Altes Layout und neue Ziele: Dem Wagen sollen 2,1 Liter Sprit reichen

2,3 Liter Sprit pro 100 Kilometer haben dem Avion im Schnitt gereicht auf seiner Strecke von der mexikanischen Grenze bis in die kanadische Provinz British Columbia. Das war 1986. Der aerodynamische Leichtbauwagen war damals seiner Zeit weit voraus – vor über 20 Jahren krähte in den USA kein Hahn nach Sprit sparenden Fahrzeugen. Deshalb wurde aus einer Kleinserienfertigung des Avion nichts. Nun sieht Avion-Chef Craig Henderson die Zeit gekommen: Mit einem leicht aufgefrischten Modell will er einen sparsamen Sportwagen unters Volk bringen – und den Spritsparwettbewerb Automotive X Prize gewinnen.

Leicht und aerodynamisch
Extrem leicht und ausgesucht windschlüpfig sollte er sein: der Avion des Jahres 1984, mit dem zwei Jahre später die Spar-Rekordfahrt absolviert wurde. Damals wurde das Fahrzeug aus recycelten Materialien vom Schrottplatz hergestellt, für den Vortrieb sorgte ein altes VW-Aggregat. Die Form und das Mittelmotor-Layout sind geblieben. Heute besteht der Wagen aus einem Aluminium-Spaceframe, der vorne und hinten mit Stahl verstärkt wurde. Darüber liegt die Karosserie aus leichten Materialien wie Composite-Werkstoffen, Kevlar und Fiberglas. Die Außenhaut des Avion ist vernietet und verklebt, laut Hersteller ähnelte der Konstruktionsprozess eher der Entwicklung eines Klein-Flugzeugs denn der eines Autos.

Jetzt mit Smart-Diesel
Wie uns Henderson auf Anfrage mitteilt, soll beim neuen Avion ein Smart-Dieselmotor zum Einsatz kommen. Das Dreizylinder-Aggregat leistet bei 3.800 U/min 45 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 110 Newtonmeter bei 2.000 U/min. 3,4 Liter Diesel verbraucht ein Smart Fortwo Coupé auf 100 Kilometer, wenn es mit dieser Motorisierung unterwegs ist – dabei stößt es den Minusrekord für Serienfahrzeuge von 88 Gramm CO2 pro Kilometer aus (Herstellerangaben). Im Avion wird das zweiventilige 0,8-Liter-Triebwerk quer hinter den beiden Sitzen eingebaut – ein klassisches Mittelmotor-Konzept, was zu einer guten Gewichtsverteilung führen soll. Laut Henderson war bei einer ersten, 433 Kilometer langen Testfahrt durch den US-Bundesstaat Washington ein Verbrauch von 2,1 Liter pro hundert Kilometer drin – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 89 km/h (55 Meilen pro Stunde, US-Highway-Geschwindigkeit).

Werte enorm verbessert
Der Diesel-Smart beschleunigt von null auf 100 km/h in nicht enden wollenden 19,8 Sekunden. Der Avion soll den Spurt auf 96 km/h (60 Meilen pro Stunde) in zirka neun Sekunden abreißen – eine enorme Verbesserung gegenüber dem deutschen Stadtflitzer. Aber der Smart wiegt auch 845 Kilogramm, wobei der Avion inklusive vollem 19-Liter-Diesel-Tank nur 658 Kilogramm auf die Waage bringt, also 187 Kilogramm leichter ist. Der Ami-Sportler ist zwar deutlich größer als der Smart, aber für amerikanische Verhältnisse doch eher klein: 4,42 Meter lang, 1,60 Meter breit und 1,09 Meter hoch. Mit einer Tankfüllung soll der Avion ungefähr 805 Kilometer weit kommen. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Henderson für seinen spritsparenden Sportler 161 km/h an.

Handarbeit für die Kleinserie
Der nach Herstellerangaben sehr steife Avion soll später mal in aufwendiger Handarbeit gefertigt werden. Wann die Kleinserienproduktion anläuft und was ein Avion dann kosten wird, ist noch nicht bekannt. Zuerst soll der mit Scherentüren, Scheibenbremsen und Zahnstangenlenkung ausgerüstete Wagen erstmal im Jahr 2010 am Automotive X Prize teilnehmen und dort 2,5 Millionen Dollar Siegprämie in der Alternativ-Klasse für zweisitzige Fahrzeuge mit Side-by-Side-Sitzkonzept abräumen.

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