Der sportliche Japaner wurde gründlich überarbeitet

Eine Zeit lang war es nicht klar, ob der bereits im Januar 2009 vorgestellte neue Mazda RX-8 überhaupt nach Europa kommt. Jetzt ist die Entscheidung zugunsten der hiesigen Wankel-Fans gefallen: Auf der IAA (17. bis 27. September 2009 in Frankfurt am Main) stellt sich der Wagen dem prüfenden Blick des Publikums. Schon jetzt ist das geliftete Modell bestellbar, wir konnten uns bereits einen ersten Eindruck verschaffen.

Auf Präsenz getrimmt
Optisch kommt der neue RX-8 deutlich bulliger daher: Breite Xenon-Scheinwerfer, auf doppelte Größe anschwellende Ölkühler-Luftöffnungen rechts und links sowie ein neu gezeichneter Frontschweller prägen das Antlitz des Japaners. Die erweiterten Lüftungslöcher helfen, das Öl im Volllastbetrieb um sechs Grad kühler zu halten als bisher. Zeitgemäß strahlen die Rückleuchten jetzt mit LEDs, der Heckspoiler wuchs in die Höhe und zwei größere Endrohre schicken ihren Gruß auf die Straße. Laut Mazda-Vertriebschef Thomas Rothe steht die Mehrheit der RX-8-Fans auf die auffällige Sportlichkeit. Allerdings verliert der Wankel-Mazda durch die Kriegsbemalung etwas von seinem bislang ansprechend schlichtem Design, wie wir finden.

Geteiltes Europa
In Ländern wie Österreich oder Großbritannien wird die Facelift-Version nicht auf den Markt kommen. Anders in Deutschland, wo sich eine eingeschworene Wankel- und RX-8-Fangemeinde befindet. Genau an diese Menschen richtet man sich mit dem überarbeiteten Wagen, der übrigens nicht beworben wird. Schließlich ist Deutschland das Heimatland von Felix Wankel und der RX-8 das Zuckerstückchen der Marke Mazda. Schon jetzt werde das Facelift gut angenommen, einen zusätzlichen Schub erhofft man sich von der IAA, verrät Rothe.

Kabine aufgewertet
Im Innenraum des RX-8 will Mazda einen höherwertigen Eindruck hinterlassen. So wurden die Oberflächen überarbeitet und die sonst bei den RX-8-Sondermodellen vorhandenen schwarzen Klavierlack-Applikationen in Mittelkonsole und Lenkrad kommen jetzt serienmäßig in den Wagen. Gut gefällt uns das neue Multifunktionslenkrad mit drei Speichen. Allerdings müssen groß gewachsene Menschen etwas länger nach einer bequemen Sitzposition fahnden. Die Sicht durch die kleinen hinteren Scheiben ist mäßig. Unverändert bleibt das geniale Türprinzip mit den gegenläufig öffnenden Portalen. Neu: Der rote Bereich des Drehzahlmessers ist variabel ausgelegt, wandert also bei wärmerem Motor in höhere Regionen. Bekannt ist diese Technik beispielsweise vom BMW M5. Als Ausstattung sind Recaro-Sportsitze vorne, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein Licht- und Regensensor, ein AUX-Anschluss und eine Bose-Soundanlage mit dabei. Zudem kostet eine Metalliclackierung keinen Aufpreis.

Lenkung und Dämpfung aufgefrischt
Um das Fahrverhalten des RX-8 zu verbessern, wurde die Karosserie des Wankel-Wagens versteift: Laut Mazda steigt die Verwindungssteifigkeit um 5,4 und die Biegesteifigkeit um 8,7 Prozent. Dafür zuständig ist unter anderem eine Domstrebe über der Vorderachse. Bilstein-Stoßdämpfer sollen für eine konstantere Dämpfung gut sein. Ein direkteres Lenkgefühl wird laut Mazda durch einen modifizierten vorderen Hilfsrahmen erreicht, so wurde die Verwindungssteifigkeit der Kardanwelle um rund 30 Prozent gesteigert. Neu designte 19-Zoll-Alufelgen mit einer 225/40-R19-Bereifung stellen den Kontakt zur Straße her.

