Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke-GmbH zur Zukunft der Marke

Mit Ford geht es voran: Jede Menge neue Modelle, Elektroautos und Hybride werden kommen. Ford-Chef Bernhard Mattes verrät Details.

Frage: Ford war 2009 in Deutschland und Europa recht erfolgreich, Platz drei in Deutschland, Platz zwei europaweit, was den Marktanteil betrifft. Sicherlich spielte dabei auch die Abwrackprämie eine Rolle. 2010 hat für die Autobranche nicht ganz so gut angefangen, wie sehen Sie sich für dieses Jahr aufgestellt?

Bernhard Mattes: Wir haben im ersten Quartal 2010 in unseren Kernmärkten in Europa 9,1 Prozent mehr Volumen verkauft, damit konnten wir unsere Kapazitäten gut auslasten. In Deutschland haben wir im ersten Quartal sieben Prozent Marktanteil erzielt. Damit liegen wir im Rahmen der Erwartungen. Für Deutschland haben wir nach Auslaufen der Abwrackprämie einen Rückgang der Nachfrage erwartet. Dennoch: Wir konnten unsere Position dank unserer guten und neuen Produkte halten. Im Vergleich zu einem eher normalen Jahr 2008 sind wir 2010 sowohl volumenmäßig als auch vom Marktanteil her besser unterwegs.

Wie unterscheiden sich bei Ford Privat- und Geschäftskunden-Markt?

Auf den Märkten, in denen es 2009 staatliche Anreize zum Autokauf für Privatkunden gab, wurden diese Anreize auch genutzt. So ist in Deutschland bei Ford der Privatkundenanteil von 40 auf 60 Prozent gestiegen. Jetzt geht die Privatnachfrage zurück. Allerdings liegen wir in den ersten beiden Monaten des Jahres 2010 auf Platz zwei im Privatkunden-Segment. Wir rechnen im Verlauf des Jahres mit einer Zunahme der gewerblichen Nachfrage. Diese war zu Beginn des Jahres noch verhalten. Aus der Zunahme von Anfragen sehen wir aber, dass mit einer Beruhigung der Krise die gewerbliche Nachfrage wieder anzieht. Bei leichten und mittleren Nutzfahrzeugen haben wir schon jetzt ein gutes Geschäft, was ein Indiz dafür ist, dass sich das Gewerbe wieder etwas erholt.

Eine Frage zum Wettbewerb: Opel geht es nicht gut, die Rüsselsheimer brauchen wahrscheinlich weitere staatliche Hilfen. Ford hat die Krise alleine gemeistert. Was halten Sie von einer möglichen weiteren Unterstützung für Opel?

Wir haben unser Unternehmen seit dem Jahr 2000 komplett restrukturiert und die Produktivität gesteigert. Das Produkt-Portfolio haben wir kontinuierlich erweitert und das Unternehmen weltweit neu ausgerichtet. Das alles wurde mit eigenen Mitteln finanziert. Deshalb sage ich sehr deutlich: Einseitige staatliche Hilfen, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen, sind für uns nicht akzeptabel.

Sie wollen dieses Jahr mit elf neuen Produkten auf den Markt kommen, welche sind das?

Wir werden dieses Jahr elf neue Produkte einführen. Der hier auf der AMI vorgestellte Ford Focus RS500 ist eines dieser Produkte. Bei diesem Wagen geht es um kleine Stückzahlen und hohe Emotionen. Dann wurden der S-Max und der Galaxy komplett überarbeitet. Diese Modelle kommen im Frühsommer in den Handel. Auf Basis der neuen C-Architektur werden dann im Herbst 2010 der neue C-MAX und der Grand C-MAX kommen, das sind zwei komplett neue Fahrzeuge. Wir bieten darüber hinaus in einzelnen Varianten unserer Fahrzeuge neue Antriebe an. Hier reden wir speziell von neuen EcoBoost-Benzinmotoren. Außerdem haben wir unsere Dieselmotoren komplett überarbeitet und das Doppelkupplungs-Getriebe Powershift eingeführt, das in Zukunft für mehr Motorisierungen zur Verfügung stehen wird.

Wodurch zeichnen sich die EcoBoost-Motoren aus?

