Elektroauto-Konzept wird auf dem Genfer Salon vorgestellt

Frank M. Rinderknecht meint es ernst: Der Rinspeed-Chef bringt eine überraschende Elektroauto-Studie mit zum Automobilsalon nach Genf (4. bis 14. März 2010). Der Zweisitzer hört auf den Namen ,UC?" für ,Urban Commuter", übersetzt ,Pendlerfahrzeug".

2008: Tauch-Auto "sQuba"
Bereits auf dem Genfer Salon 2008 hatte der Schweizer mit einer fahrfertigen Studie namens ,sQuba" für Aufsehen gesorgt. Das außergewöhnliche Concept-Car hatte es damals in sich: Es sollte völlig autonom auf der Straße fahren können, also ohne Hilfsmittel und sogar gänzlich ohne Insassen. Darüber hinaus konnte es sich als amphibisches Fahrzeug fortbewegen und in Wassertiefen von bis zu zehn Meter hinabtauchen. Die Studie erinnerte damals stark an den James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte", in dem Roger Moore mit einem tauchfähigen Lotus Esprit durchs Meer schwamm.

Komplettes Konzept
Doch zurück zum UC?: Er ist Bestandteil eines kompletten Mobilitätskonzepts und wurde laut Rinspeed für eine künftige Serienfertigung konzipiert. Optisch erinnert das 2,59 Meter kurze Fahrzeug an eine Mischung aus Fiat 500 und Smart Fortwo. Durch Leichtbau beträgt das Gewicht inklusive der Elektrotechnik an Bord rund 980 Kilogramm. Den Antrieb übernimmt ein Elektromotor mit einer Leistung von 30 Kilowatt. Das maximale Drehmoment beträgt 130 Newtonmeter. Als Energiespeicher fungiert eine Lithium-Ionen-Batterie von Li-Tec, einem Joint Venture des Energiekonzerns Evonik und Daimler. Ihre Kapazität liegt bei zwölf Kilowattstunden. Der UC? soll in 4,1 Sekunden von null auf Tempo 50 beschleunigen, die Spitzengeschwindigkeit wird mit 120 km/h angegeben. Maximal sind 105 Kilometer Reichweite möglich, allerdings gibt Rinspeed ehrlich zu, dass dieser Wert nur bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 km/h erzielt wird.

Auf Schiene und Straße
Gelenkt wird der Cityflitzer per Force-Feedback-Joystick, wodurch eine deutliche Rückmeldung von der Straße erzielt werden soll. Das ganze Fahrzeug funktioniert über ein Drive-by-Wire-System, den so genannten ,Space Drive". Highlight soll jedoch ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept sein. Für längere Strecken nimmt der UC? nämlich den Zug. Die Querverladung in speziellen Waggons ermöglicht die simultane Be- und Entladung mehrerer Fahrzeuge in kürzester Zeit. Die Buchung und Platzreservierung erfolgt dabei online per G3-Netz aus dem Auto heraus. Mit an Bord des UC? sind auch IP-Telefonie, E-Mail oder ein Videochat.

Entspannung im Zug
Ladestationen an Bord der Waggons sorgen dafür, dass bei der Ankunft am Zielort eine volle Batterie und damit eine komplette Reichweite zur Verfügung stehen. Während der Zugreise steht es den Insassen offen, ob sie die Zeit im Zugrestaurant oder mit Telefonaten beziehungsweise Mailbearbeitung in ihren Fahrzeugen verbringen wollen. Rinspeed will mit den UC?-Konzept die Reichweiten-Hürde von E-Autos umgehen. Frank M. Rinderknecht diskutiert nach eigenen Angaben bereits mit internationalen Bahngesellschaften über sein Konzept: ,Ich kann meine Zeit effizienter nutzen als auf der öden Autobahn. Da gehe ich doch lieber ins Zugrestaurant oder ziehe mich zum Arbeiten in mein Gefährt zurück", so Rinderknecht.

Zwei Varianten in Planung
Erste Testfahrten mit dem UC? sind schon in Genf möglich – auf einem Kunstfellparcours. Angedacht ist die Serienfertigung von zwei UC?-Versionen: Der ,Ultimate Commuter" als Pendler-Fahrzeug und der ,Unlimited Commuter" als Ausführung für Handwerker oder die Post. Ein spezieller Swarovski-Kristallverschluß über dem Ladestecker zeigt durch verschiedene Farben den Ladezustand der Batterie an. Ganz neu ist auch das ,Stickerfix"-System ein neuartiger Klebelack für kleinere Reparaturen an der Außenhaut. Seit längerem werden intensive Gespräche mit Großserienherstellern über eine Fertigung des UC? geführt.

Gallery: Schweizer Stromer