Italiener bringen Erdgasantrieb für Nutzfahrzeuge

Woran denken Sie beim Stichwort Transporter? An große, stinkende Kastenwagen mit Diesel? Mit dem neuen Ducato Natural Power will Fiat mit diesem Vorurteil aufräumen und einen besonders sauberen Motor anbieten.

Erdgas an Bord
Fiat ergänzt die bislang nur aus Dieseln bestehende Motorenpalette des Ducato um eine Benziner-Variante, die auf den monovalenten Betrieb mit Erdgas ausgelegt ist. Die neue Otto-Maschine im Ducato stammt aus dem Konzernbaukasten: Der Dreiliter-Vierzylinder mit Turboaufladung und einer Leistung von 136 PS verrichtet seinen Dienst bereits im Iveco Daily. Dort beträgt die Reichweite bis zu 500 Kilometer, einen Benzintank gibt es nicht. Zurück zum Ducato: Hier haben die insgesamt fünf unter dem Fahrzeugboden montierten Gastanks eine Kapazität von 370 Kilogramm, was 220 Liter entspricht. Damit kommt der Fiat-Laster rund 400 Kilometer weit. Ein manuelles Umschalten auf Benzinbetrieb ist nicht möglich. Nur wenn der Gasvorrat aufgebraucht ist, wird quasi als ,Rettungsanker" automatisch auf den 15 Liter Benzin fassenden Tank umgeschaltet. Damit sind etwa 100 Kilometer Fahrt zur nächsten Erdgastankstelle möglich.

Seitenhieb gegen Mercedes
Fiat wird nicht müde zu betonen, das es sich beim Ducato Natural Power um eine komplette Werkslösung handelt. Einzig weiterer Anbieter im Transporter-Bereich neben Fiat und Iveco ist Mercedes. Dort arbeitet der 156 PS starke Sprinter NGT allerdings nur bivalent, beide Tanks sind gleich groß. Dadurch sieht sich Fiat im Vorteil, denn der monovalente Sprinter ist erst in Kürze auf den Markt kommen. Auch einen weiteren Seitenhieb gibt es aus Turin: Der Ducato läuft vom Start weg mit Erdgas, während der Mercedes zunächst mit Super betrieben wird.

Erdgas in der Praxis
Wir konnten uns für eine kurze Ausfahrt hinter das Ducato-Lenkrad begeben und waren angenehm überrascht: Das Erdgasmodell zieht spritzig weg und bleibt dabei angenehm laufruhig. Erst in den beiden höchsten Stufen des serienmäßigen Sechsgang-Getriebes verliert der Motor etwas an Schwung. Die nackten Daten bestätigen unseren Eindruck: Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmeter liegt bereits bei 1.500 Umdrehungen an, bereits nach 13,9 Sekunden steht Tempo 100 auf dem Tacho. Je nach Dachausführung ist spätestens bei 159 km/h die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Gut für die Umwelt
Im Durchschnitt soll der Fiat Ducato Natural Power 8,8 Kilogramm Erdgas verbrauchen. Besonders hervorgehoben wird der Umweltaspekt des Transporters. Der CO2-Ausstoß liegt rund 25 Prozent niedriger als bei normalem Benzinbetrieb und 15 Prozent unter einem Diesel. Zudem produziert das Gasaggregat rund 70 Prozent weniger Stickoxide als ein Diesel. Momentan erfüllt das Triebwerk die Euro-4-Abgasnorm, ab Herbst 2009 auch Euro 5. Damit habe der Ducato Natural Power Vorteile für Umweltzonen.

Große Variantenvielfalt
Die Ladekapazität des sauberen Ducato beträgt je nach Aufbau bis zu 15 Kubikmeter. Hinsichtlich der Karosserievarianten ist die Auswahl groß: Angeboten wird der Kastenwagen verblecht, verglast und teilverglast und als reines Fahrgestell mit Fahrerkabine und Flachboden. Für den Personentransport stehen ein Kombi, der Luxusbus Panorama und der Minibus zur Verfügung. Der Kunde kann zudem zwischen zwei Karosserielängen und zwei Dachhöhen wählen. Nur den Kurz-Ducato mit drei Meter Radstand und den Pritschenwagen gibt es nicht mit Erdgas, da dort der Platz für die Tanks fehlt. Ordentlich ist die Serienausstattung des Natural Power, die unter anderem ESP und elektrische Fensterheber umfasst.

Kein billiges Vergnügen
Im Preisvergleich mit dem stärksten Diesel, der 157 PS leistet und unter der Bezeichnung ,160 Multijet Power" firmiert, zeigt sich, das Fiat sich die Erdgastechnik teuer vergüten lässt. So kostet der Ducato Natural Power als Kastenwagen 35 mit 3,45 Meter Radstand und Flachdach stolze 37.247 Euro, während es beim Diesel 31.892 Euro sind. Der Aufpreis beträgt beachtliche 5.355 Euro. Immerhin: Der bivalente Mercedes Sprinter ist mit 42.578 Euro für die Kastenwagen-Version nochmals deutlich teurer. Fiat formuliert sein Absatzziel trotzdem bescheiden: Rund 500 Stück des Erdgas-Transporters sollen in einem Jahr unter die Leute gebracht werden. Die Kundschaft sieht das Unternehmen bei Kommunen, Gasversorgern, aber auch Paketdiensten. Im Lauf der nächsten Monate kommen weitere Gas-Transporter, die aber im Gegensatz zum Ducato ohne Turbo auskommen müssen: im Herbst 2009 der Fiorino Natural Power und Anfang 2010 der neue Doblò Cargo mit Erdgasantrieb.

Sauberer Laster