Sportwagen kommt Anfang 2010 mit Flügeltüren und 571 PS

Eine Spitze von bis zu 260 km/h aus 215 PS: Das reichte dem legendären Mercedes 300 SL Flügeltürer anno 1954 zum Super-Trumpf im Autoquartett. Genau 55 Jahre später soll ein neuer Flügeltürer mit Stern für Begeisterungsstürme sorgen, zunächst bei den Besuchern der IAA (17. bis 27. September 2009) in Frankfurt. Dort krönt der SLS AMG den Messeauftritt von Mercedes.

Geschicktes Retro-Design
Bereits im Stand bietet der SLS AMG ein atemberaubendes Design. Geschickt zitiert der Sportwagen seinen Urahn aus den 1950er-Jahren, ohne aber zu dessen Kopie zu mutieren. Gleichzeitig hebt sich der 4,64 Meter lange SLS AMG wohltuend von seinem wuchtigen Vorgänger SLR ab. Stilistisches Highlight sind natürlich die Flügeltüren. Laut AMG benötigen sie weniger Platz als herkömmliche Coupé-Türen und können in einer Normgarage komplett geöffnet werden. Der in der Armlehne der Innenverkleidung integrierte Durchgriff ermöglicht ein problemloses Schließen der Tür. Dort sind auch die Schalter für die elektrischen Fensterheber und Außenspiegelverstellung platziert. Trotz einer tiefen Sitzposition von nur 37 Zentimeter Sitzhöhe über der Fahrbahn soll ein bequemer Ein- und Ausstieg möglich sein, zumal die Einstiegshöhe gerade einmal 45 Zentimeter beträgt. Der Öffnungswinkel der Flügelportale liegt bei 70 Grad, zwei Gasdruckdämpfer pro Tür erleichtern das Öffnen und Schließen.

Zitieren statt Kopieren
Nicht nur die Flügeltüren erinnern an das berühmte Vorbild 300 SL, auch der breite Kühlergrill mit großem Mercedes-Stern und der flügelförmigen Querfinne schlagen die Brücke zum Urahnen. Für Dominanz sorgen sechs große Kühllufteinlässe und die weit außen platzierten, vertikalen Scheinwerfer mit Bi-Xenonlicht, LED-Blinkern und LED-Tagfahrlicht. Nostalgisch wirkt der seitliche Lufteinlass mit charakteristischen Streben und dem integrierten ,6.3" Hinweis auf den Motor. Der Radstand beträgt übrigens 2,68 Meter

Kein Heck-Meck
Etwas schlicht, aber durchaus gelungen zeigt sich das SLS-Hinterteil mit abfallendem Heckdeckel, einer ausgeprägten Fahrzeugschulter und flachen Rückleuchten mit LED-Technik. Lichtelemente in Flügelform sorgen für ein spezielles Nachtdesign. Tief und mittig platziert ist die LED-Nebel- und Rückfahrleuchte im Formel-1-Stil. In den Heckdeckel integriert ist ein Spoiler, der ab Tempo 120 automatisch ausfährt. Serienmäßig weist der SLS vorne 19-Zoll- und hinten 20-Zoll-Räder auf. Das Kofferraumvolumen beträgt 176 Liter.

Willkommen im Cockpit
Wer in den Sportsitzen, deren Rücklehnen aus Magnesium bestehen, Platz nimmt, erlebt einen Arbeitsplatz der besonderen Art. Bei der Gestaltung des Interieurs ließen sich die Mercedes-Designer vom Flugzeugbau inspirieren. Besonders markant sind die galvanisierten Belüftungsdüsen mit Düsenkreuz, die an Jet-Triebwerke erinnern sollen. Anzeigeseitig gibt es ein Kombi-Instrument mit LED-Hochschaltanzeige. Die etwas kleinteiligen, silberfarbigen Zifferblätter verfügen über rote Zeiger, der Tacho wartet mit einer 360-km/h-Skala auf. Der Sieben-Zoll-Bildschirm des Multimediasystems ist zentral angeordnet. In der Mittelkonsole aus mattiertem Echtmetall ist die zum Fahrer orientierte ,AMG Drive Unit" integriert, mit der ein persönliches Fahrzeug-Setup ermöglicht wird. Auf Wunsch wird es innen mit Karbon oder diversen Lederfarben noch individueller. Anders als im alten 300 SL muss im SLS aber keiner schwitzen: Eine Klimaautomatik ist serienmäßig an Bord.

Leichter ist besser
Auf einem anderen Gebiet stellt der SLS eine echte Premiere dar: Erstmals präsentieren Mercedes und AMG ein Auto, bei dem Chassis und Karosserie aus Aluminium gefertigt sind. Dadurch wird ein Leergewicht von 1.620 Kilogramm möglich. Der gewichtsoptimierte Alu-Spaceframe glänzt mit einem Rohbaugewicht von 241 Kilogramm. In die Struktur integriert sind die Querversteifungen an Vorder- und Hinterachse. Die Sicherheitsausstattung beinhaltet acht Airbags.

Ein echter Kraft-Wagen
Unter der knapp zwei Meter langen Haube steckt der bereits vom E 63 AMG bekannte 6,3-Liter-V8. Allerdings wurde der intern M159 genannte Hochdrehzahl-Saugmotor komplett überarbeitet und kommt auf eine Leistung von 571 PS sowie ein Leistungsgewicht von 2,84 Kilogramm pro PS. Die innermotorischen Änderungen betreffen die Neuentwicklung der Sauganlage, die Überarbeitung des Ventiltriebs und der Nockenwellen sowie Modifikationen an der Abgasanlage. Die weiteren Motordaten des SLS können sich in jedem Autoquartett sehen lassen: Bei 4.750 Umdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 650 Newtonmetern an, in nur 3,8 Sekunden geht es auf Tempo 100, die Spitze beträgt 317 km/h. Der Hersteller betont die Einhaltung der Euro-5-Norm. Zudem steht auf dem Papier ein Durchschnittsverbrauch von 13,2 Liter pro 100 Kilometer. Ermöglicht wird dies durch Rekuperation, also Ausnutzung der Bremsenergie. Apropos Bremsen: Gegen Aufpreis sind Keramikstopper erhältlich.

Schnell schalten
Die Kraftübertragung erfolgt über eine Antriebswelle aus Karbon per Transaxle-Prinzip an die Hinterachse. Dort befindet sich das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Es erlaubt Schaltvorgänge von 100 Millisekunden. Der Fahrer kann aus vier Fahrprogrammen mit verschiedener Auslegung wählen. Für optimale Traktion gibt es an Bord eine mechanische Differenzialsperre und ein in drei Stufen einstellbares ESP. Die Lösung Frontmittelmotor plus Transaxle-Anordnung sorgt für eine Gewichtsverteilung von 47 Prozent vorn zu 53 Prozent hinten.

Verkaufsstart im Frühjahr 2010
Alle SLS-Enthusiasten müssen sich noch bis zur Markteinführung im Frühjahr 2010 gedulden. Dann steht der Super-Benz für 177.310 Euro bei den Händlern. Gewiss kein Schnäppchen, aber für einen handgeschalteten Lamborghini Gallardo mit 550 PS und Heckantrieb sind 192.780 Euro zu überweisen. Man darf daher gespannt sein, wer sich seine Quartett-Träume aus den 1950-Jahren erfüllt und zum Super-Trumpf mit Stern greift. Eile ist in jedem Fall angesagt, denn pro Jahr will AMG nur 5.000 SLS fertigen.

IAA: Schöner Schwabe