BMW-Tochter ab 2011 mit dem Countryman in Rallye-Weltmeisterschaft WRC

Der Name Mini im Rallye-Sport? Lang ist es her. Das letzte offizielle Engagement der Marke liegt bereits über 40 Jahre zurück. Drei mal gewann ein Mini die traditionsreiche Rallye Monte Carlo, 1965 sprang der Gewinn der Rallye-Europameisterschaft heraus. An diese glorreichen Zeiten möchte die englische Marke anknüpfen. Auf dem Pariser Autosalon 2010 (2. bis 17. Oktober) stellt die BMW-Tochter das Einsatzfahrzeug vor, das ab 2011 bei der Rallye-Weltmeisterschaft WRC an den Start gehen soll.

Basisfahrzeug Countryman
Basis für das Rallye-Auto ist nicht etwa wie in den 1960ern der Cooper S, sondern der fünftürige Countryman. Er ist mit 4,11 Meter Länge der bis dato größte je gebaute Mini und kann in der Serienversion optional mit dem Allradantrieb ALL4 ausgestattet werden. Den Fünftürer gibt es mit einem 1,6-Liter Turbobenziner und 184 PS sowie 240 Newtonmeter Drehmoment.

1,6-Liter-Turbo mit zirka 300 PS
Der Rallye-Ableger entspricht dem neuen Super2000-Reglement vom Automobil-Weltverband FIA, das den Einsatz von Turbo-Motoren mit 1.600 Kubikzentimeter Hubraum sowie Allradantrieb vorschreibt. Diese Eigenschaften stellen zumindest auf dem Papier eine Verbindung zum Serienmodell her. Das Renn-Aggregat mit Direkteinspritzung wird aber von BMW Motorsport aufgebaut und toppt die Werte der Straßenversion locker: Weil ständig weiter an den Leistungsdaten gefeilt wird und man die Konkurrenz im Unklaren lassen möchte, spricht BMW derzeit von ,um 300 PS" und ,um 350 Newtonmeter". Da die anderen Rallyeteilnehmer ähnlich stark sein dürften, ist der Underdog-Status der 1960er jedoch leider nicht mehr gegeben: Der Monte-Carlo-Gewinner von 1964 kämpfte noch mit einem 1.071-Kubikzentimeter-Motor und zirka 71 PS gegen weitaus potentere Gegner.

Kooperation mit Prodrive
Der Countryman WRC wurde zusammen mit dem Kooperationspartner Prodrive konzipiert. Prodrive hat bereits lange Jahre Erfahrung in der Rallye-Weltmeisterschaft und anderen Rennserien sowie mit verschiedenen Herstellern gesammelt, darunter Porsche, Subaru, Ferrari und Aston Martin. Auch mit der Mini-Mutter BMW arbeitete die britische Firma bereits zusammen. Mit der Entwicklung des aktuellen Rallye-Minis befasst sich Prodrive seit Anfang 2009.

Bereits sechs Rallye-Gesamtsiege
Prodrive wurde 1984 von David Richards gegründet, der drei Jahre zuvor als Co-Pilot des Finnen Ari Vatanen den WM-Titel im Rallye-Sport gewonnen hatte. Unter Richards Leitung hat sich der Betrieb mit Sitz im englischen Banbury zu einem führenden unabhängigen Unternehmen im Motorsport- und Automobilsektor entwickelt und beschäftigt heute über 500 Mitarbeiter. Bis dato stehen für die Firma unter anderem sechs Gesamtsiege in der Rallye-WM, fünf Titel in der britischen Tourenwagenmeisterschaft und drei Klassensiege bei den 24 Stunden von Le Mans zu Buche.

BMW und Mini in der Rallye-Meisterschaft
BMW nahm bereits bei der Premiere der Rallye-Weltmeisterschaft im Jahr 1973 teil. Der Deutsche Achim Warmbold und der Franzose Jean Todt feierten in ihrem BMW 2002 den Sieg bei der Rallye Alpenfahrt in Österreich. Noch weiter reicht die Tradition von Mini in dieser Motorsport-Disziplin zurück: Der erste Sieg mit dem Mini 850 gelang der Britin Pat Moss 1959 bei der Mini Miglia National Rally. 1964, 1965 und 1967 feierte die Marke mit dem Cooper S drei Gesamtsiege bei der traditionsreichen Rallye Monte Carlo. Die Sieger hießen jeweils Paddy Hopkirk, Timo Mäkinen und Rauno Aaltonen. 1965 triumphierte der finnische ,Rallye-Professor" Aaltonen auch in der Europameisterschaft. Tony Ambrose aus Großbritannien und der Finne Mäkinen komplettierten auf den Plätzen zwei und drei den Triumph der Marke. Zudem feierten Mini-Piloten viele weitere Einzelsiege bei Rallyes in ganz Europa. Der bis heute letzte Sieg von BMW in der Rallye-WM gelang dem Franzosen Bernard Béguin 1987 bei der Rallye Korsika am Steuer eines Prodrive BMW M3.

Countryman-Einsatz ab 2011
Als erster Fahrer für das Cockpit des neuen Rallye-Mini wurde Kris Meeke aus dem nordirischen Dungannon bestätigt. Der 31-Jährige ist bereits in der Rallye-Szene etabliert. Sein größter Erfolg war 2009 der Fahrertitel in der WRC-Konkurrenzserie IRC (Intercontinental Rally Challenge), die er im ersten Anlauf gewann. Der Countryman WRC wird 2011 zunächst an sechs von 13 Rallyes teilnehmen. Ab 2012 bestreitet Mini dann die komplette Saison. Zusätzlich soll es auch privaten Kundenteams möglich sein, das Fahrzeug einzusetzen.

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