Konzeptfahrzeug zeigt die Möglichkeiten der Hybridtechnik

Mit einer faustdicken Überraschung im Gepäck reist BMW zur IAA nach Frankfurt (17. bis 27. September 2009). Bei den Münchnern heißt der Star auf dem Messestand ,Vision Efficient Dynamics". Dahinter verbirgt sich eine aufregende Studie mit maximalem Sparpotential.

Kreuzung aus Sportler und Kleinwagen
Mit dem Konzeptfahrzeug möchte BMW die Entwicklungs-Möglichkeiten der bekannten Efficient-Dynamics-Strategie darstellen. So will man ausgeprägte Sparsamkeit mit der markentypischen ,Freude am Fahren" kombinieren. Im Klartext: Wildlachs statt Müsli, oder wie BMW meint, die Dynamik eines M-Modells mit dem Verbrauch eines modernen Kleinwagens. Schon optisch untermauert der Wagen diesen Anspruch: 4,60 Meter lang und 1,90 Meter breit, aber nur 1,24 Meter hoch kommt das Fahrzeug daher, gewisse Ähnlichkeiten mit der Studie M Concept sind unverkennbar. Der Luftwiderstandsbeiwert beträgt nur 0,22. Absoluter Hingucker sind die seitlich nach oben öffnenden Türen, mit deren Hilfe auch die Fondpassagiere bequem zusteigen können sollen. Allerdings hält sich die Zuladung mit 445 Kilogramm in Grenzen. Mit 150 Liter ist auch der Kofferraum im Normalzustand knapp bemessen, doch können die Lehnen einzeln umgeklappt werden.

High-Tech an Bord
Der zweite wichtige Punkt nach dem Design ist natürlich die Technik. Und davon ist reichlich da, denn trotz Leichtbaus bringt die BMW-Studie immer noch 1.395 Kilogramm auf die Waage. Der 2+2-Sitzer ist als Plug-in-Fahrzeug mit Vollhybrid-Technik konzipiert. Den Antrieb übernimmt eine Kombination aus einem sparsamen Downsizing-Diesel mit je einem Elektromotor an der Vorder- und der Hinterachse. Die Gesamtsystemleistung beträgt 262 Kilowatt entsprechend 356 PS. Das maximale Drehmoment wird mit 800 Newtonmeter angegeben. So soll eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden möglich sein, die Spitze wird bei 250 abgeregelt.

Kleiner Diesel mit Zukunft
Als Verbrennungsmotor dient ein 1,5-Liter-Diesel mit Common-Rail-Technik, der in der Studie erstmals gezeigt wird. Er holt 163 PS und 290 Newtonmeter aus nur drei Zylindern. Die Power des Selbstzünders wird über ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen auf die Hinterachse übertragen. Sehr wahrscheinlich ist der Einsatz dieses Diesels bereits in naher Zukunft bei den Nachfolgern von 1er und 3er.

Zweimal Elektro, bitte!
An der Hinterachse kommt ein Vollhybridsystem zum Einsatz, das auf der Technik des Hybrid-7ers basiert. Im Betrieb als Elektromotor leistet die zwischen Verbrennungsmotor und Getriebe positionierte Maschine dauerhaft 25 Kilowatt respektive 34 PS. Kurzfristig sind bis zu 38 Kilowatt drin. Das maximale Drehmoment beträgt 290 Newtonmeter. Je nach Fahrsituation wird die Kraft zum rein elektrischen Fahren oder zur Unterstützung des Verbrennungsmotors genutzt. Im Schubbetrieb wird Energie zurückgewonnen. Ein zweiter Elektromotor wirkt auf die Vorderachse. Dieses als Hybrid-Synchronmotor ausgelegte System stellt eine Dauerleistung von 60 Kilowatt (81 PS) und ein Drehmoment von 220 Newtonmeter zur Verfügung. 30 Sekunden lang können 84 Kilowatt, rund 10 Sekunden lang 104 Kilowatt abgerufen werden. Die Kraftübertragung erfolgt über ein zweistufiges Untersetzungsgetriebe.

Energie an Bord
Die BMW-Studie kann rein elektrisch, nur mit Diesel oder im kombinierten Betrieb bewegt werden. Je nach Fahrsituation werden die E-Motoren zur Energierückgewinnung genutzt. Die Energiespeicher sind in einem zentral längs verlaufenden Chassiselement untergebracht. Den vorderen Bereich nimmt ein Lithium-Polymer-Komplex ein. An Bord des Fahrzeugs sind insgesamt 98 Lithium-Polymer-Zellen verbaut. Jede einzelne hat eine Kapazität von 30 Ah und kann bei einer Spannung von 3,7 Volt kontinuierlich 600 Ampere abgeben, kurzfristig sind auch 1.200 Ampere möglich. Die Bruttospeicherkapazität des Akkus liegt bei 10,8 Kilowattstunden. Bei einer überdurchschnittlich hohen Entladefähigkeit von 80 Prozent stehen 8,6 Kilowattstunden für den Antrieb zur Verfügung. Insgesamt wiegt der Speicher 85 Kilogramm, auf eine aktive Kühlung wird verzichtet.

Tanken an der Steckdose
Um Strom zu zapfen, ist im vorderen rechten Kotflügel ein Plug-In-Anschluss installiert. Am Haushaltstromnetz mit 220 Volt Spannung soll der Ladevorgang maximal zweieinhalb Stunden dauern, mit 380 Volt verringert sich nach Angaben von BMW die Ladezeit auf 44 Minuten. Zusätzlich ist im hinteren Bereich des Chassistunnels ein Kraftstofftank montiert, der 25 Liter fasst. Mit der entsprechenden Menge Diesel beträgt die Reichweite der Studie im Verbrennungsbetrieb laut BMW 650 Kilometer. Ergänzt um die 50 Kilometer Reichweite im vollelektrischen Modus steigt der Radius auf 700 Kilometer.

Eine Frage des Verbrauchs
Nach den Kriterien des aktuell gesetzlich vorgeschriebenen EU-Testzyklus soll der Durchschnittsverbrauch 3,76 Liter Diesel auf 100 Kilometer betragen. Der entsprechende CO2-Ausstoß bei Dieselbetrieb liegt somit bei 99 Gramm pro Kilometer. Zur Ermittlung dieser Werte wird eine ausgeglichene interne Strombilanz zugrunde gelegt. Diese setzt voraus, dass die an Bord befindlichen Speicher für elektrische Energie bei Fahrtbeginn- und -ende in gleichem Umfang gefüllt sind und unterwegs nur durch die Bordsysteme aufgeladen werden. Den Stromverbrauch beziffert BMW auf 17,5 kWh pro 100 Kilometer. Daraus ergibt sich ein CO2-Wert von 50 Gramm pro Kilometer.

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