Zeit der Elektrostudien ist vorbei

Daimler-Chef Dieter Zetsche steht auf der Bühne des legendären Premieren-Kinos Cinéma UGC Normandie direkt an der Avenue des Champs-Elysées 116. Ein Haus weiter, an der Nummer 118, wird im Oktober 2010 ein neues Mercedes-Geschäft eröffnet. Zetsche geht es ums Thema ,The second invention of the Automobile". Damit ist nichts anderes gemeint, als die radikale Wende hin zum Elektromobil.

Liberté, égalité, E-Mobilité
Den berühmten französischen Wahlspruch ,liberté, égalité, fraternité" für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wandelt Zetsche kurzerhand um: aus Brüderlichkeit wird Elektromobilität. Das Thema ist ihm wichtig, genauso wie die Mobilität mit dem Auto an sich. Das moderne Leben sei viel zu komplex, um sämtliche Transportbedürfnisse des Einzelnen ausschließlich per Bus und Bahn zu befriedigen. Außerdem hat er beeindruckende Zahlen parat: Alleine die europäische Autoindustrie erwirtschafte pro Jahr 370 Milliarden Euro an Steuern, zwölf Millionen Familien leben in Europa von der Autoindustrie und jeder neu gebaute Autobahnkilometer soll vier neue Arbeitsplätze mit sich bringen. Dann verweist Zetsche auf eine Studie der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) die besagt, dass wir bei einer weiter ansteigenden Zahl von Fahrzeugen noch eine Kopie des Planeten Erde benötigen würden, um den Ressourcenbedarf der Wagen zu decken. Das ist der Punkt, wo die Elektromobilität ins Spiel kommt.

Serienfahrzeuge kurz vor dem Durchbruch
So zeigt Daimler-Benz in Paris die A-Klasse E-Cell, einen Fünfsitzer mit Elektroantrieb, der eine Reichweite von 200 Kilometer haben soll. Auch ein spezieller Car2go-Smart wird zu sehen sein. Das Car-Sharing-Auto kommt mit einer verbesserten Telematik und einem Solardach daher. Daimler sieht sich als der Automobilhersteller mit der größten Erfahrung in Sachen Car Sharing. Zetsche erwähnt den SLS E-Cell, den Smart ed und die Tatsache, dass im Jahr 2011 ein Start-Stopp-System in 50 Mercedes-Modellen Einzug halten wird. Bei Daimler setzt man auf Innovation, ist überzeugt davon, dass es der Welt nicht helfen würde, wenn Millionen von Tata Nanos die Straßen bevölkern würden.

3D vor 125 Jahren
Dann gibt es in dem Kino, in dem schon Stars wie Julia Roberts, Daniel Craig und Roger Moore vorbeischauten, auch noch einen 3D-Film. 125 Jahre Automobil ist das Thema, untermalt von der Lifemusik der deutschen Jazzsängerin Céline Rudolph und ihrem Orchester. Wegen der 3D-Effekte sieht es einmal so aus, als wenn eine übergroße E-Klasse mit ihrem Hinterrad direkt durch das Orchester pflügt. Nett ist die Filmsequenz, wo der erste Benz-Motorwagen bei der Patentanmeldung in Berlin vor begeistertem Publikum ein paar Meter fährt und beim Anlassen ordentlich qualmt.

C'était un rendez-vous
Das Beste des Films kommt dann zum Schluss: Ein Wagen fährt den Montmartre zur Basilique du Sacré-Cœur hinauf und eine Frau kommt von der anderen Seite zu Fuß den Hügel hoch, freut sich augenscheinlich auf den Fahrer. Das Filmende ist also nichts anderes als ein Remake des berühmten Kurzfilms ,C'était un rendez-vous" von Claude Lelouch aus dem Jahre 1976. Angstlos, in einem Ritt runtergedreht, rast Lelouch dort mit seinem Mercedes 450 SEL 6.9 durch das morgendliche Paris, um nach neun Minuten an der berühmten Kirche seine Freundin zu treffen – mehr Zeit gab ihm damals die 1.000-Fuß-35-Millimeter-Filmrolle nicht. Die Fahrt geht mit bis zu 200 km/h über nicht abgesperrte Strecken und rote Ampeln vorbei an Müllautos und durch den Gegenverkehr. Die Tonspur wurde übrigens mit dem Sound von Lelouchs Ferrari 275 GTB überspielt, mit dem der Regisseur die Strecke noch mal abfuhr. Der Original-Film ist auf der Internet-Videoplattform Youtube verfügbar.

Die Revolution soll kommen
In einer Art langem Abspann tauchen sie dann auf: Die George Clooneys dieser Welt: Unzählige bekannte Filme mit unzähligen Weltstars und ihren Mercedes-Modellen. So ziemlich alle sind mit Verbrennungsmotor unterwegs – vielleicht mal abgesehen von dem Transformer-Wagen der ,Men in Black". Dieter Zetsche lässt aber keinen Zweifel an der Elektro-Ausrichtung seines Konzerns: ,Große Pläne für eine kleine Firma" sagt er bescheiden. Und dann fügt er verschmitzt hinzu. ,Vive la révolution".

Bildergalerie: Elektrisch vorwärts