Wissenswertes über den Saab-Retter

Sowohl General Motors als auch die Saab-Fans atmen auf: Die schwedische Automarke scheint endgültig gerettet zu sein. Neuer Herr im Haus ist das Unternehmen Spyker, ein Name, der vielen unbekannt ist.

Hilfe vom schwedischen Staat
Spyker hat für die Aktienmehrheit bei Saab 74 Millionen US-Dollar an General Motors bezahlen müssen. Davon müssen 50 Millionen bis zum 15. Februar 2010 nach Detroit überwiesen werden, die restlichen 24 Millionen folgen am 15. Juli 2010. Für einen Kredit in Höhe von 400 Millionen Euro bürgt die schwedische Regierung. Mit dem Geld sollen die Löhne der Saab-Beschäftigten gesichert werden, jedoch muss dem noch die Europäische Kommission zustimmen. Im Jahr 2009 waren die Saab-Verkäufe dramatisch eingebrochen: 39.903 Fahrzeuge stehen einer Zahl von 94.751 im Jahr 2008 gegenüber. Die Spyker-Stückzahlen bewegen sich hingegen im zweistelligen Bereich. Interessantes Detail am Rande: Seit 2005 ist das Emirat Abu Dhabi in Form einer staatlichen Investmentfirma an Spyker beteiligt.

Wer ist Spyker?
Doch wer ist nun eigentlich Spyker? Selbst Autokenner müssen hier länger überlegen. Die Ursprünge liegen in Amsterdam. Dort bauten die Brüder Jacobus und Hendrik-Jan Spijker, gelernte Kutschenbauer, ihr erstes Motorfahrzeug mit einem Benz-Aggregat. Schon bald wechselte man vom Kutschen- zum Autobau, daher wurde der Nachname in ,Spyker" geändert, was gerade im Ausland leichter zu merken war. 1903 überraschte Spyker mit dem 60/80 HP: Das Fahrzeug besaß neben einem Sechszylindermotor, auch einen permanenten Allradantrieb und Bremsen an allen Rädern. Ein weiteres Highlight war ein Chassis, mit dem das Auto weniger Staub auf den damals noch unbefestigten Straßen aufwirbelte. Höhepunkt war 1907 der zweite Platz eines Spyker 14/18 HP Tourer bei der mörderischen Rallye Peking-Paris. In Großbritannien wurden die Fahrzeuge aus Holland als ,Rolls-Royce des Kontinents" gelobt.

Comeback nach sieben Jahrzehnten
Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 brach die Nachfrage nach Luxusautos zusammen, Spyker baute Kampfflugzeuge. Zeitgleich entstand der noch heute gebrauchte lateinische Slogan der Marke: ,Nulla tenaci invia est via", übersetzt: Für den Beharrlichen ist keine Straße unpassierbar. Dazu kam das Firmenlogo als Kombination aus einem Speichenrad und einem Propeller. Nach dem Krieg brachte Spyker den noblen C4 auf den Markt, dessen Motor Wilhelm Maybach entwickelt hatte. Doch es nutzte nichts, im Jahr 1925 musste Spyker aufgeben. Erst 75 Jahre später, im Herbst 2000, wurde wieder ein Auto mit dem Traditionsnamen vorgestellt, der Spyker C8 Spyder. Es folgten die geschlossene Version C8 Laviolette sowie der C12 LaTurbie und die SUV-Studie D12 Peking-to-Paris. Beide Zwölfender sind mit dem Sechsliter-W12 aus dem VW-Konzern bestückt. Jüngstes Produkt ist der 2009 gezeigte C8 Aileron, den es mittlerweile auch als offenen Spyder gibt. Beim Aileron kommt ein Audi-V8 mit 4,2 Liter Hubraum zum Einsatz, die Preise des hangearbeiteten Flitzers beginnen bei mindestens 226.088 Euro.

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