Wir waren mit Elektro- und Wasserstoffantrieb unterwegs

Die Zukunft von Mercedes ist giftgrün: Zumindestens gilt das für das ,Concept BlueZero E-Cell", in dem wir gerade sitzen. Mit einem hellen Surren schiebt die Studie voran. Mit ihr und anderen Fahrzeugen will das Unternehmen zeigen, wohin die Reise in Sachen Auto gehen wird.

Technik im Sandwich
Das Konzeptfahrzeug ist ohne Zweifel das auffälligste Auto unter all den umweltfreundlichen Mobeilen, die uns präsentiert werden. Das ,Concept BlueZero E-Cell" basiert auf der aktuellen B-Klasse, setzt aber andere optische Akzente. Dazu zählen neben der eingangs erwähnten Lackierung ein verändertes Außendesign mit geschlossenem Kühlergrill und transparenter Heckklappe. Auch der Innenraum kommt futuristisch daher. Auf Nachfrage bekommen wir die Antwort, dass die Studie kein Ausblick auf die neue B-Klasse ist. Wie auch immer, das Highlight befindet sich im Sandwich-Boden des Fahrzeugs: In diesem doppeltem Boden sind die Batterien untergebracht. Während man für die nächste Generation der B-Klasse auf eine konventionelle Plattform setzt, werden die Varianten mit Elektroantrieb und Brennstoffzelle weiterhin über die Sandwich-Technik verfügen.

Was ihr wollt
Die flexibel kombinierbaren Antriebskomponenten haben die Mercedes-Ingenieure in einem modularen Baukastensystem zusammengefasst. Dazu zählen modernste flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Akkus mit bis zu 35 kWh Speicherkapazität sowie der kompakte, maximal 100 Kilowatt starke Elektromotor mit einer Dauerleistung von 70 Kilowatt (95 PS). Er entwickelt ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter. Die Beschleunigung auf 100 km/h erfolgt in weniger als elf Sekunden. Tatsächlich zieht die saubere Studie recht flott an. Die Höchstgeschwindigkeit soll 150 km/h betragen, wir dürfen mit dem Einzelstück aber nur 80 km/h fahren. Im Cockpit informiert anstelle des Drehzahlmessers eine Anzeige über die abgerufene Leistung des E-Motors, beim Bremsen wird den Batterien Energie zurückgeführt. Bei einer Ladeleistung von 15 Kilowatt können die Akkus des BlueZERO E-Cell innerhalb von 30 Minuten genügend Saft für 50 Kilometer Reichweite speichern. Bei Aufladung an einer haushaltsüblichen Steckdose verdoppeln sich die Ladezeiten. Die Gesamtreichweite des E-Cell gibt Mercedes mit 200 Kilometer an, mit einem zusätzlichen Verbrennungsmotor als Stromgenerator sollen bis zu 600 Kilometer drin sein – davon 100 Kilometer rein elektrisch.

Elektro-Smart ab Ende 2009 in Kleinserie
Anders als der E-Cell ist der elektrisch angetriebene Smart ed schon weit gediehen. Nachdem bereits in London und Berlin Flottentests erfolgt sind, startet Ende 2009 eine Kleinserie mit Lithium-Ionen-Akkus von Tesla. Ab 2012 ist der Elektro-Smart regulär erhältlich, die Akkus stammen dann aus dem Joint-Venture ,Deutsche Accumotive" von Daimler und Evonik. Wir konnten eine Testfahrt im Smart ed machen, der in London eingesetzt wurde. Er basiert noch auf dem alten Modell und weist ältere Nickel-Hydrid-Akkus auf. Der E-Motor leistet 33 Kilowatt (41 PS). Schnell fällt auf, dass erst hier der Smart seine wahre Bestimmung findet: All die Dinge, die beim Benziner stören, fehlen. Der Motor agiert leise, eine unharmonische Schaltung gibt es nicht. Gefühlt ist die Beschleunigung zwar nicht rasant, aber ein konventioneller Smart macht es auch nicht viel besser. Die Spitze liegt bei 120 km/h, den Stromverbrauch beziffert der Hersteller auf 12 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, spätestens nach 110 Kilometer muss aufgeladen werden.

Strom mit Hürden
Trotz aller Vorzüge im Fahrbetrieb: Noch werfen Elektroautos wie der Smart ed viele Fragen auf. Dazu gehören die Kosten des Akkus und damit des Fahrzeugs, die Zahl der Ladestationen, die Abrechnung des Stromes und auch die Sicherheit der Technik. Eines der Hauptentwicklungsziele von Daimler ist denn auch die Industrialisierung und Standardisierung der Batterietechnik. Langfristig sprechen die Forscher vom Ziel des ,lokal emissionsfreien Fahrens" mit Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeugen. Aus diesem Grund kommt 2010 eine Elektro-A-Klasse in Kleinserie, 2011 eine B-Klasse mit Brennstoffzelle. Auch im Bereich des Wasserstoffbetriebs bleiben noch viele Fragen im Bereich der Kosten und Infrastruktur offen. Deshalb wird es nach der Einschätzung von Daimler-Experten künftig nicht nur eine bestimmte Technologie als Königsweg zur nachhaltigen Mobilität geben.

Mehrgleisige Strategie
Nachdem uns die sauberen Benze Lust auf mehr gemacht haben, wird seitens Mercedes zurückgerudert. Bei allen Fortschritten könne das Elektroauto Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht kurzfristig ersetzen, sagen die Schwaben. Und so bäckt man vorerst kleinere Brötchen: Der neue E 200 CGI soll mit Benzindirekteinspitzung und Start-Stopp-Automatik trotz 184 PS nur 7,2 Liter verbrauchen, während man bei der S-Klasse auf Mildhybridtechnik setzt. Der Hybrid ist bei Mercedes ein modularer Baukasten, der verschiedene Kombinationen aus Batterien, Elektroantrieben und Verbrennungsmotoren zulässt. Das mögliche Maximum demonstriert die Studie E 300 Bluetec Hybrid. Hier arbeitet ein starker Diesel mit einem E-Antrieb zusammen und ermöglicht ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter. Gleichzeitig soll das Fahrzeug nur 4,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Mercedes-Entwicklungsvorstand Dr. Thomas Weber könnte sich eine solche Kombination für den Einsatz in der S-Klasse vorstellen, aber: ,Wir werden nicht alle morgen elektrisch fahren", so Weber.

Wohlklingende Zukunftsmusik
Die Vorstellungskraft von Weber reicht noch weiter: So könne man mit dem 204-PS-Selbstzünder aus dem E 250 CDI auch eine S-Klasse souverän fortbewegen, in der C-Klasse sei hingegen ein aufgeladener Dreizylinder-Benziner denkbar. Selbstbewusst gibt sich daher der Daimler-Chef: ,Wir wollen auch in grünen Technologien führend sein", so Dieter Zetsche. Um dorthin zu kommen, wird unter dem Stern bereits seit vielen Jahrzehnten an alternativen Antrieben geforscht. Doch erst jetzt scheint die Arbeit richtig Fahrt aufgenommen zu haben, die Ingenieure überschlagen sich beinahe mit einer Fülle von Ideen. Man darf somit gespannt sein, ob es bei öffentlichkeitswirksamer Zukunftsmusik bleibt, oder schon bald zu einer lautlosen Revolution auf unseren Straßen kommt.

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