Entscheidung der GM-Konzernspitze überrascht alle Beteiligten

Betroffenheit, Verärgerung und Enttäuschung: Das sind die Reaktionen auf die Bombe, die General Motors gezündet hat. Der US-Autokonzern beschloss jetzt, dass Opel nicht verkauft wird. Bislang deutete alles auf die Übernahme von Opel durch ein Konsortium, angeführt vom Zulieferer Magna, hin.

GM sieht Chancen zur Restrukturierung
General Motors erklärte die Entscheidung damit, dass sich das Geschäftsklima in den vergangenen Monaten verbessert habe. Aufgrund der Wichtigkeit von Opel und dem englischen Ableger Vauxhall für die globale Strategie von GM habe sich der Verwaltungsrat zum Verbleib der Marken entschlossen. So bald wie möglich möchte GM den betroffenen Regierungen einen Plan zur Restrukturierung vorlegen. Die Kosten hierfür werden auf drei Milliarden Euro beziffert, deutlich weniger, als die bisherigen Bieter investieren wollten. GM-Chef Fritz Henderson sieht die getroffene Lösung als stabilsten und günstigsten Ansatz, um die langfristige Zukunft von Opel und Vauxhall zu sichern. Zugleich kündigte der US-Konzern an, gemeinsam mit den europäischen Gewerkschaften einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Außerdem möchte GM direkt mit dem russischen Autobauer GAZ zusammenarbeiten, um die Position auf dem wichtigen russischen Markt auszubauen. Bisher war GAZ am Magna-Übernahmekonzept für Opel beteiligt.

Unterschiedliche Reaktionen
Opel unterstreicht in einer ersten Stellungnahme, dass im Interesse der Mitarbeiter eine Klärung der sich jetzt ergebenen offenen Fragen äußerst wichtig ist. Siegfried Wolf, Vizepräsident von Magna, nahm die Entscheidung gefasst auf und dankte allen Beteiligten am nun gescheiterten Übernahmeprozess. Die Opel-Treuhand, welche momentan die GM-Anteile verwaltet, setzt auf die Zukunft. Der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin, hofft, ,dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft." Der bekannte Experte für Automobilwirtschaft Prof. Ferdinand Dudenhöffer, sah genau in diesem Punkt schon Anfang September 2009 Probleme. Bliebe Opel bei GM, drohe eine Insolvenz oder schnelle Werkschließungen. Das langsame Sterben der Marke und der Standorte werde weitergehen, so Dudenhöffer. Scharfe Kritik an der GM-Entscheidung kommt vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Er zeigte sich ,sehr betroffen und zugleich verärgert, dass die monatelangen Bemühungen an GM gescheitert sind." Zugleich erwarte er, dass die Amerikaner den Brückenkredit der Bundesregierung fristgemäß zum 30. November 2009 zurückzahlen.

Heißer Herbst in Berlin
An diesen Aussagen lässt sich erkennen, dass das Thema Opel noch einigen politischen Sprengstoff birgt. Die Bundesregierung wird sich kritischen Fragen stellen müssen, ob ihre Taktik, voll auf Magna zu setzen, richtig war. Bereits vor einiger Zeit hatte die EU-Kommission Zweifel angemeldet, ob die Entscheidung in Berlin nicht auch politisch motiviert war. Eines steht fest: Der nächste Akt im Gezerre um Opel hat begonnen.

Opel bleibt bei GM