Wir waren beim 1. Internationalen Mazda-Cosmo-Treffen zu Gast

Zeit seines kurzen Lebens blieb er ein seltenes Stück: Vom Mazda Cosmo Sport mit Wankelmotor wurden zwischen 1967 und 1972 gerade einmal 1.176 Stück gebaut. Hierzulande sind die kleinen Coupés fast unbekannt, schließlich wurden sie nur in Japan verkauft. So ist für alle Wankel-Liebhaber das, was sich vom 10. bis zum 15. August 2009 auf dem Hof des Mazda-Händlers Frey in Gersthofen bei Augsburg versammelt hatte, ein wahrer Genuss. Fein säuberlich erwarteten uns dort in Reih und Glied 14 der seltenen Cosmo Sport.

Japaner mit italienischem Antlitz
Noch liegt morgendliche Stille über dem Gelände, so können wir die Gelegenheit nutzen, uns die Cosmo-Mazdas näher anzusehen. Auf den ersten Blick wirkt die flache Karosserie mit dem etwas zu lang geratenem Heck etwas seltsam, doch bei genauerem Hinsehen denken wir: Gut gelungen für einen Japaner aus dieser Zeit. Schließlich neigten Nippons Ingenieure damals eher zur Miniaturisierung von US-Karossen. Wir müssen uns tief bücken, um einen Blick durch die Seitenscheibe werfen zu können und sehen ein auffallend ergonomisches Cockpit mit vielen Rundinstrumenten und einem großen Dreispeichenlenkrad. Allzu groß sollten die beiden Passagiere nicht sein, doch immerhin sie dürfen immerhin auf kariertem Stoff Platz nehmen. Der Schaltstummel, mit dem das Viergang-Getriebe bedient wird, erinnert an den Joystick des ersten Mazda MX-5.

Quer über den Ozean
Der Grund für die Anwesenheit der kleinen Japaner ist das erste internationale Cosmo-Treffen. Eigens für diesen Zweck trat eine Gruppe von besagten 14 Autos die weite Reise von Japan nach Europa im Bauch eines Mazda-Transportschiffs an. Für die Besitzer der Fahrzeuge kein einfacher Schritt, schließlich mussten sie ihr Schätzchen für Wochen weggeben. In Deutschland angekommen, wurde aus Versicherungsgründen erstmal ein hiesiges Kurzzeitkennzeichen über die japanischen Nummernschilder montiert. Während des fünftägigen Treffens stand für die Cosmo-Freunde ein dichtes Programm an, unter anderem ein Besuch beim Zweiginstitut Felix Wankels im schweizerischen Rorschach und natürlich ein Trip zu Schloss Neuschwanstein.

Der Sound der kreisenden Kolben
An diesem Morgen biegen die ersten Shuttlebusse auf den Parkplatz und bringen die Cosmo-Eigner. Fast alle sind mit ihren Ehepartnern gekommen. Interessanterweise ist der Altersdurchschnitt gut gemischt. Sofort wird poliert und gewienert was das Zeug hält, sogar der Motorraum. Eine gute Gelegenheit, um einen Blick auf das Teil zu werfen, was einst NSU in Rage brachte. Der Zweischeiben-Wankel ist mit einem Vierfach-Vergaser von Hitachi und Doppelzündung für jeden Läufer (das Pendant zum normalen Kolben) ausgerüstet. Trotzdem nimmt das Aggregat nur wenig Platz unter der Haube ein und verliert sich fast im Motorraum. Umso erstaunlicher sind die Leistungsdaten: 110 PS bei 7.000 Umdrehungen und eine Spitze von 185 km/h. Einige der Cosmo-Piloten lassen ihre Maschinen an: Das typische Wankel-Sirren vermisst man, es tritt zugunsten eines heiseren Brabbelns in den Hintergrund.

Pionier mit zwei Scheiben
Genau jener Motorsound sorgte anno 1967 für Zoff zwischen Mazda und NSU. Die Wankel-Pioniere aus Neckarsulm wollten mit dem Ro 80 auf der IAA glänzen, dem ersten Serienauto mit Zweischeiben-Kreiskolbenmotor unter der Haube. Und dann das: Ein halbes Jahr vorher zeigt Mazda den Cosmo Sport – auch mit zwei rotierenden Scheiben! Dabei forschten die Japaner zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre an dem vermeintlichen Aggregat der Zukunft. Zwar wird der Ro 80 trotzdem zum Star der IAA 1967 (von der man Mazda fernhält), doch man war nur die Nummer zwei. Gut 42 Jahre später ist NSU längst Geschichte, einzig bei Mazda rotieren die Kreiskolben immer noch.

Unscheinbares Wankel-Eldorado
Auf geht es zum zweiten Tagesordnungspunkt, wir besuchen die Oldtimersammlung von Walter Frey. Den Cosmo-Modellen fährt ein nagelneuer Facelift-RX-8 zur Orientierung voran, denn das Ziel befindet sich im kleinen Dorf Heretsried, rund 20 Minuten von Gersthofen entfernt. Hier hat Frey mit seinen Söhnen nicht nur fünf oder sechs alte Autos zusammengetragen: Beim Betreten der Halle steht dem Besucher der Mund offen. Hier gibt es so gut wie alles, was jemals mit Wankelmotor angetrieben wurde. Sei es ein Wasserski-Schleppgerät, diverse Motorräder oder sogar ein Flugzeug, bei Frey bleibt kein Wunsch offen.

Die rollende Mauritius
Den Kern der Sammlung bilden allerdings die rund 160 Autos (!), welche sich in zwei Hallen auf zwei Ebenen verteilen. Wir entdecken auch Oldies wie einen Messerschmitt Kabinenroller oder diverse Alt-Opel. Doch die Highlights sind knapp 45 Fahrzeuge mit Wankelmotor mit Schwerpunkt Mazda. Darunter sind Preziosen wie der ultrarare Roadpacer und zwei Wankel-Pickups. Zu den weiteren Knüllern zählt ein Lada der russischen Autobahnpolizei mit kreisenden Kolben. Am besten lässt sich die unfassbare Frey-Sammlung mit einem Vergleich umschreiben: Stellen Sie sich einen Briefmarkensammler vor, der fünf blaue Mauritius besitzt.

Es wankelt weiter
Leicht benommen von der puren Masse an seltenen Autos begeben wir uns nach draußen. Im Gedächtnis rufen wir ab, welche Wankel-Autos noch fehlen könnten und vermissen zwei Modelle: die berühmte Mercedes-Studie C 111 und der Mazda-Wankel-Bus mit 26 Plätzen. Ziele bleiben dem Extremsammler also noch. Derweil sehen wir die Facelift-Version des RX-8 bei strahlendem Sonnenschein auf den Parkplatz fahren. Vermutlich schaut Felix Wankel, der selbst ernannte ,Langstreckendenker", gerade stolz aus dem Erfinderhimmel auf uns.

Japanischer Wankel-Gipfel