Luxuslimousine mit Zwergendurst wird auf der IAA 2009 präsentiert

Bei Mercedes jagt ein IAA-Paukenschlag den nächsten: Auf der vom 17. bis zum 27. September 2009 stattfindenden Automesse glänzen die Schwaben nicht nur mit dem SLS AMG, sondern als Kontrapunkt auch mit der Studie ,Vision S 500 Plug-in Hybrid". Der Clou: Es handelt sich um ein Dreiliter-Auto – beim Verbrauch, nicht beim Hubraum.

Teile aus dem Baukasten
Der Antrieb des Konzeptfahrzeugs besteht aus drei Hauptkomponenten: einem leistungsstarken V6-Benziner der nächsten Generation, dessen genaue PS-Zahl Mercedes nicht verrät, sowie einem Hybridmodul und einer Lithium-Ionen-Batterie. Mit dieser Technik an Bord soll der Vision S 500 Plug-in Hybrid in nur 5,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, die Spitze liegt bei 250 km/h. Bei den elektrischen Komponenten haben die Ingenieure in den Hybrid-Systembaukasten des Unternehmens gegriffen. So unterscheidet sich das rund 44 Kilowatt starke Hybridmodul nur unwesentlich von dem kompakten scheibenförmigen 15-Kilowatt-Elektromotor, der im bereits erhältlich S 400 Hybrid arbeitet. Integriert wird das Modul in das Gehäuse der Siebenstufen-Automatik.

Extra-Kupplung an Bord
Der über 10 Kilowattstunden leistende Lithium-Ionen-Akku der Studie ist hinter den Rücksitzen im Kofferraum platziert, so dass die Gewichtsverteilung im Fahrzeug ausgewogen bleibt. Auch der Antriebsstrang des Plug-in-Hybrid orientiert sich am S 400 Hybrid. Hauptunterschied ist die zwischen Verbrennungs- und Elektromotor integrierte zusätzliche Kupplung. Sie entkoppelt die beiden Aggregate bei rein elektrischer Fahrt voneinander, damit im Elektro-Modus für maximale Effizienz gesorgt wird. Die so genannte Trennkupplung ist vollständig ins Wandlergehäuse integriert.

Tankstelle Steckdose
Hauptmerkmal des Vision S 500 Plug-in Hybrid ist, wie der Name bereits verrät, die Plug-in-Batterie, welche per Stecker aufgeladen werden kann. Die rein elektrische Reichweite beziffert Mercedes auf bis zu 30 Kilometer. Der Schnelllademodus mit einer Ladeleistung von 20 Kilowatt dauert weniger als 60 Minuten. An einer normalen Steckdose mit 3,3 Kilowatt muss man bei komplett entladenem Akku rund viereinhalb Stunden Zeit mitbringen. Der so genannte ,Onboard-Lader" hinter der seitlichen Kofferraumwand regelt den Ladevorgang. Das Gesamtgewicht der elektrischen Komponenten beträgt beim aktuellen Versuchsfahrzeug 215 Kilogramm, davon entfallen 130 Kilogramm auf die Batterie. Durch Rekuperation wird das Hybridmodul auch während der Fahrt aufgefrischt.

Serienstart in der nächsten S-Klasse
Sobald die Leistung des E-Motors nicht mehr ausreicht, wird der Benzinmotor automatisch gestartet und dem Antriebsstrang zugeschaltet. Vor dem Schließen der Kupplung wird die Drehzahl von Verbrennungsmotor und Hybridmodul synchronisiert, damit der Vorgang für den Fahrer unmerklich geschieht. Den nach eigenen Angaben zertifizierten Verbrauch gibt Mercedes mit 3,2 Liter auf 100 Kilometer an, der CO2-Ausstoß beträgt 74 Gramm pro Kilometer. Allerdings gibt Entwicklungsvorstand Dr. Thomas Weber zu, dass bis zur Serienreife noch ein gutes Stück Weg vor den Ingenieuren steht. Zum Einsatz könnte die Technik in der nächsten S-Klasse kommen, die 2012/2013 startet. Doch schon jetzt ist für Weber klar: ,Große, sichere Autos von Mercedes-Benz haben eine Zukunft."

IAA: Dreiliter-S-Klasse