Einigung wird aber an Bedingungen gekoppelt

Über Monate hinweg wurde hinsichtlich der Zukunft des angeschlagenen Autobauers Opel spekuliert und gepokert. Nun ist es amtlich: Der bisherige Mutterkonzern von Opel, General Motors, hat einen Verkauf an das Bieterkonsortium um Magna beschlossen.

Absicht bekundet
Der GM-Verwaltungsrat unter Vorsitz von Edward Whitacre unterstützt ein Kaufangebot für den Mehrheitsanteil am europäischen Opel/Vauxhall-Geschäft von einem Konsortium, bestehend aus Magna und der russischen Sberbank. Allerdings müssen in den kommenden Wochen noch einige wichtige Punkte abschließend geklärt werden, um verbindliche Vereinbarungen zu erzielen. Das Endergebnis würde vorsehen, dass Magna/Sberbank einen Anteil von 55 Prozent an Opel/Vauxhall erwirbt; GM behält 35 Prozent, die Mitarbeiter von Opel und Vauxhall werden mit 10 Prozent beteiligt. Opel/Vauxhall bliebe auch weiterhin im globalen Produktentwicklungsverbund von GM integriert. Nur so könnten laut dem US-Konzern Technologieträger wie der Opel Ampera zur Serienreife gebracht werden. GM-Boss Fritz Henderson betont, man werde auch weiterhin eng mit Opel und Vauxhall zusammenarbeiten.

Freude bei der Kanzlerin
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich zufrieden, dass General Motors dem Vorschlag der Bundesregierung gefolgt ist. Merkel und ihre Kabinettskollegen hatten sich bereits vor Monaten mehrheitlich auf das Magna-Angebot konzentriert. Hinter dem Konzept stehen neben Magna auch die russischen Partner GAZ, als Automobilhersteller des ,Wolga" bekannt und die Sberbank. Letztere hat jüngst einen Quartalsgewinn von 120 Millionen Euro bekannt gegeben. Magna International Inc. ist mit einem Umsatz von 23,8 Milliarden US-Dollar (2008), 71.000 Mitarbeitern und 247 Produktionsstätten der viertgrößte Autozulieferer der Welt. Geführt wird das Unternehmen von dem 73-jährigen Frank Stronach, der es als ausgewanderter Österreicher zum Self-Made-Millionär brachte.

Noch ist nichts amtlich
Offiziell lobte Merkel die Beharrlichkeit der Bundesregierung, unter der Hand zeigt man sich aber erleichtert, dass das Thema Opel vor dem Wahlkampf erst einmal vom Tisch ist. Allerdings könnten trotzdem noch einige Probleme auftreten, denn vor einem amtlichen Vertrag sind noch viele Fallstricke auszuräumen. Dazu gehört laut GM eine schriftliche Bestätigung der Arbeitnehmervertretungen, die Vereinbarung mit den notwendigen Kostenanpassungen zu unterstützen. Im Klartext: Entlassungen und Werksschließungen sind noch nicht vom Tisch. Hinzu kommt der Abschluss eines definitiven Finanzierungspakets der Regierungen von Bund und Ländern.

Magna als beste Lösung?
Kritiker sehen auch Gefahren beim Magna-Konsortium selbst: Sie werfen Magna-Boss Stronach vor, ohne Rücksicht auf Verluste seinen Traum vom Automobilhersteller zu verwirklichen. Nicht auszuschließen ist auch, dass andere Hersteller aufgrund der neuen Konkurrenzsituation Aufträge stornieren. Langfristig wird außerdem ein Ausverkauf von Opel-Technik nach Russland befürchtet. Ein weiterer Stolperstein könnte die EU-Kommission werden, welche die finanziellen Hilfen der Bundesregierung unter die Lupe nehmen will.

Bildergalerie: Opel geht an Magna