Innovationen für mehrere Auto-Bereiche vorgestellt

Kritiker werfen den deutschen Autobauern oft vor, den Trend zu sparsamen Modellen und neuen Antrieben verschlafen zu haben. BMW tritt daher jetzt offensiv auf und zeigte uns im Rahmen der so genannten ,Innovationstage", welche Hilfsmittel zukünftig in unseren Autos stecken werden.

Der schöne Schein
Eines wird schnell klar: Das Rad erfindet auch BMW nicht neu. Zwar bekommen wir die Gelegenheit, die diesjährige IAA-Studie Vision EfficientDynamics aus der Nähe zu betrachten, doch anfassen oder gar reinsetzen ist verboten. Die zuständigen Designer geben offen zu, dass der sportliche Hybrid-Flügeltürer kaum Chancen auf eine Serienfertigung hat. Jedoch könnte man Elemente wie die Plattform, den Radstand und auch die Technik des 4,60 Meter langen 2+2-Sitzers in anderer Form bei künftigen Serienmodellen wiederfinden. Bestes Beispiel ist der aufgeladene Dreizylinder-Diesel der Studie. Laut den BMW-Motorenexperten bergen Dreizylinderaggregate mit Turboaufladung ein hohes Sparpotenzial, auch die Laufruhe soll kein Problem sein. Insider munkeln bereits über einen Einsatz im nächsten 1er und 3er.

Leicht, aber bequem
Ein weiteres, schon recht konkretes Element der Studie sind die köperbetont geformten Sitze, bestehend aus einer Kevlarschale, einer so genannten Backbone-Struktur und einzeln befüllbaren Sitzpolstern. Sie vereinen Elemente diverser neuer Sitzkonzepte, welche vor allem zwei Ziele verfolgen: weniger Gewicht und weniger Bauraum. Auffälligstes Konzept ist der bionische Sitz, der an ein menschliches Skelett erinnert. Das kommt nicht von ungefähr: Die oben erwähnte Backbone-Struktur bedeutet nichts anderes, als das die Rücklehne wie eine Wirbelsäule aufgebaut ist. Wird man in den Sitz gepresst, biegt sich die Struktur nach oben, die Kopfstütze rückt näher zum Fahrer. Vergleichbar ist dieser Prozess mit einem Aufrichten im Sessel, um gerade zu sitzen. Sogar 50 Prozent Gewicht gegenüber einem normalen Autositz soll die ,Space Comfort Shell" sparen. Das Sitzmöbel wurde aus menschlichen Körperabdrücken abgeleitet und sorgt mit adaptiven Luftkissen für eine optimale egonomische Position des Insassen.

Manche mögens heiß
Ein Schlagwort in Sachen Kraftstoffersparnis lautet Thermodynamik: Wie nutzt der Verbrennungsmotor seine Energie? Nur rund ein Drittel wird in Vortrieb umgesetzt, der Rest verpufft in Form von Wärme. Einen Teil davon wollen die BMW-Ingenieure zukünftig sinnvoll nutzen. Ein Punkt dabei ist die Vermeidung von Kaltstarts, die den Motor belasten und Sprit kosten. Dank Schottwänden und einer Thermoisolierung soll noch nach mehreren Stunden ein erwärmter Motor zur Verfügung stehen. Jedes Grad, das sich gegenüber der Umgebungstemperatur bewahren lässt, spart laut BMW zirka 0,2 Prozent beim Kraftstoffverbrauch.

Technik aus der Raumfahrt
Um die Warmlaufphase besonders kurz zu halten, bietet sich speziell bei Ottomotoren zukünftig die Verwendung eines Abgaswärmetauschers an, der etwa das Getriebeöl aktiv erwärmt. Bei Dieseln wird mit der gleichen Methode der Innenraum effizienter aufgeheizt. Die Techniker möchten die Abgase aber auch nutzen, um deren Wärme in Strom umzuwandeln. Das Zauberwort heißt thermoelektrischer Generator, eine bereits in der Raumfahrt angewandte Technologie. Bis zur Serienreife sollen 250 Watt realisiert werden, eine Verbrauchssenkung von bis zu zwei Prozent wird angepeilt.

Im Gespräch mit der Ampel
Doch nicht nur beim Auto an sich wird nach Einsparpotenzial geforscht, sondern auch im Straßenverkehr. Hier ist das Ziel der BMW-Techniker, den Fahrer durch Verkehrsdaten so zu informieren, dass seine Route eine maximale Effizienz aufweist. Durch den neuen TPEG-Übertragungsstandard ist es anders als beim bisherigen, über das Radio gesteuerten Traffic Message Chanel, kurz TMC, möglich, mit einer höheren Bandbreite mehr Informationen zu übermitteln. Zusätzlich steht die Vernetzung des Autos mit anderen Verkehrsträgern im Vordergrund. Das Ziel ist ein vorausschauendes Fahren. Beispiel: Man hält an einer roten Ampel und bekommt die Mitteilung, dass es nur noch drei Sekunden rot ist. In diesem Fall setzt die Start-Stopp-Automatik aus, zugleich könnte der Fahrer bei einer solchen Information versuchen, bis zur Grünphase langsam an die Ampel heranzurollen. Bekommt man hingegen die Mitteilung, dass die Ampelphase noch lange dauert, wird der Motor abgeschaltet. Will man in die Stadt fahren, aber die Parkhäuser sind besetzt, kommt eine Anzeige aller Park-and-Ride-Parkplätze und die Abfahrtszeiten der U- oder S-Bahnen.

Studien im Museum
Zu hoffen bleibt, dass den technischen Innovationen nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie den neuesten Exponaten des BMW-Museums namens Simple und Clever. Die Studie Simple kombiniert Elemente aus Auto und Motorrad. Im nur 1,10 Meter breiten Fahrzeug finden zwei Personen hintereinander Platz. Das 450 Kilogramm leichte Dreirad kann sich dank spezieller Neigetechnik stark in die Kurve legen. Den Antrieb übernimmt ein Verbrennungsmotor mit einer Leistung von 49 PS, die Beschleunigung könnte unter zehn Sekunden liegen. Dank eines cW-Werts von 0,18 würde der Simple zwei Liter auf 100 Kilometer benötigen. In die gleiche Kerbe zielt der Clever, der 2002 als Initiative der TU Berlin für ein emissionsarmes Stadtfahrzeug entstand. Das drei Meter lange Dreirad wiegt unter 400 Kilogramm und setzt auf einen mit Erdgas befeuerten Einzylinder im Heck. Der Hubraum beträgt 230 Kubikzentimeter, die Leistung liegt bei 17 PS. In sieben Sekunden geht es auf Tempo 60, die Spitze wird mit 100 km/h angegeben. Die beiden Gaszylinder für je 1,7 Kilogramm CNG bieten eine Reichweite von rund 200 Kilometern.

BMW: Die Technik-Zukunft