Automobil-Klubs schlagen Alarm, Öl-Multis wiegeln ab

Benzin und Diesel sind in Deutschland im Moment klar überteuert – darin sind sich die Automobil-Klubs ADAC und ACE einig. Der Preis für einen Liter Superbenzin schnellte gegenüber der Vorwoche um 5,2 Cent pro Liter nach oben und kostet derzeit im Bundesdurchschnitt 1,397 Euro, so der ADAC. Das gleiche Spiel bei Diesel: 1,176 Euro bedeuten einen Aufschlag von 4,1 Cent im Vergleich zur Vorwoche. Laut ADAC sollten Autofahrer nach Möglichkeit sonntags oder montags tanken, an diesen Tagen ist Kraftstoff am billigsten. Mittwochs und freitags bitten die Mineralölkonzerne hingegen richtig zur Kasse: 2009 lag der Preisunterschied zwischen Freitag und Montag bei 3,5 Cent pro Liter. Dies gilt sowohl für Benzin als auch für Diesel. Der ADAC macht das Gewinnstreben der Öl-Multis für die wöchentlichen Preisschwankungen verantwortlich.

ACE: Komplette Kontrolle durch Öl-Multis
Auch der ACE hat die Kraftstoff-Faxen dicke: Auto-Club-Europa-Chef Wolfgang Rose dazu: ,2008 war das Jahr mit den bis dahin höchsten Öl- und Kraftstoffpreisen. Ein Barrel Rohöl (159-Liter-Fass) kostete seinerzeit rund 150 Dollar – der Preis für einen Liter Super Benzin betrug im europäischen Schnitt 1,30 Euro. Heute kostet ein Barrel Rohöl nur etwa 80 Dollar, ein Liter Super aber mehr als 1,40 Euro. Für diese Diskrepanz gibt es keine marktwirtschaftlich begründete Erklärung." Rose führt an, dass die Mineralöl-Wirtschaft ihre marktbeherrschende Stellung schamlos ausnutzt. Vom Bohrloch über die Pipelines bis hin zu Lagern, Raffinerien und Tankstellen: Die Öl-Konzerne haben beinahe die komplette Kontrolle über das Verarbeitungs- und Verteilsystem. Wettbewerb existiere schon längst nicht mehr. Außerdem müssten die Spekulationsgeschäfte der Öl-Multis von den Endkunden mitbezahlt werden.

Bundeskanzlerin und EU sind gefragt
So schlägt der ACE Bundeskanzlerin Angela Merkel eine konzertierte Aktion der EU-Staaten vor, um wieder einen fairen Wettbewerb zugunsten der Verbraucher herzustellen. Wenn es sein muss, sollen zwangsweise Marktentflechtungs-Maßnamen vorgenommen werden. Der ACE sieht hinsichtlich der Kraftstoffpreise reichlich Spielraum nach unten. Dabei haben freie Tankstellen laut Rose keine Chance, als Marktkorrektiv zu wirken. Auch sie hängen am Tropf der in einem abgeschotteten Markt arbeitenden Ölkonzerne, so der ACE. Als Sofortmaßnahme für die Autofahrer schlägt der ACE vor, nicht mehr an den teuren Markentankstellen an der Autobahn zu tanken und Tankstellen mit Rabatt- und Punktesammel-Systemen zu meiden. Letzteres sei Augenwischerei, da die Prämien und Rabatte vorher durch einen erhöhten Benzinpreis hereingeholt werden müssten.

Multis verweisen auf Einkaufspreise
Der Mineralöl-Wirtschaftsverband (MWV) mit Sitz in Berlin verteidigt die Preissteigerungen. Die Einkaufskosten für Benzin auf den Rotterdamer Produktmärkten hätten sich um fast zwei Euro-Cent pro Liter erhöht. Im Vergleich zum letzten Quartal 2009 stiegen laut MWV die Barrelpreise für Rohöl in den ersten Monaten dieses Jahres um sechs Prozent, während sich die Rotterdamer Notierungen für Superbenzin um zehn Prozent verteuerten. Außerdem macht der MWV keinen Hehl daraus, dass man die Preise auch nach Angebot und Nachfrage regele, was den Preisanstieg bis zum jeweiligen Freitag einer Woche erklärt. Zudem verweist der MWV auf Preisspekulationen. So würde gerade jetzt auf eine hohe Nachfrage aus den USA gesetzt, da angeblich die so genannte ,Driving Season" beginne. Auch wird die Mineralöl-Wirtschaft nicht müde, auf den Steueranteil bei einem Liter Kraftstoff hinzuweisen. Bei Super liegt dieser bei 63 Prozent, ohne Steuern würde ein Liter Super aktuell 52 Cent kosten. Allerdings ändert diese Feststellung nichts am kräftigen Preisanstieg für Kraftstoffe. Und wer jetzt auf Elektroautos für die Zeit nach dem Öl hofft, sollte sich nicht zu früh freuen: Die Stromkonzerne haben eine ähnlich marktbeherrschende Stellung wie die Öl-Multis.

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