Komplette Eigenentwicklung der Engländer vorgestellt

Nachdem der englische Sportwagenbauer McLaren und der deutsche Automobilhersteller Mercedes wieder getrennte Wege gehen, stellen beide Firmen die Nachfolger des Gemeinschaftsprojekts Mercedes SLR McLaren vor. Die Stuttgarter bringen den SLS AMG, bei den Engländern fällt die Modellbezeichnung etwas komplizierter aus: MP4-12C nennt sich der neue Briten-Renner.

Dem Super-Sport verpflichtet
McLaren baut extreme Autos. Zwischen 1994 und 1997 wurden 100 Exemplare des F1 gebaut. Der Wagen war ein von der Formel 1 inspirierter Dreisitzer mit aufgepowertem Motor aus dem BMW 850 CSi. Der F1 6.1 galt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 391 km/h als das schnellste Serienfahrzeug der Welt. Dann folgte die Kooperation mit Mercedes und den gerade auslaufenden SRL-Modellen. Und jetzt der Neue: Der MP4-12C wurde komplett von McLaren entwickelt – inklusive Motor.

Kohlefaser und Aluminium
Wieder sollen die immensen Formel-1-Erfahrungen der Engländer in die Konstruktion des hauseigenen Modells fließen. So besteht der Wagen aus einem 80 Kilogramm schweren Kohlefaser-Monocoque, an welches vorne und hinten Aluminium-Crashboxen montiert werden. Die Karosserie besteht aus verklebten Kohlefaser-Matten. Schon der F1 glitt mit einer Haut aus Kohlenstofffaser-verstärktem Kunststoff durch den Wind. Für einen optimalen Abtrieb ist der MP4-12C mit einem vollkommen glatt verkleideten Unterboden unterwegs. Hinten kümmert sich ein üppig dimensionierter Diffusor um die Aerodynamik. Der Motor liegt unter einer transparenten Abdeckung, wie wir es bereits von Lamborghini Gallardo und Audi R8 her kennen.

Innen Komfort
In die Kabine des MP4-12C gelangen die Passagiere über nach vorne aufschwingende Scherentüren. Der Innenraum an sich gefällt, wie sollte es anders sein, mit viel Aluminium und Leder. Zwei elektrisch verstellbare Schalensitze nehmen die Piloten auf. Über einen Touchscreen lassen sich das Navi und das High-end-Soundsystem bedienen. Auch sonst müssen die Fahrgäste auf nichts verzichten: Airbags, Klimaanlage und Einparksensoren für den vermutlich nach hinten eher unübersichtlichen Wagen sind mit an Bord. Seinen Kofferraum trägt der Mittelmotor-Zweisitzer vorn.

Eigenes Herz
Auf den selbst entwickelten Motor ist McLaren natürlich ganz besonders stolz. Das V8-Aggregat bietet 3,8 Liter Hubraum und wird von zwei Turboladern unter Druck gesetzt. Die Zylinder sind in einem Winkel von 90 Grad angeordnet, eine variable Ventilsteuerung sorgt für zusätzliche Effizienz. 600 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmeter kommen am Ende heraus – der F1 war noch mit bis zu 680 PS unterwegs, brauchte dafür aber auch über sechs Liter Hubraum. McLaren gibt an, dass beim MP4-12C zirka 80 Prozent des Drehmoments bereits ab 2.000 U/min anliegen – die Maximaldrehzahl ist bei 8.500 U/min erreicht. Zwar spricht der Hersteller vom sparsamsten Fahrzeug seiner Klasse, bleibt aber konkrete Verbrauchs- und Fahrwerte vorerst schuldig.

Mit Doppelkupplungsgetriebe
Geschaltet wird in dem Hecktriebler über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, welches sich über Lenkrad-Paddles bedienen lässt. Verschiedene Schaltprogramme von ,normal" bis ,extremer Sport" werden sich per Knopfdruck wählen lassen. Eine aktive adaptive Aufhängung rundum soll den MP4-12C perfekt auf den jeweiligen Untergrund legen. Für die Verzögerung ist eine Aluminium-Bremsanlage da, optional sind auch Keramik-Bremsscheiben verfügbar.

Günstiger als bisher
Für einen McLaren F1 wurden seinerzeit 1,5 Millionen D-Mark fällig (zirka 767.000 Euro), der SLR schlägt mit mindestens 452.200 Euro zu Buche. Und dieser Preis-Abwärtstrend wird sich fortsetzen: Für den MP4-12C werden voraussichtlich um die 175.000 Euro aufgerufen, wobei McLaren den konkreten Preis noch nicht verrät. Vom Erfolg des neuen Flitzers scheint man auf der Insel aber überzeugt: 1.000 Fahrzeuge wollen die Briten ab 2011 pro Jahr auf die Kunden loslassen.

Bildergalerie: McLaren mit 600 PS