Das ,Commuter Car" ist etwa so schnell und so teuer wie eine Corvette

Spokane (Washington/USA), 28. Dezember 2009 – 1982 steckte Rick Woodbury mit seinem Auto in einem höllischen Stau in Los Angeles. Ihm fiel auf, dass in fast jedem Fahrzeug nur eine Person saß. Woodbury begann, über Staus nachzudenken. Was, wenn ein Fahrzeug nur halb so breit wäre wie normal? Fast zwei Jahrzehnte vergingen, bis aus der Anfangsidee ein Auto wurde, der Tango T600. Im Jahr 1999 gründete Woodbury die Firma Commuter Cars, beheimatet in Spokane im US-Staat Washington. Dort kann man den Tango bestellen. Wie uns Rick Woodbury schrieb, gilt das auch für europäische Kunden: Man bestellt das Auto, Commuter Cars baut es und dann wird es nach Europa eingeschifft. Zu sehen ist der Tango demnächst auf der Detroit Motor Show (11. bis 24. Januar 2010).

Kleiner als ein Smart ...
Der Name des Herstellers ist Programm: Ein ,commuter car" ist ein Fahrzeug für Pendler. Und so ist der Tango T600 ein umweltfreundlicher Kleinstwagen. Mit nur einem Meter ist er extrem schmal, was ihm im dichten Stadtverkehr zugute kommt. Wenn der normale Autoverkehr steht, soll man sogar zwischen den Fahrzeugen hindurchfahren können wie ein Motorrad – lane splitting nennt das der Hersteller. Wegen der geringen Breite sitzen die zwei Passagiere hintereinander. Die Länge von 2,57 Meter ist etwa zehn Zentimeter geringer als bei einem Smart, sodass man auch in kleinste Parklücken hineinpasst.

... aber so sportlich wie eine Viper
Doch da Woodbury gelegentlich Rennen mit Porsche-Sportwagen fuhr, sollte der Tango sportliche Fahrwerte haben. So sprintet der Tango in etwa vier Sekunden auf Tempo 100 – das sind Werte, wie man sie von Motorrädern oder Supersportwagen kennt. Für den Antrieb sorgen zwei Elektromotoren an den Hinterrädern. Jeder von ihnen hat mehr Drehmoment als der Motor der Dodge Viper, die es auf 711 Newtonmeter bringt. Zur Leistung macht der Hersteller keine Angaben.

Anhänger mit Verbrennungsmotor und Generator
Als Energiespeicher gibt es serienmäßig Bleibatterien. Damit beträgt die Reichweite allerdings nur 80 Kilometer. Mit den optionalen Lithium-Ionen-Batterien sollen es etwa 250 Kilometer sein. Aufladen kann man das Elektromobil fast an jeder Steckdose – ein Adapter-Set wird mitgeliefert. An einer 200-Ampere-Ladestation dauert eine 80-Prozent-Ladung laut Hersteller nur zehn Minuten. Die Lösung für längere Strecken ist ein Verbrennungsmotor, der zusammen mit einem Generator Strom für den Elektroantrieb erzeugt. Statt die schwere Technik aber wie beim Chevrolet Volt ins Fahrzeug einzubauen, bietet Commuter Cars einen Anhänger an, der nur bei Bedarf mitgeführt werden muss – so wird das Auto zu einem Hybridfahrzeug.

Hohe Stabilität durch tiefen Schwerpunkt
Als Elektrofahrzeug ohne Anhänger wiegt der Tango T600 immerhin 1,5 Tonnen, also etwa soviel wie der viel größere VW Passat mit Dieselmotor – und das trotz ultraleichter Karbon-Fiberglas-Karosserie. Das hohe Gewicht kommt durch die beiden Elektromotoren, die Batterien und zusätzlichen Ballast zustande. Durch eine tiefe Anordnung der über 900 Kilo schweren Teile im Fahrzeugboden erreichen die Ingenieure eine gute Kurvenstabilität. Bei einer Breite von nur einem Meter und einer Höhe von stattlichen 1,52 Meter soll sich so eine bessere Stabilität ergeben als bei den meisten Sportwagen. Für Sicherheit sorgt außerdem ein Überrollkäfig, der die Insassen sogar bei über 320 km/h schützen soll.

So teuer wie eine Corvette
All das muss natürlich bezahlt werden, und so ist der Tango T600 beileibe nicht billig: Nicht weniger als 121.000 US-Dollar, umgerechnet etwa 85.000 Euro, werden schon für die Grundversion mit Bleibatterien berechnet. Damit ist das Auto etwa so teuer wie eine Corvette. Und für den happigen Preis erhält man nicht mal ein fertiges Auto, sondern nur ein Kit, mit dem man sich den Tango zusammenbauen kann. Wer weniger ausgeben will, der kann auf den günstigeren Tango 200 warten, der wohl weniger Leistung bieten wird.

Supersport-Kleinstwagen