technik soll den Fahrer nur unterstützen, wie er betont. Physikalische Gesetzmäßigkeiten könne auch das beste System nicht aushebeln. Allerdings seien er und Walter Röhrl bei der Rallye Monte Carlo 1982 einmal an die Grenzen der Fahrphysik gegangen: Mit geschnittenen Slicks eilten die beiden im Ascona B 400 den berühmten Pass ,Col de Turini" auf 1.607 Meter Höhe hinauf. ,Teilweise konnten die Zuschauer neben uns gehen, so langsam ging es manchmal voran" erinnert sich Geistdörfer an den ganz speziellen Nervenkitzel. Doch das Risiko lohnte sich, die Opel-Piloten gewannen die Rallye. Auf Platz zwei landete übrigens ein gewisser Audi Quattro – mit Allradantrieb. Wer heute im Insignia 4x4 nach Monte Carlo fahren will, sollte mindestens 35.685 Euro für den Zweiliter-Turbobenziner mit 220 PS bereithalten.

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