Neuauflage des Ost-Porsche setzt auf Lotus-Technik

Zu den Stars auf der diesjährigen IAA (noch bis zum 27. September) zählt der Mercedes SLS AMG Flügeltürer. Doch er ist nicht der einzige deutsche Vertreter auf der Automesse, welcher mit den besonderen Schwingtüren glänzt. Auch die sächsische Sportwagenschmiede Melkus zeigt sich mit dem neuen RS 2000 beflügelt.

Vergangenheit und Gegenwart
Speziell im Osten Deutschlands hat der Name Melkus unter den Autofans bis heute einen besonderen Klang. Alles begann Ende der 1960er-Jahre, als der erfolgreiche DDR-Rennfahrer Heinz Melkus beschloss, einen Rennwagen zu bauen. Mit diesem sollten die Piloten auf eigener Achse zu den Rennen fahren können. Beim RS 1000 kam ein von Melkus entwickelter leichter Aufbau zum Einsatz, der mit einer sehr gelungenen Karosserie mit Flügeltüren gekrönt wurde. Technisch bediente man sich hauptsächlich beim Wartburg 353, so auch beim Motor mit einem Liter Hubraum. Dank des geringen Leergewichts von nur 750 Kilogramm schaffte es der auf 70 PS gesteigerte Zweitakter, den RS 1000 auf 165 km/h zu bringen. Mit der nochmals leichteren Sportversion waren dank 100 PS sogar 210 Sachen drin. Auf Kundenwunsch montierte man auch Viertakt-Motoren von Lada und Moskwitsch. Zwischen 1969 und 1979 wurden lediglich 101 Exemplare in Handarbeit gefertigt, die anfangs nur mit Rennfahrerlizenz zu erhalten waren. Im Jahr 2006 entstanden nochmals 15 RS 1000, diesmal allerdings mit Viertaktmotor. Auf der IAA 2009 zeigt jetzt Sepp Melkus, Enkel des Firmengründers, mit dem RS 2000 den offiziellen Nachfolger der DDR-Autolegende.

Leichtbau mit Lotus-Technik
Ähnlich wie Mercedes beim SLS AMG setzt auch der Melkus RS 2000 auf historische Parallelen. Wichtigstes Merkmal sind in dieser Hinsicht natürlich die Flügeltüren des RS 2000. Sie dienen nicht nur der Optik, sondern sollen auch den Ein- und Ausstiegskomfort verbessern. Wie beim Vorgängermodell ist auch der neue Melkus als Leichtbausportwagen konzipiert, das Leergewicht beträgt 950 Kilogramm. Um das zu erreichen, nutzen die Dresdner wie einst fremde Technik. Weite Teile der Technik des Mittelmotor-Coupés stammen aus dem Modell Exige der Leichtbau-Profis von Lotus, schließlich verkauft die Melkus-Gruppe auch Fahrzeuge der Engländer. Um ein Leistungsgewicht von nur 3,5 Kilogramm pro PS zu erreichen, wurde der im Exige eingesetzte Zweiliter-Toyota-Motor mittels Kompressor auf 270 PS gepusht. In Verbindung mit einem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe erreicht der RS 2000 nach 4,9 Sekunden Tempo 100.

Technische Raffinessen zum Liebhaberpreis
Zur Grundausstattung des RS 2000 gehören unter anderem ein mechanischer Strömungslader mit Ladeluftkühlung, ein Sportfahrwerk und geschmiedete Leichtmetallfelgen. Auch ABS und Traktionskontrolle sowie Airbags für Fahrer und Beifahrer sind bereits inklusive. Für den Komfort sorgen eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und ein Kofferraum mit 225 Liter Fassungsvermögen. Der mit Aluminium-Applikationen versehene Innenraum weist Sportsitze aus Leder auf. Melkus bietet allerdings für jeden Kunden die Möglichkeit der individuellen Ausgestaltung der Kabine. Wie sein Vorgänger vor vier Jahrzehnten ist auch der RS 2000 nicht billig: Mindestens 107.500 Euro sind zu investieren. Melkus ist sich bewusst, dass dieser Preis auf Liebhaber zielt und plant ab Oktober 2009 lediglich 25 RS 2000 pro Jahr zu fertigen.

IAA: Melkus zeigt RS 2000