Unterwegs in den Alpen mit dem neuen allradgetriebenen T-Modell

Im Jahr 1985 stellte Mercedes nicht nur das T-Modell der E-Klasse-Baureihe W124 vor, sondern gleichzeitig auch den Vierradantrieb namens ,4Matic". In Kürze feiert diese Allradtechnik ihren 25. Geburtstag und hält zudem Einzug in das neue T-Modell der E-Klasse. Wir konnten uns in den österreichischen Alpen von den Vorzügen des 4Matic-Systems überzeugen.

Überholen mit Vollgas
Ein schneebedeckter Parkplatz im Ötztal, unter der weißen Masse befindet sich pures Eis. Auf diesem rutschigen Untergrund simulieren wir einen Überholvorgang: Wir wollen mit unserem allradgetriebenen E 350 CDI T-Modell einen Bus überholen, allerdings naht bereits Gegenverkehr. Also geben wir Vollgas, wechseln auf die linke Fahrbahn, passieren zügig das mittels Pylonen markierte Hindernis und scheren wieder ein. Man sollte glauben, auf Schnee und Eis sei das nur mit bestem fahrerischen Können und einer Menge Übung möglich. Doch wir haben fast keine Traktionsprobleme, halten die gewünschte Spur und schließen unser Überholmanöver schnell und sicher ab.

Höherer Wirkungsgrad, weniger Gewicht
In der aktuellen E-Klasse kommt nun die mittlerweile vierte Generation der 4Matic zum Einsatz. Das aktuelle System zeichnet sich durch einen höheren Wirkungsgrad, eine kompaktere Bauweise und ein geringeres Gewicht aus. Der permanent arbeitende Allradantrieb wiegt rund 70 Kilogramm – und damit nur noch halb soviel wie in der ersten Auflage, die ab 1987 im Serienmodell des W124 verbaut wurde. Bei der aktuellen 4Matic-Abstimmung soll die Fahrstabilität und damit die aktive Sicherheit im Vordergrund stehen. Das mechanische Fundament bilden die Momentenverteilung von 45 zu 55 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse sowie eine Lamellensperre im Zentraldifferenzial mit einer Grundsperrwirkung von 50 Newtonmeter. Diese Konzeption ermöglicht hohe Traktionswerte, weil die beim Beschleunigen auftretende dynamische Achslastverschiebung Richtung Hinterachse genutzt wird, um dort mehr Antriebsmoment abzusetzen.

Später Eingriff von ESP und Co.
Die Lamellensperre kann das Antriebsmoment aber auch variabel von 30 zu 70 beziehungsweise 70 zu 30 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse verschieben, falls die Straßenverhältnisse das erfordern. So kann der Eingriff der elektronischen Helferlein wie ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm), 4ETS (elektronisches Allrad-Regelsystem) und ASR (Antriebsschlupfregelung) möglichst spät erfolgen und ein Großteil des Antriebsmoments auch auf glatten Straßen in Vortrieb umgesetzt werden. Die Regeleingriffe werden nur dadurch offensichtlich, dass das gelbe Warnsymbol im Kombiinstrument aufblinkt.

Ohne Regelsysteme kaum Kontrolle
Jetzt wiederholen wir unseren Überholvorgang. Diesmal sind die elektronischen Regelsysteme allerdings deaktiviert: Als wir das Gaspedal durchtreten, kommt es zu spürbaren Traktionsproblemen und die Räder drehen durch. Das Ausscheren nach links bekommen wir so gerade noch hin, doch als wir dem simulierten nahenden Gegenverkehr ausweichen und wieder nach rechts ziehen, wird das Fahrzeug nur schwer kontrollierbar. Unser E 350 CDI gerät ins Schlingern und bleibt nur mit großer Mühe auf dem abgesteckten Kurs. Wir sind mit rund 30 km/h unterwegs, können uns aber ausmalen, dass beispielsweise bei doppelt so hohem Tempo der Wagen nicht mehr zu beherrschen wäre.

Systeme laufen im Hintergrund weiter
Der ESP-Aus-Schalter existiert natürlich nicht alleine zu Demonstrationszwecken. Unter bestimmten Bedingungen kann es sogar erforderlich sein, die Systeme abzuschalten. Das ist etwa dann der Fall, wenn hohe Schlupfwerte an den Rädern nötig sind – beispielsweise beim Freiwühlen aus Tiefschnee. Komplett lassen sich ESP, 4ETS und ASR im E-Klasse 4Matic aber nie deaktivieren, sie sind im Hintergrund immer noch verfügbar, greifen aber nur im Notfall ein. Beim Bremsen etwa steht dem Fahrer auch bei ,ESP Off" die volle Unterstützung der Regelsysteme zur Verfügung.

Fünf Mal E-Klasse, insgesamt 52 Allradmodelle
Das aktuelle 4Matic-Programm für die Mercedes E-Klasse umfasst fünf Modelle: Der 231 PS starke Dreiliter-Diesel und der 272-PS-Benziner mit 3,5 Liter Hubraum sind für die Limousine und ab Anfang 2010 auch für das T-Modell zu haben. Der V8-Benziner mit 388 PS und 5,5 Liter Hubraum bleibt hingegen dem Viertürer vorbehalten. Alle E-Klasse 4Matic werden mit einer Siebengang-Automatik kombiniert. Die Preise beginnen bei 53.729 Euro für die Limousine und 56.942 Euro für den Kombi. Insgesamt stehen bei Mercedes sogar 52 Pkw-Modelle mit Allradantrieb zur Wahl – von der C-Klasse über die SUVs bis zur S-Klasse und natürlich der 30 Jahre alte Klassiker ,G".

25 Jahre E-Klasse 4Matic