Endlich: Ergonomischer Ölmessstab
Die Leistungswerte des Wankelmotors bleiben gleich: 231 PS und 211 Newtonmeter Drehmoment sorgen für eine Höchstgeschwindigkeit von 234 km/h, der Sprint auf Tempo 100 ist in 6,4 Sekunden erledigt. Kleinere innermotorische Maßnahmen sollen aber die ohnehin prächtige Drehfreudigkeit des Kreiskolben-Aggregats erhöhen. So wurden die mechanischen Ölpumpen gegen elektromagnetische ausgetauscht. Und eine Änderung wird RX-8-Freunde aufatmen lassen: Das Ende des Ölmessstabs ist gut greifbar nach oben auf die Motorabdeckung gewandert. Bisher saß das Messgerät seitlich neben dem Motor, versteckt unter einem Wust von Kabeln und Schläuchen. Ein Ärgernis bei einem Fahrzeug, wo bei jedem Tankstopp eine Kontrolle des Ölstandes angesagt ist, schließlich dürstet dem Wankel-Mobil alle 1.000 Kilometer nach einem halben Liter des schwarzen Goldes. Nun muss auf der großen Plastikabdeckung, die den Blick auf das Kreiskolbenaggregat verdeckt, nur eine Klappe geöffnet werden, um den Stab herauszuziehen.

Neues Getriebe
Die Kräfte des RX-8 werden nach wie vor mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe eingeteilt. Aber dieses Getriebe ist komplett neu. Ursprünglich für die dritte Generation des MX-5 entwickelt, haben die Mazda-Ingenieure das Räderwerk an den Wankelmotor angepasst. Alle sechs Gänge sind kürzer als bisher übersetzt. Mazda verspricht jedenfalls in Sachen Vorwärtsgänge bessere Durchzugswerte.

Lust auf Drehzahl
Bei einer ersten Ausfahrt stellen wir fest, dass sich am grundsätzlichen Charakter des RX-8 nicht viel geändert hat. Nach wie vor fehlt dem Wankelmotor konstruktionsbedingt der Biss von unten heraus. Langsam ist der Mazda deswegen aber nicht, in nur 6,4 Sekunden stehen Tempo 100 auf dem Digitaltacho. Es ist die Art der Kraftentfaltung, welche den richtigen Fahrertyp fordert. Im RX-8 geht es gleichmäßig und leise voran, wobei der Grundton des Motors mit einem dunklen Sirren am besten beschrieben werden kann. Die Kreiskolben unter der Haube wollen mit Drehzahlen gefüttert werden und zwar vielen Umdrehungen. Anders gesagt: Selbst bei Tempo 140 im vierten Gang des knackigen Getriebes ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Das kommt erst bei zwischen 9.000 und 9.500 Umdrehungen und macht sich durch ein leichtes Zirpen als Warnton bemerkbar.

Nur in der Top-Ausstattung
Wer das Erbe von Felix Wankel fortführen will, hat beim neuen RX-8 keine Wahl: In Deutschland lässt sich nur die Topausstattungsvariante mit 231-PS-Motor ordern. Das so genannte Sports-Line-Modell schlägt mit 38.180 Euro zu Buche und kann ab sofort bestellt werden. Sonderausstattungen gibt es bei dem All-Inclusive-Sportler übrigens keine, ein Navigationssystem muss nachgerüstet werden. Freunde der rotierenden Kreiskolben sollten sich aber sputen: Im Oktober 2010 könnte zumindestens in Deutschland die Zeit für den RX-8 abgelaufen sein, denn dann dürfen keine Neuwagen mit Euro-4-Norm mehr verkauft werden. Die Umstellung auf Euro-5 wäre zu aufwendig, zumal der Nachfolger mit Benzindirekteinspritzer-Wankel (Projektname 16X) bereits für 2012 angekündigt ist.

Bildergalerie: Gestraffter Wankel-Erbe