Late Night Gala zur Premiere des neuen VW Touareg

Toyota, momentan der größte Autohersteller der Welt, kämpft mit massiven Imageproblemen. Andere Autohersteller kämpfen ums blanke Überleben. Und VW sonnt sich im Erfolg, powert aus allen Rohren. So wird der neue Touareg im Rahmen einer riesigen Late Night Show vorgestellt, ein enormer Promi-Auftrieb soll den festlichen Eindruck verstärken. Mittendrin, zurückhaltend und freundlich: der allmächtige VW-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piëch mit seiner Frau Ursula. Artig daneben: der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Showmaster Thomas Gottschalk führt durch den Abend in der Münchner ,Alten Post", lenkt die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich, den Touareg und ein paar Showeinlagen.

Sandkunst und Schaumstoff-Stämme
Als Erstes kickt Tommy Gottschalk einen fetten Baumstamm von der Bühne, der sich als Schaumstoff-Imitat entpuppt. Gottschalk dazu: ,VW baut echte Autos, andere eher nicht." Dann erwähnt er noch, dass einer der ersten Gäste seiner längst vergessenen Show ,Late Night" Ferdinand Piëch war und kündigt die ukrainische Sand-Künstlerin Kseniya Simonova an. Diese zaubert mit Sand auf einer von unten beleuchteten Glasplatte Szenen von der Rallye Paris-Dakar an die Leinwand. Der Sand rieselt, Landschaften entstehen und Frau Simonova will einfach nicht mehr aufhören. Eine gefühlte Ewigkeit später ist die Pulver-Virtuosin fertig und das Publikum pappensatt von den vielen sandigen VW-Symbolen.

Garrett fiedelt
Als Nächstes gibt der deutsch-amerikanische Violonist David Garrett eine Probe seines Könnens zum Besten. Gottschalk nennt den laut Guinness-Buch der Rekorde schnellsten Geiger der Welt einen ,Teufelsgeiger" – wie viele Teufelsgeiger verträgt dieser Planet eigentlich? Jedenfalls sind die Jüngeren im Publikum begeistert, die älteren Herrschaften glauben, dass der Mann beim Improvisieren von klassischer Musik nicht alle Töne exakt trifft.

Mittermeier reißt es raus
Aber dann mischt Komiker Michael Mittermeier die Gäste auf. Da er früher in New York als Stand-up Comedian seine ersten Meriten verdient hat, zieht er seine Show in Englisch durch. Und er haut richtig rein: ,Der Unterschied zwischen VW und GM? VW baut Autos." Mittermeier erzählt, dass er in Österreich und der Schweiz gerne zum Besten gibt, dass er sich tierisch über mit 200 km/h auf der linken Spur schleichende Autofahrer aufregt. Dann ergötzt er sich an den traurigen Gesichtern der Österreicher (Autobahn-Maximalgeschwindigkeit 130 km/h) und Schweizer (maximal 120 km/h). Und auch zur Papstwahl hat er was parat: Der schwarze Rauch, der nach einem ergebnislosen Wahlgang aus dem Schornstein der sixtinischen Kapelle aufsteigt, entstehe, weil in der Kapelle die Wahlteilnehmer ganz entspannt schwarzen Afghanen kiffen. Interessant zu sehen: Viele der in dunkle Anzüge gekleideten Anwesenden trauen sich nicht, richtig zu lachen oder zu klatschen – gucken lieber erstmal, was der Nachbar so macht.

Heinze und Kretschmann
Dann nehmen die deutschen Schauspieler Thomas Heinze (Zweiohrküken) und Thomas Kretschmann (Walküre) bei Gottschalk Platz und erzählen was über Autos von VW. Wahnsinn. Und als der Showmaster die drei Dakar-Siegerteams, alle von VW, auf die Bühne bittet, hat er auch noch einen Witz parat: ,Ich hätte dieses Jahr auf Toyota getippt, Du gibst einmal Gas und bleibst nicht mehr stehen." Okay, irgendwo in Deutschland ist jetzt Karnevals-Zeit. Taataa.

Experten und C-Promis
Endlich kommen die Experten zu Wort. Der VW-Leiter Gesamtfahrzeug-Entwicklung Dr. Harald Ludanek meint: "Der neue Touareg ist technisch der innovativste VW seit Bestehen der Marke." Dann fährt Walter de'Silva, bei Volkswagen für das Design verantwortlich, den Touareg Hybrid auf die Bühne und wir sind froh, dass es endlich soweit ist. Die Massen strömen zu den Autos, unter ihnen unzählige C-Promis. Wer tagsüber arbeitet und abends nicht die einschlägige Yellow Press oder entsprechende TV-Sendungen konsumiert, kann kaum einen von denen kennen.

Ist VW aufzuhalten?
Der neue Touareg ist schick, leicht und er verbraucht deutlich weniger als sein Vorgänger. Fährt er sich auch noch gut, ist VW im SUV-Segment weiterhin sehr gut aufgestellt. Piëch schmunzelt über die Witze, liefert sein Quantum an Applaus. Ob er was für die Show-Acts übrig hat, wissen wir nicht. Aber was ihn wirklich interessiert, ist Toyota. Die Japaner spüren seinen heißen Atem im Nacken – unbedingt will Piëch mit dem Volkswagen-Konzern die weltweite Nummer 1 der Autobranche werden. Er zeigt, was seine Firma sich anlässlich der Präsentation eines überarbeiteten Autos leisten kann. Er ist auf dem besten Weg.

Piëchs heißer Atem