Nicht jedes Stoffverdeck darf in die Waschanlage

Cabrios mit Blechklappdach erobern zusehends den Markt. Doch die Puristen unter den Offenfahrern schwören auf das klassische Stoffverdeck – und pflegen das gute Stück entsprechend liebevoll. Aber machen sie's auch richtig? Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) gibt Tipps, worauf Cabriofahrer achten sollten.

Hochdruckreiniger sind tabu
Die Außenhaut der meist dreilagigen Cabrioverdecke verträgt Sonne und Regen ebenso wie Hitze und Kälte in der Regel problemlos. Doch egal, ob die schützende Außenschicht aus Kunststoffen wie PVC, Acryl, Polyacrlynitril (Dralon) oder aus Baumwoll-Mischgewebe gefertigt ist, die Experten der GTÜ warnen: Finger weg von Hochdrucklanzen am Autowaschplatz! Sie können bei unsachgemäßer Anwendung das weiche Dach aus geringer Entfernung regelrecht zerfetzen und die Imprägnierung von Textildächern schlagartig zerstören.

Schonende Trocken- und Nasskur
Wenn der Verdeckstoff nur verstaubt ist, reicht eine Trockenreinigung mit weicher Bürste und Staubsauger völlig aus. Wer sein Cabrio von Hand wäscht, darf dabei ruhig auch mal das Verdeck zur Schonung des Stoffs aussparen, rät die GTÜ. Wenn eine Feuchtreinigung unumgänglich ist, reibt man das Dach von vorne nach hinten mit klarem Wasser und einem weichen Schwamm vorsichtig ab.

Verdünntes Spülmittel hilft
Autoshampoo beziehungsweise verdünntes Spülmittel helfen bei stärkeren Verschmutzungen. Gezielt wirken speziell aufs Cabrio abgestimmte Verdeckreiniger aus dem Fachhandel. Bei Stoffdächern ist zu beachten, dass selbst sanfte Reinigungsmittel allmählich die Imprägnierung auswaschen. Verdeckimprägnierersprays frischen diesen Schutz wieder auf, beugen dem Vollsaugen der Textilien vor und sorgen so für schnelleres Trocknen.

Rein in die Waschanlage?
Die Verdecke moderner Cabrios darf man auch durch Waschanlagen fahren. In Zweifelsfällen hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung weiter. Aber mit zunehmendem Alter sind oftmals die Dachdichtungen dem Wasserdruck und dem Trocknungsgebläse nicht mehr gewachsen. Auch empfiehlt die GTÜ nicht alle Waschanlagen gleichermaßen. Größere Waschstraßen bieten häufig Cabrioprogramme mit entsprechender Steuerung der Bürsten an.

Heißwachs ist Gift für den Stoff
Waschprogramme mit klassischem Heißwachs sind für Stoffdächer reines Gift. Denn das klebrige Heißwachs setzt die Poren des Verdeckstoffes zu. Bei Verdecken mit Kunststoffheckscheiben sollte nach Möglichkeit ganz auf Bürstenwäsche verzichtet werden, weil die Bürsten das Material leicht verkratzen und auf Dauer regelrecht "blind" machen. Waschanlagen mit Textillappen oder Moosgummi sind hier weniger kritisch.

Aggressiver Dreck muss sofort weg
Wer sein Cabrio im Freien parkt, der sollte es möglichst nicht unter Bäumen abstellen. Baumharz, aber mehr noch säurehaltiger Vogelkot und Ausscheidungen von Insekten setzen dem Verdeck stark zu und sollten möglichst sofort mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Kernseife mit viel Wasser kann die Reinigungswirkung bei Bedarf verstärken. Nur für hartnäckige Flecken und besonders starke Verunreinigung empfiehlt die GTÜ Spezialmittel. Bei deren Anwendung ist immer auch auf die vorgegebenen Einwirkzeiten zu achten, damit nicht unerwünschte Verfärbungen das Reinigungsergebnis beeinträchtigen. Um mögliche Schäden an Polycarbonatscheiben zu vermeiden, sollten scharfe Reiniger dort schnellstmöglich wieder abgewischt werden. Von haushaltsüblichen Fleckentfernern ist bei der Pflege des Cabriodachs unter allen Umständen abzuraten.

Nach dem Waschen nicht gleich öffnen
Nach jeder Wäsche sollte das Cabrio zunächst mal geschlossen bleiben, bis das Verdeck wieder trocken ist. Gleiches gilt für den Start am frühen Morgen, wenn noch Tau das Dach benetzt. Das Verdeck sollte weder feucht noch stark verschmutzt gefaltet werden. Sonst besteht die Gefahr von Stockflecken, Druck- und Scheuerstellen.

Gummis geschmeidig halten
Während die Verdeckmechanik moderner Cabrios praktisch wartungsfrei ist, sollte man sich den Gummidichtungen des Dachs regelmäßig widmen. Um sie geschmeidig zu halten, empfiehlt die GTÜ, sie vorsichtig mit einem feuchten Lappen zu reinigen und mit Pflegemitteln auf Silikonbasis einzureiben. Die Gummis danken es mit sauberem Sitz und dauerhafter Dichtigkeit.