Gemeinsame Erklärung der deutschen Autohersteller

Die Verbraucher weigern sich, und sogar die Polizei tankt vorerst kein E10 – aus Angst vor eventuellen Schäden. Daher versucht die deutsche Automobilindustrie nun, das Vertrauen in E10 zu stärken. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) veröffentlichte am Montag, 28. März 2011, eine gemeinsame Erklärung.

Garantie der deutschen Hersteller
Die Konzerne betonen, ,die weit überwiegende Mehrheit der Autofahrer in Deutschland" könne E10 ohne Bedenken tanken. ,Rund 99 Prozent aller Autos deutscher Marken mit Benzinmotor auf unseren Straßen vertragen E10. Alle Hersteller haben die wenigen Ausnahmen benannt. Diese Angaben sind in der Verträglichkeitsliste der DAT zusammengestellt (www.dat.de). Unsere Aussagen in dieser Liste sind verbindlich, die Autofahrer können sich darauf verlassen. Selbstverständlich gelten auch bei E10 alle rechtlichen Ansprüche des Verbrauchers." Die deutsche Automobilindustrie stehe für die Qualität ihrer Produkte ein. Die Aussagen fußten auf Laborversuche und Testfahrten sowie auf Biosprit-Erfahrungen im Ausland – etwa Brasilien, Schweden und USA.

Noch ungeklärt: Die Beweisfrage
Unterzeichnet haben die Erklärung die Entwicklungsvorstände Michael Dick (Audi), Klaus Draeger (BMW), Rita Forst (Opel), Ulrich Hackenberg (VW), Wolfgang Hatz (Porsche), Caspar Hohage (Ford) und Thomas Weber (Daimler). Aus der Erklärung ist zu schließen, dass die deutschen Hersteller bei E10-Schäden haften, wenn sie bei Autos auftreten, die laut DAT-Liste E10 vertragen. Es bleibt allerdings die Frage, wie ein Autofahrer, der nach mehreren Jahren beispielsweise einen Motorschaden feststellen muss, belegen könnte, dass E10 die Ursache war.

Mineralölkonzerne scheinen sich umzustellen
Die Autofahrer sträuben sich unterdessen weiter gegen E10, und die Mineralölkonzerne beginnen, sich auf die Lage einzustellen. So fährt Total nun seine E10-Produktion zurück. Wie aus übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht, verringert der Hersteller bei seiner Raffinerie in Leuna den Anteil an E10 und produziert wieder mehr normalen Superkraftstoff. Ein Sprecher sagte, man passe sich dem Verbraucherverhalten an. Total werde aber weiter E10 anbieten.

Nicht überall, wo E10 draufsteht ...
Während Total offenbar weniger E10 absetzen kann als vorhanden, ist es andernorts laut einem Bericht des Magazins ,Focus" umgekehrt: Obwohl fast niemand den neuen Sprit tankt, mangelt es an E10. Noch nicht überall gibt es genug Produktions- und Lagerkapazitäten für E10. Doch die Zapfsäulen sind schon mit E10 beschriftet. Deshalb fließt angeblich aus vielen E10-Zapfsäulen weiterhin normales Super. Rechtlich ist das offenbar in Ordnung, denn die DIN-Norm 51626-1 schreibt für E10 lediglich den Ethanol-Maximalgehalt von zehn Prozent vor.

Shell: Vorgeschriebene Quote nicht erreichbar
Wie gründlich die E10-Einführung gescheitert ist, lässt sich auch einem Interview entnehmen, das Shell-Deutschlandchef Peter Blauwhoff dem ,Tagesspiegel" gab. ,Jetzt ist es ganz und gar unmöglich geworden, die Quote [der vorgeschriebene Biokraftstoff-Anteil von 6,25 Prozent, Anm. der Red.] in diesem Jahr zu erreichen", sagte Blauwhoff. Und weiter: ,Die Erfüllung der gesetzlichen Bioquote setzt voraus, dass mehr als 90 Prozent unserer Benzinverkäufe E10 sind. Gegenwärtig stehen wir aber eher bei 50:50."

Shell bietet Versicherung an
Um die Quote zu erhöhen, will Shell nun zusammen mit der DFV Deutsche Familienversicherung sogar eine Versicherung gegen E10-Schäden einführen. Wer mit seinem laut Hersteller E10-toleranten Auto bei Shell mehr als 30 Liter von dem Biosprit tankt, soll sich registrieren können und dann ohne weitere Kosten für 18 Monate gegen Folgeschäden versichert sein. Auch hier gibt es jedoch einen Haken: Die Werkstatt oder ein Sachverständiger muss bestätigen, dass der Schaden durch E10 entstanden ist. Außerdem muss das Fahrzeug seit Abschluss der Versicherung zu mindestens 80 Prozent bei Shell betankt werden, was durch Belege nachzuweisen ist – so ist die Versicherung wohl auch eine Maßnahme zur Umsatzsteigerung. Esso geht einen anderen Weg, die Kunden von E10 zu überzeugen. Testweise hat der Konzern schon vor anderthalb Wochen den Preis des ethanolhaltigen Kraftstoffs gesenkt. Ob das wohl hilft?

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