Für coole Typen: Wir fahren das Mazda MX-5 Ice Race

Hektischer Fahrerwechsel, wir müssen aus Sicherheitsgründen immer wieder den Motor ausschalten. Ein kurzes Knirschen und der Zündschlüssel bricht ab. Die minus 20 Grad Außentemperatur bescheren uns eine ordentliche Zwangspause. Wir sind mit einem offenen Mazda MX-5 im schwedischen Jämtland. Beim Mazda MX-5 Ice Race wollen wir uns unter harten Bedingungen mit anderen Fahrern messen.

Ohne Dach fürs Rennen
Zwanzig offene MX-5, modifiziert für Eisrennen mit Rennlenkrad, Vierpunkt-Sicherheitsgurt, Überrollkäfig, Spike-Reifen, speziell auf die Eispiste abgestimmtem Rennfahrwerk, Rennbremsen vorne sowie einer bullernden Sportauspuffanlage warten auf ihren Einsatz. Die Motorleistung der MX-5 liegt bei rund 160 PS mit einem maximalen Drehmoment von 188 Newtonmeter. Das verspricht eine Menge Spaß – schließlich liegt das Gewicht unserer Rennmaschine bei gerade mal 1.200 Kilogramm. Wir haben Vertrauen: Der Mazda MX-5 ist mit über 900.000 Fahrzeugen der erfolgreichste Roadster der Welt.

Viele wollen gewinnen – wirklich
Neben uns sind 19 weitere Teams mit je sechs Teilnehmern aus 27 Ländern am Start. Darunter Journalisten mit Rennstreckenerfahrung, Fernsehzuschauer und Leser, die ihren Platz Gewinnspielen verdanken. Dass diese bunte Truppe so harmlos ist, wird sich noch als großer Irrtum erweisen.

Bittere Kälte
Am nächsten Morgen bringt uns ein Shuttlebus zur ,Kall Auto Lodge" am Lake Kallsjön, dem größten Stausee der Region. Wir werden von strahlender Sonne empfangen, ein Schritt vor die Bustür erinnert uns jedoch eiskalt an die angekündigten minus 22 Grad und wir brauchen unsere Kälteschutzkleidung inklusive Sturmhaube und warmer Mütze.

Der See ruft
Wir fahren unter Regeln wie im echten Rennen. Unser Team, bestehend aus einem Preisauschreiben-Gewinner, einer Film-Crew mit Fahrer und vier Auto-Journalisten, alle mit Rennerfahrung, ist hoch motiviert. Natürlich sind wir hier in die Kälte rausgekommen, um am Ende vorne dabei zu sein. Die Strecke: ein knapp fünf Kilometer langer Rundkurs mit über 30 Linkskurven und zehn Rechtskurven. Die Piste ist rund zehn Meter breit und in den Schnee auf die rund 60 Zentimeter dicke Eisdecke des Sees gepflügt worden. Rechts und links der Strecke glänzt in der kalten Sonne nichts als Schnee. Selbst auf dem kurzen Weg zum Fahrerlager spüren wir, wie die Kälte in die Kleidung kriecht. Die Motoren der zwanzig MX-5 laufen bereits mit wohligem Sound warm.

Erste Runden
Ich starte als Dritter unseres Teams und muss mich daran gewöhnen, im Eisnebel der vor mir hetzenden Teilnehmer zu fahren. Beim Fahrerwechsel gibt's noch einen trockenen Tipp vom Vorgänger: ,Lass es langsamer angehen". Beim Losfahren merke ich, was er mir sagen wollte. Ich will ziemlich zügig im ersten Gang beschleunigen, lasse die Kupplung schnell kommen und die Spikes an den sehr schmalen Hinterrädern fräsen sich in das Eis – ich komme keinen Zentimeter voran. Also Kupplung drücken und mit Gefühl losfahren und schon habe ich Grip.

