Studie eines kleinen Elektroautos wird in Genf gezeigt

Totgesagte leben länger: Eigentlich war der Wankelmotor schon Ende der 1970er-Jahre aus Verbrauchs- und Kostengründen von Audi beerdigt worden. Doch nun erleben die kreisenden Kolben ein überraschendes Comeback.

Elektrisch in die City
Doch der Reihe nach: Unter der Bezeichnung ,e-tron" will Audi ab 2012 Elektroautos auf den Markt bringen. Der A1 e-tron soll nun auf dem Genfer Auto-Salon vom 4. bis zum 14. März 2010 eine weitere Spielart des Themas zeigen. Der Zweitürer ist laut Audi für den täglichen Einsatz in Ballungsräumen konzipiert. Hauptbestandteil des A1 e-tron ist die E-Maschine, ein quer im Bug platzierter Synchronmotor. Die Dauerleistung beträgt 45 Kilowatt respektive 61 PS, kurzzeitig sind 75 Kilowatt beziehungsweise 102 PS möglich. Aus dem Stand heraus kann über 150 Newtonmeter maximales Drehmoment verfügt werden, der Topwert liegt bei 240 Newtonmeter. Die Kräfte des Elektromotors werden durch ein einstufiges Getriebe an die Vorderräder weitergeleitet. Zur Wahl der Fahrstufen dient ein ausfahrbarer Wählhebel auf der Konsole des Mitteltunnels.

Drei Stunden ans Netz
Im Motorraum sitzt über dem E-Motor die Leistungselektronik. Ihre wichtigsten Bauteile sind der Pulswechsel-Umrichter, welcher als Regler zwischen Elektromotor und Batterie dient, sowie ein Gleichstromwandler und das Lademodul. Hinter den Audi-Ringen im Grill liegt die Buchse für den Einheitsladestecker. Beim A1 e-tron werden wichtige Nebenaggregate elektrifiziert, so etwa der Kältemittelverdichter der Klimaanlage. Eine elektromechanische Bremsanlage hilft bei der Rekuperation. Während an der Vorderachse hydraulische Festsättel arbeiten, sind an der Hinterachse zwei elektrisch per Kabel betätigte Faustsättel montiert.

T-Time
Die Batterien sind unterflur in Form eines T angeordnet. Der kurze Längsbalken füllt den hinteren Teil des Mitteltunnels, der Querbalken jenen Bereich vor der Hinterachse, der sonst dem Kraftstofftank gehört. Der Lithium-Ionen-Akku, der mit einer Spannung von 380 Volt arbeitet, weist einen Energieinhalt von 12 Kilowattstunden auf und wiegt weniger als 150 Kilogramm. Insgesamt bringt der Elektro-A1 rund 1,2 Tonnen auf die Waage. Bei vollständig entladener Batterie dauert das ,Auftanken" drei Stunden. Rein elektrisch kommt der A1 e-tron bis zu 50 Kilometer weit. Geht der Saft zur Neige, tritt der Wankelmotor in Aktion.

Jetzt rotiert es
Als so genannter ,Reichweiten-Verlängerer" dient ein Einscheiben-Wankel mit 254 Kubikzentimeter Kammervolumen, der im Heck untergebracht ist. Er läuft konstant mit 5.000 Umdrehungen pro Minute im Bereich seines besten Wirkungsgrads und speist einen Generator, der wiederum den E-Motor antreibt. Ironie der Geschichte: Vor genau 50 Jahren lief der erste, ebenfalls 250 Kubikzentimeter große Wankelmotor, im Straßenversuch bei NSU. Audi unterstreicht den fast vibrationsfreien Lauf, die geringen Abmessungen und das extrem niedrige Gewicht des modernen Kreiskolbenmotors. Einschließlich des Generators, der 15 Kilowatt elektrische Leistung erzeugt, wiegt die komplette Baugruppe nur 70 Kilogramm. Laut Audi sind anstelle des Wankelmotors auch andere kompakte Antriebskonzepte denkbar.

Leise unterwegs
Bei Bedarf schaltet die Elektronik den Wankel automatisch zu, dabei werden auch Navigationsdaten berücksichtigt. Die zusätzliche Reichweite beziffert Audi auf rund 200 Kilometer. 10,2 Sekunden dauert der Sprint von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 130 km/h. Aus den beiden unterschiedlichen Betriebsarten ergibt sich laut Hersteller ein Verbrauch von 1,9 Liter auf 100 Kilometer, was einer CO2-Emission von 45 Gramm pro Kilometer entspricht.

Bildergalerie: Wankel-Comeback