Die Motoren sind aufgeladen und schöpfen so aus kleinerem Hubraum bei niedrigeren Drehzahlen eine höhere Leistung. Dabei sparen diese Triebwerke rund 20 Prozent Kraftstoff gegenüber einem herkömmlichen Benzinmotor.

EcoBoost betrifft die Benzin-Motoren. Wie steigern Sie die Effizienz der Diesel?

Wir haben die Diesel, die bei uns mit Common-Rail-Einspritzung zweiter Generation ausgerüstet sind, weiter optimiert und auf die Euro 5-Norm gebracht.

Was soll die Wagen noch effizienter machen? Wird es mehr Fahrzeuge mit Start-Stopp-System und aerodynamischen Verbesserungen geben?

Im Rahmen der Ford-Strategie ,Econetic-Technology" lassen wir dem Kunden optional die Wahl, seinen Wagen nach seinen Wünschen mit Start-Stopp und weiteren den Verbrauch senkenden Maßnahmen aufzurüsten.

Auf dem amerikanischen Markt gibt es mit dem Fusion, dem Escape und den Schwestermodellen Mercury Milan und Mariner bereits Hybridmodelle von Ford. Auf der New York Auto Show im April 2010 wurde der MKZ Hybrid der edlen Ford-Tochter Lincoln vorgestellt. Gibt es Überlegungen, diese Hybrid-Technologie auch bei europäischen Ford-Modellen einzuführen?

Wir werden im Rahmen unserer Elektrifizierungs-Strategie zwei reine batteriebetriebene Fahrzeuge 2011/12 auf den Markt bringen. Für 2011 ist der Transit Connect vorgesehen, 2012 kommt dann ein Modell der neuen Focus-Generation ebenfalls als reines Elektrofahrzeug. Wir werden darüber hinaus bis 2013 zwei Vollhybride und einen Plug-in-Hybriden in Europa auf den Markt bringen.

Nutzen Sie bei diesen Fahrzeugen die Technik aus den schon bekannten amerikanischen Modellen?

Die Fahrzeuge werden auf der Hybridtechnologie basieren, mit der wir schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Die Technik wird allerdings den Kundenbedürfnissen hier in Europa entsprechen.

Welches Ford-Modell wird in Europa als erstes mit einem Hybridantrieb angeboten werden?

Wie gesagt: Das Modell wird den Bedürfnissen europäischer Kunden entsprechen.

Ist ein neuer Ford Mondeo für nächstes Jahr geplant?

Das haben wir weder angekündigt noch bestätigt.

Wird der neue Focus im Herbst 2010 kommen?

Das ist ein Thema für 2011.

Eines der emotionalsten Fahrzeuge der Ford-Modellpalette, der Mustang, wird von Ihnen nicht in Europa angeboten. Der Wagen taucht in der Zulassungs-Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes auf, wird also von auf amerikanische Wagen spezialisierten Händlern importiert. Warum bietet Ford den tollen Wagen in Deutschland nicht selbst an?

Wir haben darüber mehrfach sehr intensiv nachgedacht. Um den Wagen als Hersteller offiziell anbieten zu können, hätten wir das Fahrzeug entsprechend europäischer Richtlinien homologieren müssen. Dies hätte umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich gemacht. Dadurch wäre der Mustang so teuer geworden, dass seine Attraktivität für den Kunden spürbar gesunken wäre. Deshalb belassen wir es dabei, dass die Fahrzeuge mit Hilfe des einen oder anderen erfahrenen Händlers einzeln abgenommen und vom Kunden selbst importiert werden.

Anfang 2009 versuchten sich fünf Universitäten an einer Ausschreibung für ein neues Ford-T-Modell, dass nicht mehr als 5.000 Euro kosten sollte und vielleicht 2015 kommen würde. Bleibt es bei den damals gesammelten Konzepten und Visionen oder wird es in naher Zukunft tatsächlich ein neues T-Modell geben?

Wir haben die Ergebnisse in unserem Ideen-Pool gesammelt. Ein konkretes Projekt für einen neuen Ford Modell T gibt es aber nicht.

Herr Mattes, wir danken Ihnen für das Gespräch.

"Neue Hybride bis 2013"