Endlich: Driften
Auf der Strecke zeigen alle noch Respekt vor der Glätte und so schlägt beim ersten Training kaum jemand in die Schneehaufen ein. Aber wir werden schneller, sind bald nur noch am Driften – der Kilometerstand zeigt wegen der durchdrehenden Reifen deutlich mehr an, als die Piste wirklich lang ist. Auf der Geraden sind maximal 70 km/h drin – wir haben alle Hände voll zu tun, auf der Piste zu bleiben. Die Schwerstarbeit von Heizung und Gebläse ballert in unseren offenen Wagen – die klirrende Kälte ist erstaunlicher Weise kaum spürbar. Nach drei Runden ist der nächste Fahrer dran.

Tape ist Trumpf
Auch im Qualifying ist Blindflug angesagt, wenn wir in den Eisschweif des Vordermanns stoßen. In der Kurve schaufelt uns der Vordermann gerne eine Eisdusche ins offene Cockpit. Dabei wird die Piste durch die nicht enden wollenden Spikes-Angriffe immer rutschiger. Jetzt rammen sich unsere MX-5 häufiger in die Schneebegrenzungen. Ein Pick-up vom Typ Mazda BT-50 zieht uns schnell wieder aus dem weißen Schlamassel. Endlich haben auch die Mechaniker was zu tun: So manche Schürze wird abmoniert oder hastig mit Klebeband ,repariert". Einer schafft es sogar, sich den Kühler abzureißen. Er legt eine grünliche Kühlflüssigkeitsspur bis ins Fahrerlager. Der Reparaturtrupp baut dem Unglücksraben in kürzester Zeit einen neuen Kühler ein.

Suchtgefahr
Nach dem Qualifying sind wir süchtig nach Eisrennen – aber wir liegen nur auf Platz zwölf. Andere Teams wie die Australier und die Russen haben bereits im Vorfeld keinen Spaß verstanden. Die Aussis treten mit einer Profimannschaft an, bei den Russen mussten die Profis vorher sogar untereinander Ausscheidungsrennen austragen. Auf die Frage an das australische Team, wie sie sich denn so schnell auf das Eis einstellen konnten, kam die Erklärung: ,Auf Eis fahren ist fast wie auf Schotter fahren und davon haben wir in Australien genug."

Es wird ernst
Am nächsten Morgen treffen wir hoch motiviert am Rennsee ein. Der schwedische Wettergott meint es gut mit uns: Wir haben strahlenden Sonnenschein, das Quecksilber im Thermometer zieht sich auf die Minus-20-Grad-Marke zurück. Das Rennen startet mit einer Aufwärmrunde hinter einem Mazda CX-7. Das Team mit den meisten Runden innerhalb von zwei mal zwei Stunden gewinnt. Wir schlagen uns wacker ohne größere Ausrutscher oder Pannen, aber die Piste wird auf den Geraden immer glatter und in den Kurven immer riffeliger – und in der zweiten Hälfte fliegen wir dann einfach ab. Beim Befreiungsversuch würgen wir den Wagen ab, was in unserem Fall ein Riesenfehler ist – schließlich ist uns, wie eingangs erwähnt, der Zündschlüssel abgebrochen. Diesmal dauert es eine Viertelstunde, bis der Wagen wieder läuft. Eine Viertelstunde Ausfall im Rennen – da fühlen sich Sekunden an wie Stunden.

Nur nicht Letzter
Trotz unseres skurrilen Zündschlüssel-Bruchs landen wir am Ende noch auf dem 16ten Platz von 20. Die halsbrecherischen Jungs vom russischen Team gewinnen verdient vor den sympathischen australischen Profis. Die Siegesfeier findet gleich auf dem Eis statt. Jeff Guyton, Präsident und CEO von Mazda Motor Europe, überreicht die Pokale und freut sich mit uns darüber, dass es keine schlimmen Unfälle gegeben hat. Unser Fazit: Der Mazda MX-5 macht nicht nur auf der Straße sondern auch bei stundenlangen Eisdrifts riesig Spaß.

Mazda MX-5 Ice Race